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Ein Zuhause für anders Denkende

Ein Zuhause für anders Denkende

Menschen mit Autismus sind besonders auf das Verständnis und die Hilfe ihrer Mitmenschen angewiesen. Ein Verein macht sich dafür stark, dass junge Leute wie Jens Jung aus Thörnich bald in einer Wohngruppe gut leben können. TV-Leser können mithelfen, damit das einzigartige Modell starten kann.

Trier/Thörnich. Auf den ersten Blick herrscht Chaos im Zimmer von Jens Jung: Tausende Blätter im Din-A-Format liegen kreuz und quer auf dem Boden. Es sind Bastelanleitungen für Papier-autos, die der 27-Jährige mit Hingabe gestaltet. Das Hobby kostet seine Mutter im Monat 5000 Blatt Druckerpapier, fünf bis sieben Liter Flüssigkleber, 150 Rollen Klebestreifen und 200 Tintenpatronen.
"Ich bin froh, dass er sich damit beschäftigt", sagt Brigitte Pfeiffer-Jung. Und sie schiebt nach: "Und wehe abends liegt ein Blatt anders." Das merke der junge Mann sofort. Auch das Fehlen eines Klebestreifens an einem der Fotos, auf denen Stadtbusse zu sehen sind, von denen er alle Details kennt, hebe die Welt des jungen Mannes aus den Angeln. Seine Ordnung und seine Rituale sind für den Thörnicher immens wichtig.
Vor mehr als 20 Jahren hatte Brigitte Pfeiffer-Jung den Grundstock für den heutigen Verein Autismus Mosel-Eifel-Hunsrück gelegt. Das Ziel ist, autistische Menschen zu fördern und darüber zu informieren. Die 56-Jährige führt gerne Beispiele an, um die Krankheit zu erklären: Autisten sehen bei einem Gemälde auf einen Blick auch die Beule am Rahmen, die Signatur, die der Maler links unten in die Ecke gemalt hat. Oder sie bekommen gleichzeitig mit, was gesprochen wird, dass draußen jemand Holz schneidet, die Schwester im oberen Stock geht und was der Moderator im Radio sagt. Denn das Gehirn kann nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden. Autisten entwickeln Strategien, um mit den im Alltag einströmenden Sinneseindrücken klarzukommen.
Jens, der mit drei Jahren schon lesen und von sich aus Englisch sprechen konnte, zieht sich in sich zurück. Auch hat der junge Mann mit den besonderen Fähigkeiten noch nie einen körperlichen Schmerz gespürt. "Eine Mittelohrentzündung hat er kürzlich nicht bemerkt", sagt Pfeiffer-Jung. Ihr Wissen, dass Autisten ein Leben lang auf Menschen angewiesen sind, die ihre besonderen Fähigkeiten und Bedürfnisse verstehen, macht ihr einerseits große Sorgen, treibt sie aber auch an. Denn die schwerkranke Vorsitzende und die Vereinsmitglieder setzen sich für eine passende Wohnform ein. "Es kann nicht sein, dass Autisten in ungeeignete Heime oder gar psychiatrische Einrichtungen abgeschoben werden", sagt Pfeiffer-Jung. Die entsprechende Immobilie ist gefunden, der Mietvertrag soll bis Ende des Jahres unterschrieben werden.
Geplant ist, dass ab Januar 2014 erst einmal vier bis fünf Autisten in ihr neues Zuhause einziehen. Später sollen maximal 16 Personen in der betreuten Wohnform leben können. Leser des Trierischen Volksfreunds können unter der Projektnummer 9619 dazu beitragen, dass das Pilotprojekt in Trier an den Start gehen kann.Extra

Per Banküberweisung an "Meine Hilfe zählt". Konto 220012 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130) oder Konto 191919 bei der Volksbank Trier (BLZ 58560103). Im Verwendungszweck bitte stets die vier- oder fünfstellige Projektnummer angeben, damit die Spende auch dem gewünschten Zweck zufließen kann. Spenden ohne Projektangabe fließen in einen gemeinsamen Topf, der zu einem späteren Zeitpunkt unter allen Initiativen verteilt wird. Falls eine Veröffentlichung des Spendernamens im TV gewünscht wird, bitte ein "X" auf dem Überweisungsformular eintragen. Bis zu einer Summe von 200 Euro wird der Einzahlungsbeleg als Spendenquittung anerkannt. Online: Unter volksfreund.de/meinehilfe das gewünschte Projekt auswählen, Spendenbutton anklicken, abgefragte Daten eingeben. Jede Spende wird zu 100 Prozent weitergeleitet, der Trierische Volksfreund trägt die kompletten Transferkosten. DiL volksfreund.de/meinehilfe