Leithammel, Jungspunde und Ziele

Leithammel, Jungspunde und Ziele

TRIER. Schafft die Trierer Eintracht den Klassenerhalt? Nicht nur Co-Trainer Arno Michels ist davon überzeugt. Im KLASSE!-Interview äußert sich Michels zu Neuzugängen, Zielen und dem Thema Stadionneubau.

Wie haben Sie und Paul Linz es geschafft, jetzt schon so viele Jahre den guten Teamgeist zu erhalten, den die Eintracht auszeichnet? Michels: Den Teamgeist zu erhalten ist das oberste Credo für uns. Es fängt an bei der Auswahl der Spieler, sie müssen nicht nur spielerisch gut zur Mannschaft passen, sondern auch vom Typ her. Für uns wird auch in Zukunft der Teamgeist entscheidend bleiben. Wir sind kein Team, das um die Deutsche Meisterschaft spielt, sondern eine Mannschaft, die sich alles hart erarbeiten muss, was nur mit Teamgeist geht. Das sind die Gründe, weshalb wir uns jetzt schon im dritten Jahr in der 2. Liga bewähren. Welches Resümee ziehen Sie nach der Hinrunde? Michels: Ich denke, dass wir in einer Hinrunde, die alles andere als optimal für uns lief, mit 22 Punkten zufrieden sein können. Ein Grund waren die Verletzungen, beispielsweise von Leistungsträgern wie Harry Koch, Milorad Pekovic, Carsten Marell. Hinzu kamen Spieler wie Mamic, die keine richtige Vorbereitung hatten und dann natürlich ins kalte Wasser geworfen wurden. Wenn alle verletzungsfrei bleiben, bin ich mir sicher, dass wir die Klasse halten werden und das Potenzial haben, noch weiter nach oben zu kommen. Welcher Spieler hat Sie in der Hinrunde am meisten erfreut? Michels: Ein richtiger Häuptling fehlte uns eigentlich in der Hinrunde, weil mit Harry Koch unsere Leitfigur fast dreieinhalb Monate ausfiel. Am konstantesten hat sicherlich Torwart Dario Kresic gespielt. Von den jüngeren Spieler hat Alexander Adrian angedeutet, dass man ihn in die Stammformation einbauen kann. Er wurde aber durch eine Verletzung zurückgeworfen. Wo lagen Ihrer Meinung nach in der vergangenen Hinrunde die Schwachpunkte des Teams? Michels: Grundsätzliche Schwachpunkte waren die vermeidbaren, unnötigen Gegentore. Ich denke, dass wir uns im taktischen Bereich verbessern können, dass wir weniger Fehler im Spielaufbau machen und wieder gradliniger spielen. Das alles hat aber damit zu tun, dass uns durch die Ausfälle der Hinrunde die Kontinuität gefehlt hat und immer wieder eine neue Formation auf dem Spielfeld stand. Von den Neuzugängen hat sich bisher nur Mamic durchgesetzt. Was sagen Sie zu den anderen Neuverpflichtungen? Michels: Thomas Reis hatte die Saison gut begonnen. Nach einigen Spielen hatte man dann aber gemerkt, dass er nicht die nötige Substanz besitzt, um regelmäßig 90 Minuten zu spielen. In der Winterpause hat er jetzt eine ordentliche Vorbereitung gemacht. Bei Zoran Mamic war es ähnlich. Er hat seine Sache außergewöhnlich gut gemacht und der Mannschaft den nötigen Halt gegeben. Bei den jungen Spielern darf man eigentlich noch nicht zu viel erwarten. Beispielsweise hat David Siradze schon aufblitzen lassen, dass er viel Potenzial hat. Ihm fehlt allerdings die Kontinuität. Jens Robben hat auch schon in einigen Einsätzen gezeigt, was er kann. Von ihm erhoffen wir uns auch noch etwas, da er erst 22 Jahre alt ist. Bei Samir Louadj und Sebastian Becker, die beide aus der A-Jugend kamen, darf man auch noch nicht zu viel erwarten. Mit ihnen müssen wir noch ein bisschen Geduld haben. Wie ist der neueste Stand in Sachen Stadionbau? Michels: Um in Zukunft in der 2. Liga konkurrenzfähig zu bleiben, brauchen wir andere Rahmenbedingungen. Das können wir natürlich nur durch ein neues Stadion mit mehr Komfort und mehr Sitzplätzen erreichen. Ich hoffe, dass man sieht, was in Trier passiert und auch durch den SV Eintracht Trier finanziell bewegt wird. Ich bin in Sachen Stadionneubau absolut optimistisch, da es einfach eine Notwendigkeit ist, um im Profifußball zu bestehen.An Tempo und Härte der 2. Liga gewöhnen

Wie gehen Sie bei der Beobachtung von Neuzugängen vor? Michels: Wenn man sich in der 2. Liga umschaut, dann sieht man mittlerweile, dass viele frühere Erstliga-Spieler dort aktiv sind. Diese braucht man sich nicht anzuschauen, weil man weiß, was sie leisten können. Wenn ansonsten ein Spieler aus den unteren Ligen kommt, muss man ihn natürlich zwei bis drei Mal anschauen. Wir haben Spielerbeobachter, die in der Regionalliga Spieler beobachten, deshalb sind wir gut informiert. Dann muss man noch die eine oder andere Meinung einholen, wenn man sich nicht ganz sicher ist, ob der Spieler auch vom Typ her in die Mannschaft hineinpasst. Erhoffen Sie sich von den Neuzugängen Maric und Schulz sofortige Verstärkung? Wie wirken sie sich auf die Stammformation aus? Michels: Marijo Maric kann man aufgrund seiner Erfahrung als sofortige Verstärkung ansehen. Bei Gustav Schulz müssen wir vorsichtig sein, dass wir nicht zu viel verlangen, weil er sich erst mal an das Tempo und die Härte in der 2. Liga gewöhnen muss. In der Rückrunde muss die Eintracht gegen den Großteil der Spitzenteams auswärts ran. Könnte es das noch schwieriger machen, den einen Auswärtssieg der Hinrunde zu toppen? Michels: Ich persönlich sehe es als Vorteil an, gegen die unmittelbaren Konkurrenten daheim spielen zu können. Im letzten Jahr war dies unser Trumpf. Deshalb müssen wir zuerst einmal schauen, daheim zu gewinnen und wenn wir dann noch gegen die Mannschaften, die in der Tabelle über uns stehen, auswärts siegen, wäre das natürlich noch schöner. Wo würden Sie den SVE gerne zum Saisonende sehen? Michels: Von der Platzierung her natürlich auf dem ersten Platz, das ist ja klar. Wenn es uns frühzeitig gelingt, vom Abstiegkampf nicht mehr betroffen zu sein, dann wäre das als Zielsetzung absolut in Ordnung. Langfristig wünsche ich mir natürlich, dass wir mehr schaffen als nur den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Mit Arno Michels sprach Philipp Rhein vom Auguste-Viktoria-Gymnasium Trier