Pflege für das eigene Zuhause einüben

Pflege für das eigene Zuhause einüben

"Meine Hilfe zählt": Der Verein Nestwärme möchte für ein Brückenangebot nach langem Klinikaufenthalt ein Kinder-Pflegebett kaufen.

Trier Mit seinem Angebot zur Brückenpflege will "Nestwärme" schwerstkranke Kinder und ihre Familien beim Übergang von der geschützten und straff durchorganisierten Welt der Klinik in das Leben danach in den eigenen vier Wänden erleichtern, in dem dann Eigenverantwortung stark zählt.
Schwere Krankheiten sind häufig mit der Behandlungsphase im Krankenhaus nicht abgeschlossen. Vielfach hinterlassen sie die dauerhafte Notwendigkeit von Nachsorge und Pflege - eine Herausforderung, mit der die Patienten dann in ihrem eigenen Zuhause konfrontiert sind. Besonders belastend wirkt sich eine solche Situation häufig für schwerstkranke Kinder und ihre Familien aus. Zwar gibt es Hilfe durch ambulante Pflegedienste, aber auch die muss erst einmal organisiert werden. Und außerdem bleibt vieles eben doch als Hürde im alltäglichen Haushaltsleben bestehen.
Die erste Übergangszeit ist dabei nach Erfahrung des Nestwärme-Teams die schwierigste. Für die Eltern gelte es, eine Fülle von medizinischen Techniken und Gerätschaften, neuen Ansprechpartnern und Abläufen in der ambulanten Pflegeversorgung zu erlernen. Vieles werde natürlich schon im Krankenhaus angesprochen und geübt. "Aber Pflege zuhause in Kombination mit Beruf und Haushalt zu meistern, ist eine ganz andere Sache", weiß die zweite Vorsitzend e bei Nestwärme, Elisabeth Schuh. Als Diplom-Psychologin, Gestalttherapeutin, Case-Managerin und Pflegefachkraft ist bereits seit vielen Jahren in der Praxis mit schwerstkranken Kindern verbunden.
Eltern müssten erst lernen, was sie selbst gemeinsam mit dem Kind meistern können und wann es professioneller Hilfe durch den Pflegedienst bedarf. "Vielfach herrscht zunächst Verunsicherung", sagt Schuh. Hinzu komme noch die Gefahr, dass sich alles nur noch um das Thema Pflege drehe und andere Bedürfnisse des Kindes in den Hintergrund gerieten. "Die Kinder sollten zuhause primär als Kinder gesehen werden. Pflege läuft im Idealfall nur nebenher", findet sie. Zu solch einer "Normalität" zu gelangen, sei jedoch ein längerer Prozess. Es gleich nach Verlassen des Krankenhauses meistern zu wollen, führe leicht zur Überforderung.
Aus diesen Überlegungen ist bei "Nestwärme" die Idee einer Art Übungsraum entstanden. Bei der Brückenpflege läuft vieles wie in der eigenen Wohnung ab. Die Familien ziehen übergangsweise in die Räume von "Nestwärme" in der Christophstraße ein. Um Kochen, Waschen und Co. kümmern sie sich selbst. Gleichzeitig stehen ausgebildete Fachkräfte je nach Bedarf mit Rat und Tat zur Seite, um beispielsweise den Umgang mit Pflegehilfsmitteln zu erlernen. Die Krankenkassen bezahlen den Aufenthalt als Angebot der ambulanten Pflege.
Kanülen, Infusionen, Sauerstoffgeräte oder, was ansonsten benötigt wird, organisieren die Familien bereits selbst. Auch hier gebe es viel zu wissen, schließlich sei der Markt der Anbieter von Medizin- und Pflegebedarf für den Laien kaum überschaubar. Und auch die Abrechnung mit der Krankenkasse sei nicht unbedingt immer unkompliziert, hat man beim Nestwärme-Team festgestellt.
Kein unwichtiges Thema, kosten doch viele der notwendigen Anschaffungen eine ganze Stange Geld. Ein für die Pflege kranker Kinder geeignetes Bett schlägt schnell mit einigen Tausend Euro zu Buche. Außerdem muss es nach dem Aufstellen von einem technischen Prüfdienst abgenommen werden. Alleine die Apparatur zur Höhenverstellbarkeit ist äußerst komplex. Ein solches Bett kann dafür aber mühelos und stoßfrei auf bequeme Wickelhöhe für Kleinkinder hochgefahren werden. Und es berücksichtigt in seiner Bauweise die Zuführung eventuell notwendiger Kabel und Schläuche.
Die nach jedem Transport erneut erforderliche technische Abnahme ist der Hauptgrund, warum Nestwärme in diesem Fall von der ambulanten Struktur der Brückenpflege abweichen möchte. "Wenn wir den Familien zumuten, ihr eigenes Pflegebett mitzubringen, entstehen ihnen erhebliche Kosten für den erneuten Transport", begründet Schuh. Das übernähmen die Kassen in der Regel aber nicht.
Deswegen habe man sich bei "Nestwärme" für die Anschaffung zweier eigener Kinder-Pflegebetten entschieden. Eines wurde vom Hersteller gesponsert und für einen gewissen Zeitraum kostenfrei überlassen. Ein zweites Bett hat der Verein derzeit gemietet.
Nun wird eine dauerhafte Lösung angestrebt: Das gemietete Bett soll gekauft werden und fest in der Christophstraße verbleiben. Dafür hofft der gemeinnützige Verein auf Unterstützung durch Spenden bei "Meine Hilfe zählt", denn die besondere Schlafstatt kostet stolze 4 500 Euro. Über die Projektnummer 51345 kann für "Nestwärme" gespendet werden.
Zwei Gerätewagen im Wert von jeweils 420 Euro sind über das Projekt bereits finanziert, der Kauf eines dritten kann über die genannte Projektnummer ebenfalls gefördert werden. Diese Wagen sollen es größeren Kindern ermöglichen, sich trotz medizinischer Apparate relativ frei zu bewegen. Beispielsweise können hier eine Infusion oder ein Sauerstoffgerät transportiert werden.
Der Verein "Nestwärme Deutschland" betreibt an seinem Standort in Trier ein Kinderkomptenzentrum, zu dem die Kinderkrankenpflege und ein Kinderhospiz gehören. Ferner existieren eine inklusive Kinderkrippe und das sogenannte Zeitschenker-Netzwerk, eine Art organisierter Form von Nachbarschaftshilfe. Viele Ehrenamtliche stehen außerdem als Paten Familien mit schwerstkranken Kinden zur Seite.Extra: SO SPENDE ICH


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