Nach langer Odyssee am Ziel

Als das Familienzentrum in Trier, kurz Fazit, vor 13 Jahren von engagierten Eltern gegründet wurde, waren offene Einrichtungen für Kinder vor dem Kindergartenalter eine Rarität. Heute ist das Fazit etabliert - muss aber noch immer hart um seine Finanzierung kämpfen.

Die Geschichte des Fazit gleicht einer Odyssee. Langjährige Aktive wie Kerstin Brüning und Bettina Kufferath-Sieberin haben Mühe, alle Stationen aufzuzählen, in denen das Familienzentrum in den ersten zehn Jahren seiner Existenz residiert hat.

1998 taten sich engagierte Eltern zusammen, um sich gegenseitig zu helfen. Fast alle waren "Zugezogene", hatten in Trier weder Großeltern noch Familie. Das klassische Problem: Für die Phase bis zur Aufnahme in der Kindergarten war niemand da, der bei der Betreuung half. "Wir wollten keine Kita", sagt Kerstin Brüning, "sondern eine Anlaufstelle". Eltern sollten im Wechsel ihre eigenen Sprösslinge und die anderer Eltern betreuen. Der Rahmen war bescheiden, die finanzielle Ausstattung dünn.

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Seit Fazit 2008 in das Mehrgenerationenhaus am Balduinsplatz in der Nähe des Trierer Hauptbahnhofs gezogen ist, hat man den Zustand des Provisoriums überwunden. Die Betreuung ist professionalisiert worden - fünf Erzieherinnen arbeiten hier, im Halbtags- oder Minijob.

Die Finanzierung tragen überwiegend die Eltern durch Beiträge, die sie für Betreuungsleistungen zahlen. Sie können flexibel entscheiden, ob sie die Dienstleistungen tageweise in Anspruch nehmen oder für die ganze Woche. Nach wie vor gibt es auch eine offene Betreuung für kurzfristigen Bedarf, dazu Elterntreffs, Kurse, Vater-Kind-Frühstücke und viele Initiativen mehr.

"Der Charakter als offenes Familienzentrum ist uns wichtig", betont Bettina Kufferath-Sieberin. Man arbeitet mit Nachbarn wie Nestwärme und dem multikulturellen Zentrum zusammen, schafft auch weiterhin Platz für Elterninitiativen wie eine Krabbelgruppe auf Englisch.

Aber die Bedürfnisse der Eltern, die nicht nur aus Trier, sondern auch aus dem Umland kommen, haben sich gewandelt. So wie die Gesellschaft insgesamt. Einst war das "Abgeben" ein- oder zweijähriger Kinder fast anrüchig, inzwischen ist es längst gesellschaftliche Normalität. Auch Fazit profitiert von der landesweiten Betreuungsgarantie.

"Früher musste man sich rechtfertigen, wenn man nach der Geburt allzu bald wieder arbeiten ging, heute wird eher gefragt, wieso man immer noch zu Hause ist", fasst Kerstin Brüning die Entwicklung zusammen. Über mangelnden Bedarf braucht sich das Zentrum also keine Sorgen zu machen, wohl aber um die Finanzierung. Das Budget reicht nicht, um den rund 25 Kindern, die jede Woche kommen, kreative Spiel- und Sportgelegenheiten zu bieten. Dabei wären die dringend nötig, zumal das Außengelände seit Jahren eine Baustelle ist - und wohl auch noch eine Zeit lang bleiben wird.

Auf der "Meine Hilfe zählt"-Wunschliste stehen Turnmatten und -bänke, Schaumstoff-Kletterelemente, Balancier-Treppen und Spielsachen für den "Tobe-Raum". Von der benötigten Gesamtsumme von rund 3000 Euro ist schon fast die Hälfte gespendet. Die Projekt-Nummer lautet: 5012.

Zusatz-Infos: Wie spende ich?

Per Banküberweisung an "Meine Hilfe zählt". Konto 220012 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130) oder Konto 191919 bei der Volksbank Trier (BLZ 58560103). Im Verwendungszweck Projektnummer angeben. Falls Veröffentlichung im TV gewünscht, ein "X" eintragen. Bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Spendenquittung. Falls ein gewähltes Projekt bereits vor Buchung der Spende genügend Geld zur Realisierung hat, kommt der Beitrag anderen "Meine Hilfe zählt"-Projekten zugute.

Online: unter volksfreund.de/meinehilfe Projekt auswählen, auf den Spendenbutton klicken und abgefragte Daten eingeben. Jede Spende wird zu 100 Prozent weitergeleitet. Der TV übernimmt die Transferkosten.

EXTRA

Sie war eines der ersten "Meine Hilfe zählt"-Projekte: Die Aktion " Hospiz macht Schule" der Caritas Westeifel hat es nach zehn Wochen geschafft. Dank 4000 Euro Spenden der TV-Leser können zwei umfangreiche Projektwochen an zwei Grundschulen gestartet werden, die kindgerecht über das Thema Tod und Sterben informieren. Mehr als 60 Spender unterstützen diese Initiative. Damit sind insgesamt bereits 19 Projekte realisiert. Weil die gespendeten Summen gleich weiter überwiesen werden, haben viele Träger schon mit der Umsetzung begonnen. Wir informieren regelmäßig über die weiteren Schritte.