Am Theater Ulm wird das Leben von Uli Hoeneß inszeniert – mitsamt seinen Höhe- und Tiefpunkten.

Theater : Aufstieg und Fall des Uli H.

Ein Drama angesiedelt zwischen Metzgertresen, Fußballstadion und Gerichtssaal: Am Theater Ulm wird das Leben von Fußball-Manager Uli Hoeneß inszeniert – mitsamt seinen Höhe- und Tiefpunkten.

Also neu ist die Idee nicht – Sportler als Helden eines Bühnenstücks. Darauf ist 1936 schon Paul Abraham mit seiner Fußballoperette „Roxy und ihr Wunderteam“ gekommen. 19 Jahre später zogen die Amerikaner nach: Mit „Damn Yankees“ brachten Richard Adler und Jerry Ross ein Baseball-Musical an den Broadway, das über 1000 Mal gezeigt wurde. Da Baseball allerdings außer­halb der USA kein Mensch versteht und alle Nicht-Amerikaner zu Tode langweilt, wurde bei der deutschen Erstaufführung daraus „Fußballfieber“, von dem 1979 das Stadttheater Oberhausen befallen wurde, in dem – natürlich – der Verein „Rot-Weiß Oberhausen“ auf der Bühne kickte. In der Show geht es übrigens um einen Baseball-, pardon!, Fußballspieler, der seine Seele dem Teufel verschreibt, damit sein Verein aus den Niederungen der Niederlagen herausfindet zurück in die Oberliga. Also praktisch Goethe im Trikot mit Stollensohlen.

Heute Abend steht wieder ein Fußballer auf der Bühne, dieses Mal in Ulm. Der Teufel hat dabei allerdings keinen Auftritt, dafür Uli Hoeneß bzw. sein Alter Ego. „Ein Drama angesiedelt zwischen Metzgertresen, Fußballstadion und Gerichtssaal“ wird das Stück von Sarah Kohrs angekündigt, die sich für den Titel „Aufstieg und Fall des Uli H. – eine deutsche Wurstiade“ entschieden hat. Diese hübsche Neuschöpfung ist nicht nur eine Verkürzung des schönen, nur noch selten genutzten Wortes „Hanswurstiade“, sondern auch doppeldeutig: Der Sohn eines Metzgers arbeitet sich empor bis an die Spitze des erfolgreichsten deutschen Fußballvereins – und stürzt vom Fußball-Olymp tief hinab. Endstation Einzelzelle.

Kohrs stöberte nach Wendepunkten, die sich auf die Bühne bringen lassen: „Die Nacht von Belgrad – Hoeneß‘ verschossener Elfmeter – lässt sich schwer zeigen. Wie der FC Bayern beim jungen Uli in Ulm an die Tür klopft hingegen schon.“

Ab da begann eine einmalige Fußballkarriere, die die erste Hälfte der zwei Mal 45 Minuten dauernden Aufführung bestimmt: Europameister mit 20, Weltmeister mit 22, Sportinvalide mit gerade 27 – doch der wirkliche Aufstieg des Uli H. ging aus seinem sportlichen Tiefpunkt hervor: 1979 wird er Manager des FC Bayern und formt den klammen Verein zur Weltmarke.
Ganz oben angekommen. Bei einer klassischen Tragödie müssten die Zuschauer nun mit der Katastrophe rechnen. Und auch in der heiteren Revue verdüstert sich die Stimmung. Ganz allein steht der Titelheld auf dunkler Bühne. Es ist März 2014 und Hoeneß‘ wegen mindestens 28,5 Millionen Euro hinterzogener Steuern zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

Auch wenn der Titel große Schicksalswendungen verheißt, die Brüche im Leben des Uli H. kommen als launige Musik-Revue daher. Zwischen Stadiongesängen, Pophits und Schlagern zeichnen die sechs Darsteller ein kabarettistisches Porträt. „Wir zitieren wohlgemerkt nur“, betont einer der Darsteller. Denn alles gesagt werden dürfe nicht. Es fallen trotzdem deutliche Worte. „Wir wollten diese wahnsinnig schillernde Person in ihrer Mehrschichtigkeit darstellen“, erläutert Regisseur Stephan Dorn. Den Vorwurf der Doppelmoral müsse sich der Theater-Hoeneß ebenso wie sein Vorbild gefallen lassen. Wahrscheinlich aus diesem Grund hat die „wahnsinnig schillernde Person“, die vom Intendanten natürlich zur Uraufführung eingeladen ist, bislang nicht darauf reagiert.

(dpa)