1. Aktionen
  2. Respekt

Rede der Ministerpräsidentin Malu Dreyer

Rede der Ministerpräsidentin Malu Dreyer

"Das beste Ehrenamt nützt nichts, wenn niemand weiß, dass es erbracht wird. Und durch die Öffentlichkeit wird den Aktiven die gesellschaftliche Anerkennung gezollt, die sie verdienen", das erklärt Ministerpräsidentin Malu Dreyer unter anderem in der folgenden Rede.

Meine sehr geehrten Herren und Damen,

über die Einladung zur heutigen Gala anlässlich der Verleihung des Ehrenamtspreises "Respekt!" habe ich mich sehr gefreut. Die Idee des Trierischen Volksfreunds, ehrenamtliches Engagement einzelner Personen und Gruppen mit einem speziellen Preis zu ehren, begrüße ich sehr und unterstütze ich auch gerne.
Ehrenamtliches Engagement entfaltet sich dort, wo Menschen leben, wo es um konkrete Anliegen und Probleme geht. Mit anderen Worten: Engagement, Mitwirkung und Beteiligung finden vor allem in den Kommunen statt.
Dieses Engagement braucht aber auch Öffentlichkeit. Das beste Ehrenamt nützt nichts, wenn niemand weiß, dass es erbracht wird. Und durch die Öffentlichkeit wird den Aktiven die gesellschaftliche Anerkennung gezollt, die sie verdienen. Die heutige Gala wird diesem doppelten Anspruch in ausgezeichneter Art und Weise gerecht.

2. Ehrenamt in Rheinland-Pfalz - Zahlen und Fakten

Rheinland-Pfalz ist in Sachen Ehrenamt sehr gut aufgestellt. 41 %, das sind 1,5 Millionen unserer Bürgerinnen und Bürger über 14 Jahren, sind ehrenamtlich aktiv. Das sagen zumindest die Zahlen der letzten Erhebung aus dem Jahr 2009. Dieses gute Ergebnis lässt sich aber noch viel besser in den vielfältigen und so unterschiedlichen Aktionen ablesen, denen ich im ganzen Land begegne. Was mich dabei immer beeindruckt, ist, dass hinter jedem Projekt Menschen stehen, die diesem Engagement ein Gesicht geben. Sie stehen für Hilfsbereitschaft, Solidarität und menschliches Miteinander. Das ist es, was unsere Gesellschaft braucht.

3. Kommunales Ehrenamt - Strukturen und Anlaufstelle

Aus diesem Grund ist es eines der politischen Grundanliegen der Landesregierung, das Ehrenamt so weit wie möglich zu unterstützen und zu fördern. Da, wie ich bereits gesagt habe, das Engagement vor allem vor Ort stattfindet, sind die Kommunen dabei unser wichtigster Partner.
In Rheinland-Pfalz gibt es rund 20 Ehrenamtsbörsen, Freiwilligenagenturen und ähnliche Kontaktstellen. Sie sind die ersten Anlaufstellen für die Bürgerinnen und Bürger. Sie kennen die Gegebenheiten und den Bedarf im direkten Umfeld. Sie vermitteln, sie informieren und sie bilden fort. Sie sind genauso vielfältig in ihren Strukturen und Angeboten wie das Ehrenamt in Rheinland-Pfalz. Die Landesregierung wird auch im Jahr 2015 die Förderung dieser Einrichtungen aufrechterhalten.

4. Förderung und Anerkennung des Ehrenamts durch die Landesregierung

Sehr geehrte Herren und Damen,
die heutige Gala will vor allem eines: Denjenigen Danke sagen, die sich im vergangenen Jahr engagiert haben. Damit zeigt sie auch auf, dass Geehrte Vorbilder sind und ruft zum Mitmachen auf.
Diese Kultur der Anerkennung halte ich für unerlässlich. Bereits seit 2008 vergibt die Staatskanzlei den Brückenpreis für besondere Projekte des zivilgesellschaftlichen und kommunalen Engagements.
Ich lade jährlich zum Landesweiten Ehrenamtstag ein. Er ist die Plattform für Initiativen, Projekte und Organisationen, um sich zu präsentieren, zum Mitmachen anzuregen und sich untereinander auszutauschen. Es freut mich ganz besonders, dass wir den diesjährigen Ehrenamtstag am 6. September in Trier planen.
Der letzte Ehrenamtstag im September 2014 in Worms war für mich auch die Gelegenheit, ein neues und sehr konkretes Zeichen des Dankes für besonders herausragendes ehrenamtliches Engagement einzuführen. Wir haben nun in Rheinland-Pfalz die landesweite Ehrenamtskarte. Die Inhaberinnen und Inhaber haben Anspruch auf alle Vergünstigungen, die die teilnehmenden Kommunen, das Land und privatwirtschaftliche Unternehmen bereitstellen.
Ich habe alle rheinland-pfälzischen Kommunen eingeladen, sich an der Ehrenamtskarte zu beteiligen und freue mich, dass schon jetzt zehn Kommunen dabei sind. Weitere 50 haben ihr Interesse bekundet und bereiten die Einführung vor. Zwanzig Ehrenamtskarten konnten so bisher ausgegeben werden. Und selbstverständlich hat auch die Stadt Trier signalisiert, dass sie die landesweite Ehrenamtskarte einführen will.
Meine sehr geehrten Herren und Damen,
eine Gala ist ein festlicher Rahmen, um ehrenamtlich Aktive zu feiern. Gestatten Sie mir, dass ich dennoch einen ernsten Punkt anspreche, der mir ausgesprochen wichtig ist. Das Thema, das im Moment die Tagespolitik dominiert, sind die Flüchtlinge. Es sind Menschen, die nach Rheinland-Pfalz kommen, weil in ihren Herkunftsländern ihr Leben in Gefahr ist. Aufgrund der Situation vor allem in Syrien sind dies erschreckend viele. Es ist unsere Aufgabe, trotz aller Schwierigkeiten, die das für Land und Kommunen mit sich bringt, diese Menschen bei uns willkommen zu heißen.
Ich bin sehr stolz darauf, dass die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer hier in herausragender Weise Herz und Menschlichkeit beweisen. Das ehrenamtliche Engagement für die Flüchtlinge bei uns ist beispiellos.
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Durch ehrenamtliches Engagement sind die grundsätzlichen Fragen wie Unterbringung, Familienzusammenführung oder finanzi¬elle Belastung der Kommunen nicht zu lösen. Es kann aber auf mitmenschlicher Ebene helfen, den Flüchtlingen den Alltag ein wenig zu erleichtern und damit zu ei¬ner Willkommenskultur beitragen. Darüber hinaus ist es ein konkreter Schritt zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die rheinland-pfälzische Ge¬sellschaft. Aus diesem Grund habe ich bei der Leitstelle Ehrenamt und Bürgerbeteiligung in der Staatskanzlei ein kleines Projekt gestartet. Mit seiner Hilfe können kleine ehrenamtliche Aktivitäten zugunsten von Flüchtlingen finanziell unterstützt werden.

5. Dank und Ausblick

Meine sehr geehrten Herren und Damen,
ich gratuliere allen Monatspreisträgern des vergangenen Jahres. Ihnen allen, auch falls Sie heute nicht mit dem Jahrespreis ausgezeichnet werden, gilt mein Dank. Ich bin fest überzeugt, Sie alle hätten den Jahrespreis verdient. Sind wir also gespannt auf das Ergebnis des Leservotings!
Ich wünsche uns allen noch einen schönen Abend und ich darf Sie ermuntern, sich auch weiterhin für andere Menschen zu engagieren.
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!