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Archiv 2011: Karl-May-Festspiele: Premiere vor 1300 Zuschauern

FOTO: Friedemann Vetter
Pluwig. Nach monatelangen Proben und teuren Umbauten an ihrer Freilichtbühne haben die Karl-May-Freunde Pluwig an diesem Wochenende ihr neues Stück „Der Geist des Llano Estacado“ uraufgeführt. Alle drei Vorstellungen waren mit jeweils fast 1300 Zuschauern ausverkauft. Beate Kerpen

Es ist Freitag Nachmittag im Pluwiger Steinbruch. Sorgenvoll blickt Konni Wysocki Richtung Himmel. "Wenn nur das Wetter hält", beschwört er die dunkle Wolkenfront, dich sich bedrohlich nähert. Regen wäre eine Katastrophe für die Premiere.

An diesem Freitag haben die Karl-May-Freunde Pluwig vor 1284 Zuschauern mit ihrem neuen Stück "Der Geist des Llano Estacado" auf der Pluwiger Freilichtbühne die sechste Auflage der Karl-May-Festspiele eingeläutet - und zwar ohne Regen. Mehr als 100 Darsteller und Helfer sowie 23 Pferde sind dieses Jahr im Einsatz. Kostenpunkt der Produktion: 100.000 Euro.

Bereits vor zwei Jahren begann Regisseur Konni Wysocki damit, den Stoff für das diesjährige Stück auszuwählen. Immer wieder las er den zweiten Teil des Karl-May-Klassikers "Unter Geiern", stellte sich dabei jedes Detail bildlich vor, und überlegte, wie man das Wild-West Abenteuer aus den Weiten der amerikanischen Prärie auf der knapp 900 Quadratmeter großen Freilichtbühne spielen könnte.

Kindheitshelden in Aktion

Nach aufwendigen Umbauten im vergangenen Jahr sowie einigen Änderungen in der Story, konnten im Februar die Rollen verteilt werden. "Seitdem haben wir jedes Wochenende geprobt", sagt Wysocki. Zuerst nur Sprechproben, seit Mai Außenproben auf der Freilichtbühne - mit den Pferden und bei jedem Wetter.
Kurz vor der Uraufführung sitzt Winnetou alias Reinhold Schomer hinter der Bühne bei Friseurin Margret Thonet in der Maske, wo er zur "Rothaut" geschminkt wird. "Für mich war es immer ein Kindheitstraum, einmal selbst Winnetou zu spielen", sagt er.

Wie Schomer sind auch die meisten Zuschauer nostalgische Anhänger ihrer Kindheitshelden Winnetou und Old Shatterhand. In der hereinbrechenden Dunkelheit verwandelt sich die Westernkulisse der Freilichtbühne in eine romantische Parallelwelt: Da gibt es am rechten Bühnenrand Indianer, die friedlich vor ihren Tipis ums Lagerfeuer sitzen und Pfeife rauchen. Auf der anderen Seite verbünden sich ehrliche Westmänner bei einem Drink in Helmer's Home, um den Schurken Burton und seiner Geierbande das Handwerk zu legen.
Besonders eindrucksvoll ist der Einsatz der Pferde und ihrer Reiter, die immer wieder in gestrecktem Galopp über das Gelände preschen, sich bei Revolver-Geknalle Verfolgungsjagden liefern, und so für echtes Westernflair sorgen.

Bei der ganzen Detailgenauigkeit wirkt es deshalb zuweilen auch ein bisschen befremdlich, dass die erhabene Sprache des Apatschen-Häuptlings und seines weißen Blutsbruders mit einem unüberhörbaren Trierer Akzent gefärbt sind.

Auch die darstellerische Leistung der Laienschauspieler kann zuweilen mit der beeindruckenden Kulisse nicht ganz mithalten. Einen Abbruch tut das der Vorstellung aber insgesamt nicht, sondern betont vielmehr, dass Karl May eher Kult als Kultur ist.

So passt es auch ganz gut, dass die Vorstellung nicht in einem schauspielerischen, sondern pyrotechnischen Spektakel endet. Als Vorwand dafür dient die Silbermine, in der ein Funke das dort gelagerte Dynamit entzündet. Rechtzeitig bemerken die Westmänner die Gefahr und nehmen die Beine in die Hand, bevor Pyrotechniker Michael Oberhausen oben am Regiehäuschen die Knöpfe auf einer überdimensionalen Fernbedienung zu drücken beginnt.
Dann jagt eine kinoreife Explosion die andere, es kracht und brennt in allen Ecken, die Hitze des Feuers und die
Druckwellen sind bis auf die Tribüne spürbar. Man meint, die ganze Bühne fliegt in die Luft.

Die Zuschauer sind begeistert, und auch Ernst Witz, der Vorsitzende der Karl-May-Freunde, freut sich über ein gelungenes Debüt: "Wir hatten einen perfekten Start in die Festspielsaison 2011: Ausverkaufte Ränge, optimales Wetter und eine fast fehlerfreie Aufführung."

Weitere Aufführungen: 5./6./7. August sowie 12./13./14. August.