Meine Hilfe zählt: Zur Arbeit statt ins Gefängnis

Meine Hilfe zählt: Zur Arbeit statt ins Gefängnis

"Schwitzen statt sitzen" ist eines der Projekte des Trierer Vereins für Straffälligenhilfe. Probare vermittelt Menschen, die zu einer Geldstrafe verurteilt sind, an gemeinnützige Organisationen, bei denen sie die Strafe abarbeiten können.

Trier. Seit sechs Jahren setzt sich der Verein Probare für Menschen ein, die gerade ihre Haftstrafe verbüßen oder zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt worden sind. Mit Projekten wollen Mitarbeiter diesen Menschen helfen, ein normales Leben zu führen.
Gegründet wurde der Verein von Bewährungshelfern, um "etwas mehr zu machen als das, was wir in unserer normalen Arbeit tun", sagt Vereinsvorsitzende Stefanie Jungen. Heute hat Probare 20 Mitglieder. Für den Verein ist es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. "Das Thema Straffälligenhilfe ist sehr negativ besetzt", sagt Claudia Giehl, stellvertretende Vorsitzende. Dabei sei es für die Gesellschaft gut, Ex-Häftlinge und Menschen mit Bewährungsstrafen zu unterstützen. "Aktive Resozialisierungsarbeit kann verhindern, dass die Leute rückfällig werden", sagt Claudia Giehl.
Der Verein arbeitet ehrenamtlich, nur das Projekt "Schwitzen statt sitzen" wird von einer 400-Euro-Kraft betreut. Wird jemand von einem Gericht zu einer Geldstrafe verurteilt und kann diese nicht bezahlen, müsste er die Strafe eigentlich im Gefängnis absitzen. Auf Antrag kann diese abgearbeitet werden. An dieser Stelle setzt die Probare-Mitarbeiterin an. Sie spricht mit den Betroffenen, welcher Job infrage kommt und vermittelt sie an die Arbeitgeber. Statt im Gefägnis zu sitzen, sammeln die Verurteilten Laub auf, leeren Mülltonnen oder teilen Essen an Bedürftige aus. Derzeit kümmert sich die Probare-Mitarbeiterin um mehr als 200 Menschen aus der Region. Im Jahr 2010 konnten durch "Schwitzen statt sitzen" über 200 000 Hafttage und rund zwei Millionen Euro eingespart werden. Damit die Vermittlungsarbeit von Probare weiterlaufen kann, ist der Verein auf Spenden angewiesen.
Ein weiteres Projekt ist das Lebenspraxistraining für Menschen, die längere Zeit inhaftiert waren. Wie kaufe ich ein? Wie komme ich mit meinem Geld aus? Wie kann ich meine Freizeit verbringen? "Das sind banale Fragen, die viele Menschen, die längere Zeit inhaftiert waren, nicht beantworten können", sagt Vereinsvorsitzende Stefanie Jungen, die das Training betreut. Bei wöchentlichen Gruppentreffen erarbeitet sie mit den meist männlichen Ex-Häftlingen praktisch, wie sie ihr Leben in der Freiheit organisieren können. Ein weiteres Projekt des Vereins ist die Schuldnerberatung, die Claudia Giehl, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, betreut. mem
Projektnummer: 7974
volksfreund.de/meinehilfe