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11. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

11. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

Es geht das Gerücht um, dass die Pocken eingeschleppt wurden und die Brotpreise steigen. Diese und weitere Meldungen, die vor hundert Jahren im Trierischen Volksfreund standen, lesen Sie hier.

Am 11. August 1914 wurde im Trierischen Volksfreund über die Erhöhung der Brotpreise berichtet. Die Freie Bäcker-Innung Trier erklärt, dass durch die Ausräumung der Vorräte und den ohnehin schon erhöhten Mehlpreis nun auch der Preis für das Brot angehoben werden muss. "Der Vorstand bittet die Bürgerschaft treu zu dem Geschäft zu halten, welches bisher die Kundschaft zur Zufriedenheit bedient hat, selbst dann, wenn die Waren unverschuldet, durch den Mangel an Gehilfen, nicht immer befriedigen."

(Die komplette Meldung: "Durch den über Deutschland verhängten Kriegszustand teilen unsere Mühlen uns mit, daß sie sämtliche Abschlüsse aufheben und nicht mehr in der Lage seien, die noch restierenden Posten anzuliefern. Weitere Bezüge könnten nur zu erhöhten Tagespreisen und Vorauszahlung geschehen. Durch die bereits erhöhten Preise und durch Ausräumung der Vorräte sieht der Vorstand sich veranlaßt, seinen Mitgliedern zu empfehlen, den Brotpreis vorläufig nur um 5 Pfennig zu erhöhen (also 55 Pfennig). Dieser Ausschlag ist in Anbetracht der vor 14 Tagen schon erhöhten Mehlpreise sehr niedrig gehalten, weil wir hoffen, daß dies nicht lange anhält und wir recht bald zu den alten Preisen zurückkehren können. Zur Aufklärung des Publikums sei noch mitgeteilt, daß das in wohlwollender Weise von der Verwaltung aufgekaufte Mehl damals schon eine Erhöhung von 5 bis 6 Mark pro Sack hatte. Der Vorstand bittet die Bürgerschaft treu zu dem Geschäft zu halten, welches bisher die Kundschaft zur Zufriedenheit bedient hat, selbst dann, wenn die Waren unverschuldet, durch den Mangel an Gehülfen, nicht immer befriedigen. Der Vorstand der freien Bäckerinnung.")

Neben dieser beunruhigenden Nachricht gab es Gerüchte, dass durch aus dem Ausland nach Deutschland ausgewiesene Personen die Pocken eingeschleppt worden seien. Dies bestätigte sich laut einem Artikel im Trierischen Volksfreund nicht. "Wie durch den Medizinalrat Dr. Roller amtlich festgestellt worden ist, besteht bei den fraglichen Personen nicht der mindeste Verdacht der Pockenerkrankung. Es ist also nicht der geringste Grund zur Besorgnis vorhanden."

Der Verein zur Wahrung geschäftlicher Interessen weist darauf hin, "dass unangemessene Preissteigerung bei Verkauf von Waren und demgemäß jede Überverteilung des kaufenden Publikums gesetzlich verboten, auch mit direkter Strafe bedroht ist. Fälle dieser Art, von denen einige bereits zur Kenntnis genommen sind, bitten wir sofort unserm Vorsitzenden dem Kaufmann Th. Acht zu Trier, Nagelstraße, anzuzeigen. Andererseits bitten wir das Publikum, gekaufte Waren möglichst sofort bar zu bezahlen, weil längere Kreditbewilligung gegenwärtig ausgeschlossen ist."

Eine weitere Warnung wird ausgesprochen, indem davon berichtet wird, dass bei jedem möglichen Anschlagversuch gegen Eisenbahnen sofort die schärfsten Exekutionsregeln anzuwenden sind, sollte man auf frischer Tat ertappt werden. Alle irgendwie verdächtigen Personen sollen sofort festgenommen werden.