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Eine unvorstellbare Familiengeschichte aus dem Dritten Reich

Eine unvorstellbare Familiengeschichte aus dem Dritten Reich

Niklas Frank, der Sohn von Hans Frank, der auch als "Schlächter von Polen" bezeichnet wurde, hat die Realschule plus Bleialf besucht. Vor den Klassenstufen 9 und 10 las er aus seinen Büchern "Der Vater - eine Abrechnung" und "Meine deutsche Mutter".

Bleialf. Niklas Frank wuchs größtenteils im besetzten Polen auf, wobei er den Krieg, die Verfolgung und den Tod miterlebte. Zu jener Zeit kam ihm das alles ganz harmlos vor. Von einem Bekannten erfuhr er über Hitler: "Damals war das nur der nette Onkel mit der Uniform, bei dem es immer so leckeren warmen Kakao gab". Doch heute weiß er, dass der Onkel ganz und gar nicht nett war, genauso wenig wie sein Vater. Hans Frank war der Generalgouverneur von Polen und als solcher mitverantwortlich für die Deportation und den Mord an mehreren Millionen Juden.
Seine Mutter Brigitte Frank galt als "Königin von Polen", weil sie sich am Beutegut bereicherte. Niklas Frank erzählte, wie sein Vater 1946 vom Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode am Galgen verurteilt wurde: "Er hatte es verdient!". Noch heute trägt Niklas Frank ein Bild von seinem Vater nach seiner Hinrichtung bei sich. Bei der Frage, warum er dies tue, erläuterte er, dass er beim Anblick daran denkt, dass sein Vater ein Mörder und ein schrecklicher Mann war. Der Tod sei das, was er verdiene. Außerdem würde er immer wieder daran erinnert, dass so etwas nie wieder passieren darf.
Mit dieser Einstellung trifft er bei vielen Menschen auf Unverständnis. Sie finden es schrecklich, wie er über seinen Vater spricht. Denn auch trotz der Taten des Vaters, sei es immer noch sein Vater und den dürfe er nicht so hassen. Eine Schülerin stellte die Frage, ob er seinen Vater wirklich hassen würde. Darauf antwortete Niklas Frank nachdenklich: "Ich würde nicht sagen, dass ich ihn hasse, ich verachte ihn für das, was er getan hat."
Die Jugendlichen fanden die Lesung und das Gespräch sehr spannend, sie stellten viele Fragen. Keiner kann sich vorstellen, wie es ist, eine solche Familiengeschichte zu haben. Ein Schüler bemerkte, dass er es toll finde, dass Niklas Frank seine Erfahrungen weitergebe und damit unsere Gesellschaft zum Nachdenken über unsere Vergangenheit anrege. Kathrin Spoo, Klasse 10b