Weniger reden, mehr tun

Es ist zurzeit schwer im Trend, darüber zu philosophieren, dass benachteiligte Kinder mehr in das kulturelle Leben eingebunden werden sollten. Doch während andere reden, setzt der Krass e.V. dieses Ziel praktisch um. Und dabei braucht er Hilfe.

Trier. Bonnies Lieblingsfarbe ist lindgrün. Das sieht man auch an ihren hübschen Schmetterlingen und Vögeln, die Krass-Mitarbeiterin Ingeborg Martin vorsichtig in den glühend heißen Emaillier-Ofen bugsiert, aus dem sie dann als kleine Kunstwerke wieder herauskommen.
Bonnie gehört zu den Kindern zwischen acht und zwölf Jahren, die in der kleinen Werkstatt im Kunsthaus in Trier-Nord innerhalb eines Jahres die unterschiedlichsten Kunstformen kennenlernen. Malen, Siebdruck, Fotografieren, Emaillieren: Das Programm ist vielfältig. Und es geht nicht nur um Kunst, sondern auch um handwerkliches Arbeiten, um Sorgfalt und um Ausdauer.
"Wenn nur das blöde Schmirgeln nicht wäre", grummelt Latifa. "Das gehört nun mal dazu", sagt die Künstlerin Jutta Limburg, die den Kurs leitet. Wer am Ende ein schönes, glattes, glänzendes Produkt haben möchte, muss alle Arbeitsgänge absolvieren - auch das unangenehme Abschmirgeln der Metall-Vorlage, damit die Farbe und die Verzierung auch hält. Alles hat zwei Seiten. Ganz wie im richtigen Leben.
Vernetzt mit anderen Anbietern


Die Erkenntnis entspricht der Philosophie des Krass e.V., der seit einem Jahr seine Anlaufstelle im Trierer Kunsthaus betreibt. Ein praktischer Standort, können doch die rundherum angesiedelten Künstler in die Arbeit eingebunden werden. Sie helfen Kindern, "ihre Talente und ihre Fähigkeiten zu erkennen", sagt Doris Kugel, die die Krass-Dependance in Trier gemeinsam mit Jutta Limburg organisiert.
Eine Aufgabe, die längst nicht überall automatisch das Elternhaus übernimmt. Manchmal fehlt den Eltern der Zugang zu Kunst und Kultur, oft fehlt es aber auch schlicht an den notwendigen finanziellen Mitteln. Eine Situation, in der Krass helfen will.
Dabei setzen die Macher nicht nur auf eigene Angebote wie den Kunst-Kurs. Sie vermitteln und finanzieren auch die Förderung durch andere regionale Einrichtungen. So erhält ein entsprechend talentierter Junge aus der Gruppe Gitarrenunterricht bei der Musikschule, ein zeichnerisch begabtes Mädchen belegt einen Comic-Zeichenkurs an der Europäischen Akademie. "Wir wollen Vernetzung, nicht Konkurrenz", versichert Doris Kugel.
Kontakte zu Grundschulen


Die kleinen Klienten für seine Arbeit findet der Krass e.V. durch regelmäßige Kontakte mit mehreren Grundschulen. Erfahrene bildende Künstler und Musikpädagogen sorgen dafür, dass verborgene Talente nicht verschütt gehen. Aktuell betreut Krass 40 Kinder, die meisten aus der Stadt Trier. Aber grundsätzlich ist man nicht nur für die Stadt da.
Neuer Kurs nach den Ferien


Das Krass-Angebot steht auch keineswegs nur Kindern aus "sozial schwachen" Familien zur Verfügung. Kurse und Fördermaßnahmen kann jedes Kind belegen - nur dass die Eltern, wenn sie es sich leisten können, dafür bezahlen. Wer aus dem Spendenaufkommen unterstützt wird, ist im Einzelfall gar nicht bekannt. So soll jede Diskriminierung vermieden werden.
Weil sich Krass vor Ort aber fast ausschließlich von Spenden finanziert, ist Hilfe erforderlich. Es geht nicht um weltbewegende Summen. Aber der Jahreskurs im Kunsthaus beispielsweise kostet an Materialien und (sehr bescheidenen) Honoraren 1070 Euro. Damit könnte nach der Sommerpause eine neue "Klasse" starten - mit Kindern, denen eine entsprechende Chance sonst versagt bleibt. Deshalb hat der Krass e.V. sein Projekt bei "Meine Hilfe zählt" eingestellt.

Wer helfen will: Die Projektnummer lautet 6299.

volksfreund.de/meinehilfe

EXTRA

Projekt Nr. 33 von Meine Hilfe zählt unter Dach und Fach: Manchmal staunen wir selbst über das Tempo, das die TV-Leser bei manchen Projekten an den Tag legen. Vergangene Woche hatten wir die "Kleine Pyramide" im ägyptischen Luxor vorgestellt, die in ihrem Hilfszentrum für behinderte und völlig verarmte Kinder dringend Physiotherapie-Geräte braucht. Keine drei Tage nach der Veröffentlichung waren die fehlenden 1300 Euro schon aufgebracht worden. Nun kann der in Trier ansässige Verein alles in die Wege leiten, damit die Ausstattung vor Ort in Luxor verbessert wird. Eine gute Nachricht, besonders vor dem Hintergrund der schwierigen Situation in Ägypten.
WIE SPENDE ICH?


Per Banküberweisung an Meine Hilfe zählt. Konto 220012 bei der Sparkasse Trier (BLZ 58550130) oder Konto 191919 bei der Volksbank Trier (BLZ 58560103). Im Verwendungszweck Projektnummer angeben. Falls Veröffentlichung im TV gewünscht, ein "X" eintragen. Bis 200 Euro gilt der Einzahlungsbeleg als Spendenquittung. Hat ein gewähltes Projekt bereits vor Buchung der Spende genügend Geld zur Realisierung, kommt der Beitrag anderen Projekten zugute.

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