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Bruder Lothar Wagner lässt Friedhofskinder hoffen

TV-Adventskalender – Meine Hilfe zählt : Bruder Lothar lässt Friedhofskinder hoffen

Obdachlose Kinder in Liberia schaffen sich einen Platz in Gräbern, um zu überleben. Ein aus Aach bei Trier stammender Ordensmann holt sie zurück ins Leben.

Salesianerbruder Lothar Wagner hat sich an diesem Freitagvormittag mit Finanzen beschäftigt, Mitarbeiter fortgebildet und Behördengänge erledigt. Was sich nach einem normalen Arbeitstag anhört, ist keiner. Der Bruder erzählt weiter und schnell ist klar, seine Arbeit ist Lichtjahre von Alltäglichem entfernt. „Jeden Morgen sind wir im Gefängnis, auf dem Friedhof und den Straßen Monrovias unterwegs“, berichtet der aus Aach bei Trier stammende Ordensmann aus der Hauptstadt Liberias. Seit zwölf Jahren ist er für die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Bosco in Afrika, seit August dieses Jahres wieder in Liberia. Vielen Menschen in der Region ist er wegen beispielhafter Einsätze bekannt, etwa im Kampf gegen die Ebola-Epidemie.

Die Schicksale, von denen Bruder Lothar unserer Zeitung berichtet, machen buchstäblich fassungslos: Obdachlose Kinder schlagen mit Hämmern Grabstätten auf und schaffen sich Platz im Reich der Toten – um sich vor patrouillierenden Polizisten und schlechtem Wetter zu schützen. Bruder Lothar und seine Mitbrüder kümmern sich um die Friedhofskinder von Liberia. In diesem Land landen Jungen und Mädchen reihenweise auf der Straße. Vor allem Kinder aus ländlichen Gebieten brechen voller Hoffnung auf ein besseres Leben in die Hauptstadt auf – das Ende ist schmerzlich. Der Zentralfriedhof als Schlafstätte sei symptomatisch, denn das Land habe viele Probleme, sagt der Salesianerbruder. Bittere Armut, Familien, die zerbrochen sind, ein ungenügendes Schulsystem, zählt er ein paar der folgenschweren Schieflagen auf.

Bruder Lothar kümmert sich in Liberia um Kinder am Rande der Gesellschaft. Weil sie keinen anderen Platz haben, übernachten sie auch auf dem Friedhof. Foto: Ordne Don Bosco/Orden Don Bosco

Die Friedhofskinder haben nur eine Chance. Die geben Menschen wie Bruder Lothar ihnen. Über „Meine Hilfe zählt“, die große Spendenplattform des Trierischen Volksfreunds, sammelt die Don Bosco Mission Bonn Spenden, damit Hilfsaktionen für die Friedhofskinder in dem westafrikanischen Land finanziert werden können. Dass sich Kinder in Grabstätten von Toten legen, da sie sonst keinen Platz unter der Gesellschaft finden, bewegt den Ordensmann zutiefst. So wie die vielen Einzelschicksale der Kinder, „die mir sehr oft den Atem stocken lassen.“

An diesem Freitag habe er mit einem zwölfjährigen drogenabhängigen Jungen auf dem Friedhof ein tolles Gespräch geführt. „Am Abend sah ich ihn wieder auf dem Jungenstrich“, sagt Bruder Lothar. Ein Leben wie es die meisten Friedhofskinder führen. Es sei herausfordernd, Alternativen für sie zu finden, da sie in den Fängen von Drogen seien und auf dem Strich vergleichsweise sehr gutes Geld verdienten.

Auf dem Friedhof beobachten Bruder Lothar und sein Team ein Kommen und Gehen. „Wir gehen derzeit von rund 1000 Friedhofskindern in Monrovia aus“, sagt er. Die Salesianer geben den Kindern Hoffnung, indem sie ihnen erst einmal ein gesundes und warmes Essen geben, das Gefühl etwas wert zu sein – und sie sprechen mit ihnen. Die Arbeit mit den obdachlosen Kindern braucht viel Fingerspitzengefühl und einen langen Atem: „Wir dürfen sie nicht überfordern“, berichtet der studierte Theologe und Sozialpädagoge. Ein Kind, das bereit für eine Rehabilitation sei, brauche zuerst medizinische Hilfe. „Die beginnt oft mit einer Entgiftung“, sagt der Eifeler, „begleitet von psychosozialen Hilfen und Familienarbeit.“ Denn bestenfalls kehren die Kinder wieder zu ihren Familien zurück und gehen zur Schule. Die Ordensmänner sind gut vernetzt, arbeiten mit Einrichtungen aus den Bereichen Gesundheit, Sozialarbeit, Polizei und Justiz zusammen.

Das Meine Hilfe zählt-Projekt „Hilfe für Friedhofskinder in Liberia“ hat die Nummer 85810. Jeder Cent hilft, dass Bruder Lothar und seine Mitbrüder die Kinder ins Leben zurückholen können. Gebraucht wird Geld für warmes Essen, für medizinische Versorgung, um Sozialarbeiter zu bezahlen, für Schulstipendien, Drogentherapien und Aufklärungskampagnen - damit möglichst viele Kinder den Absprung vom Friedhof finden.

Täglich sind Sozialarbeiter auch im Gefängnis unterwegs, geben den sogenannten Knastkindern und Kranken Essen, Kleidung und Medizin. „Mit der Regierung verhandeln wir, alle Kinder aus dem Gefängnis in einem Zentrum von Don Bosco aufzunehmen, das neu gebaut werden soll“, sagt Bruder Lothar. Eine weitere Herkulesaufgabe für die kommenden Jahre. TV-Leserinnen und -Leser können für das „Meine Hilfe zählt“-Projekt „Hilfe für Gefängniskinder in Liberia“ unter der Projektnummer 52208 spenden.

Bis zum 24. Dezember stellt der Trierische Volksfreund an jedem Erscheinungstag ein Projekt der Aktion „Meine Hilfe zählt“ vor. Helfen auch Sie!