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Körpersprache statt Kommunikation

Körpersprache statt Kommunikation

WITTLICH. Die Schauspieler des Theaters Trier begeisterten das Publikum im Peter-Wust-Gymnasium mit der Premiere des Theaterstücks "Robinson & Crusoe".

Die Bühne ist ein Meer. In der Mitte befindet sich ein Dach. Blauer Himmel im Hintergrund. Es ist dunkel und still. Dann hört man eine Explosion. Ein Mann rudert auf das Dach zu. Er trägt Militäruniform. Dann taucht ein zweiter Mann auf. Er gehört offensichtlich einer ganz anderen Armee an. Zwei Männer aus verschiedenen Ländern auf einem Dach gefangen - das kann nicht gut gehen, oder doch? Zuerst hat es ganz den Anschein, als ob die zwei sich umbringen, sie fesseln sich abwechselnd gegenseitig und machen dem anderen die Nase mit Essen lang. Doch nach einiger Zeit schließen sie Waffenstillstand und versuchen, durch Mimik und Gestik miteinander zu kommunizieren, da sie einander nicht verstehen. Aufgrund des Zusammenlebens auf dem Dach schließen die zwei Fremden Freundschaft, denn außer der Sprache sind sie sich sehr ähnlich, wie sie nach geraumer Zeit feststellen. Beide sind in der Armee und haben eine Familie. Die Botschaft kommt an

Die Thematik des Schauspiels "Robinson & Crusoe" ist das friedliche Zusammenleben der Menschen ohne Waffen. Trotz des ernsten Themas geht das Stück lustig mit dem Nichtverstehen um. Die zwei Figuren nähern sich spielerisch an und schaffen es so, gemeinsam ans Ziel zu gelangen. Das Schauspiel arbeitet sehr stark mit Körpersprache. Es zeigt auf, wie die Angst vor dem Fremden überwunden werden kann und Gewalt kein Mittel zur Kommunikation ist. Zur Kulisse sagte die Bühnenbildnerin Marit Gubalke: "Das Bühnenbild zeigt ein Gebiet nach einer Flutkatastrophe. Die meisten Häuser sind unter Wasser, nur das eine Dach ist zu sehen. Das Überleben in der Geschichte ist fast hoffnungslos. Die Plane stellt die Wellen dar, es soll aufgrund der Lichtreflexe so real wie möglich wirken. Das Bühnenbild wurde wegen des Textbuches so gestaltet, wir Bühnenbildner interpretieren es nur weiter." Eingeladen zur Premierenfeier "außerhalb" des Trierer Theaters waren 300 Schüler des Peter-Wust-Gymnasiums, des Cusanus-Gymnasiums, der Dualen Oberschule und der Kurfürst-Balduin-Realschule Wittlich. Aber zu einer "echten" Premierenfeier gehören auch Gäste aus Politik, Kultur, Theater und Presse. Landrätin Beate Läsch-Weber freute sich über das begeisterte Publikum und die gut übermittelte Botschaft, dass Fremde in einer Notsituation mit Gesten zu Freunden werden. Staatssekretär Hofmann-Göttig setzt seine Hoffnung in die Schüler von heute, die hoffentlich die Zuschauer von morgen sind. Schulleiter Michael Forster äußerte sich sehr positiv zu dem Theaterstück. Er meinte, er wäre "komplett begeistert" gewesen. Besonders hätte ihn die Körpersprache interessiert. "300 Schüler zu begeistern, ruhig zu halten und die Reaktionen abzuwarten ist eine gelungene Leistung." Und die jüngeren Gäste? Einige Schülerinnen der 6b des Cusanus-Gymnasiums äußerten sich ebenfalls sehr positiv. Wenn man die Begriffe "gute schauspielerische Leistung", "super Aufführung", "für das Publikum sehr ansprechend", "witzig" und "gute Sprachauswahl" hört, kann man sich denken, dass das Theaterstück auch aus Schülersicht äußerst gelungen war.Der besondere Kick durch das Publikum

Wir ließen es uns natürlich nicht nehmen, auch die beiden Schauspieler zu befragen. In einem Gespräch mit Alexander Ourth und Jan Brunhoeber erfahren wir, dass es auch für die Darsteller einmal etwas anderes ist, an einem fremden Spielort zu spielen. "Man kommt zu jungen Menschen und kann auch selbst mal etwas dabei steuern. Die Sprache dieses ausländischen Soldaten habe ich mir mit ausgedacht", sagt Alexander Ourth. Da die Premierenfeier immer die erste Rückmeldung für die Schauspieler ist, fragten wir nach den Zuschauerreaktionen. "Es war spürbar, dass man eine Beziehung zu dem Publikum aufgebaut hat. Es hat unheimlich motiviert und einem den extra Kick gegeben," sagt Jan Brunhoeber. Wenn man sich am Schluss die Kommentare noch mal anschaut, erkennt man ganz deutlich, dass das Schauspiel ein voller Erfolg und Schülern der Altersgruppe von zehn bis 14 Jahren sehr zu empfehlen ist. "Das Schauspiel wird noch an 15 weiteren Schulen aufgeführt", freuen sich Theaterregisseurin Indira Rautenberg und Intendant Weber. Mareike Poß und Yvonne Braschel, 11. Klasse, Peter-Wust-Gymnasium, Wittlich