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So nah und doch so fern?

So nah und doch so fern?

Wie sieht eigentlich der Schulalltag in Luxemburg aus? Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, besuchten wir, der Französischleistungskurs 11 des Willibrord-Gymnasiums Bitburg, das Lycée Classique in Diekirch.



Tradition und Moderne



Was mit Sicherheit viele von uns während unseres Rundgangs faszinierte, war die vielfältige und moderne Ausstattung der Schule, die den 2050 Schülern zur Verfügung steht. Die Schüler des Lycée Classique sind auf drei Gebäude verteilt, deren Architektur durchaus bemerkenswert ist. Das Ziel des Architekten Valentini war es, Modernes mit Altem zu verknüpfen. Zu Beginn unseres Rundgangs besuchten wir die geräumige, mit internationaler Literatur ausgestaltete Bibliothek. Dieser Raum dient den Schülern nicht nur als Informationsquelle, sondern auch als Arbeitsplatz. Als Nächstes betrachteten wir die medialen Angebote. Nicht nur das hauseigene Kino weckte unser Interesse, sondern auch die Radio- sowie die Wetterstation. Ob im Video- oder Fotostudio oder den Räumen eigens für Plakat- und Produktdesign - hier können sich die Schüler in allen Bereichen künstlerisch entfalten. Auch in den naturwissenschaftlichen und sportlichen Bereichen ist mit modernen Chemie- und Physiksälen und einer geräumigen Sporthalle eine bestmögliche Ausbildung der Schüler gewährleistet. Als Letztes ist noch der große Festsaal zu erwähnen, den beispielsweise die Theatergruppe für ihre Aufführungen nutzt.

Annika Crames, Nadine Lowry, Stefanie Zenzen

Die Geschichte des Lycée



Das Lycée Classique de Diekirch ist eine luxemburgische Sekundarschule, die 1830 unter dem früheren Bürgermeister Fr. Jul. Vannerus und dem Geistlichen Pierre Stehers gegründet wurde. Am 4. November 1830 wurde zum ersten Mal der Unterricht in den Räumen des alten Klosters Récollets aufgenommen. Anschließend bezog das Gymnasium 1867 die renovierten Räumlichkeiten der im Jahre 1847 errichteten Kaserne der preußischen Truppen, worauf hin das Kloster abgerissen wurde. Während des Zweiten Weltkrieges musste der Unterricht mehrmals unterbrochen werden und durch mehrere Angriffe war das Gebäude nach dem Krieg stark renovierungsbedürftig. So kam es, dass 1966 der Bau einer neuen Schule inklusive Sporthalle begonnen wurde, welcher 1971 offiziell abgeschlossen worden war. In den letzten Jahren wurde das Lycée fast vollständig renoviert.

Fabian und Philipp Bernreiter, David Weinand

Das luxemburgische Schulsystem



"Die Entfernung liegt nicht in der Wegstrecke, sondern in den Köpfen", so eine Lehrerin des Lycée Classique in Diekirch. Dem konnten wir nach einer sehr interessanten "Informationsstunde" über das Schulsystem in Luxemburg zustimmen. Dabei wurde uns deutlich, dass die Mehrsprachigkeit die Basis aller Erziehungs- und Bildungseinrichtungen ist. Es beginnt mit den Kindergärten und -tagesstätten, in denen mit den Kindern in der Muttersprache "létzebuergesch" gesprochen wird. Bereits mit wenigen Monaten können die Kinder eine Kinderkrippe besuchen, nach der dann die Zeit im Kindergarten im Alter von vier bis sechs Jahren anschließt. Die Grundschule ist, anders als in Deutschland, erst nach der sechsten Klasse abgeschlossen. Schon im ersten Schuljahr erlernen die Kinder die allererste Fremdsprache: Deutsch, in der alle Fächer, bis auf das Fach Luxemburgisch, unterrichtet werden. Die zweite Fremdsprache lässt nicht lange auf sich warten, denn im zweiten Schuljahr steht Französisch auf dem Lehrplan. Im sechsten Schuljahr fällt dann in Abhängigkeit der schulischen Leistungen die Entscheidung, auf welche Sekundarschule man in Zukunft geht. Dabei stehen wie in Deutschland drei Arten zur Wahl: das Lycée Classique (= Gymnasium), Lycée Technique (= Realschule), und die Modulaire ( =Hauptschule). Für die Kinder im Lycée Classique steht im achten Schuljahr erneut das Erlernen einer weiteren Fremdsprache bevor. Zwischen Englisch und Latein können die Schüler wählen, wobei die Wahl von Latein das Erlernen von Englisch ab der neunten Klasse einschließt. Ab der zehnten Klasse werden dann alle Fächer in Französisch unterrichtet, was für viele eine große Umstellung bedeutet. Mit der abgeschlossenen 13. Klasse ist die Sekundarschule beendet und das Abitur ermöglicht den Schülern dann, an einer Universität zu studieren. Der zweite Bildungsweg, das Lycée Technique, fokussiert die Kinder auf einen handwerklichen Beruf. Auch dort erhält man mit der 13. Klasse den Abschluss, wonach dennoch für Schüler mit guter Lernkapazität die Option Studium offen steht. Die Modulaire ist eine spezielle Schule für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Sie fangen meistens bereits mit 16 Jahren an zu arbeiten. Ein weiterer Unterschied zu Deutschland bildet das Notensystem, das nicht von eins bis sechs, sondern von 60 Punkten bis hin zu einem Punkt geht. Allerdings gilt dort die Regelung, dass man mindestens 30 Punkte erreichen muss, um eine Prüfung zu bestehen. Nach dieser Stunde war auch für uns klar: Trotz der geringen Entfernung liegen deutliche Unterschiede im Schulsystem vor. Marina Aubart, Karina Krones, Janina Reißen