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13. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

13. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

Brieftauben dürfen nicht abgeschossen werden und Vergnügungen wie Tanzveranstaltungen sind unerwünscht. Diese und weitere Meldungen, die vor hundert Jahren im Trierischen Volksfreund standen, lesen Sie hier.

Vor 100 Jahren steht im Trierischen Volksfreund vom 13. August 1914 eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters von Bruchhausen zum Flug von Brieftauben: "Es wird hiermit nachdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß Brieftauben nicht abgeschossen werden dürfen."

Die Stadt erwartet eine Lieferung Reis. "Vier Waggon Reis wird die Stadt bestellen, da in den Geschäften ein großer Mangel herrscht. Die Sendung wird in einigen Tagen erwartet." Um Nahrungsgüter dreht sich auch eine weitere Meldung: "An der gestrigen Getreideefrühbörse erlitten Roggen, Weizen, Hafer starke Rückgänge und stellten sich bis zu 10 M. pro Tonne niedriger als am Samstag. Bei Eröffnung der Mittagsbörse machten die Rückgänge weitere Fortschritte. Hafer wich bis 200 M., Weizen bis 215 M., Roggen bis 190 M. pro Tonne."

Da zahlreiche Menschen bei der Getreideernte mithelfen, sollen Schüler nicht mehr bei der Ernte helfen: "Nachdem der Reichskanzler mitgeteilt hat, dass bei der Reichszentrale der Arbeitsnachweise ein Ueberangebot von Arbeitskräften für die Erntearbeiten vorliegt, hat der Kultusminister die Direktoren der höheren Lehranstalten anweisen lassen, bis auf weiteres mit der Erteilung von Urlaub an Schüler zur Beteiligung an den Erntearbeiten zurückzuhalten."

Zum Thema Einquartierung gibt ein Leser Ratschläge: "Man schreibt uns: Ich empfehle jedem der Einquartierung erhält, sich ein Fremdenbuch anzulegen (ein kleines Heft für 5 Pfennig genügt) und sich von jedem Soldat dessen Logis usw. einschreiben zu lassen. Jeder Soldat wird auch noch gerne einige Zeilen beifügen, die einem später zur Erinnerung an die vergangenen Zeiten dienen und die man sich gern aufbewahrt. Zudem dient das Heft auch zum evtl. Beleg für die zugewiesene Einquartierung."

Viele Feierabendveranstaltugen, bei denen sich die Menschen amüsieren konnten, sind hingegen unerwünscht, wie der TV meldet: "In einer amtlichen Bekanntmachung wird darauf hingewiesen, daß Vergnügungen leichter Art (tolle Possen, Tanzlokale, Tingeltangel usw.) dem Ernst der Zeit wenig entsprechen. Auch könnte das dafür ausgegebene Geld besser verwendet werden. Die patriotische Gesinnung des deutschen Volkes würde schon das richtige Maßhalten lehren."

Dafür versuchte die Regierung jedoch gegen die "Knappheit an Hartgeld, besonders an Silbermünzen" vorzugehen, welche angeblich "in erster Linie durch das törichte Zurückhalten der Münzen in Privathand verursacht" wurde. So meldet der TV: "Die Reichsbank hat schon in den ersten Mobilmachungstagen für über 100 Millionen Mark Silbermünzen bei ihren Zahlungen für Mobilmachungszwecke verausgabt, die naturgemäß zum allergrößten Teil von den Empfängern wieder für Anschaffungen verwendet worden sind. Es ist also in der vergangenen Woche eine sehr reichliche Menge von Silbermünzen in Umlauf gesetzt, die sich im Verkehr fühlbar machen muß, falls nicht das Freihalten des Silbergeldes, das ebenso überflüssig wie unpatriotisch ist, sich fortsetzt."

In der Abendausgabe des TV vom 13. August wird zudem ein neuer "außerordentlich spannender Kriminal- und Liebesroman" namens Schatten fortgesetzt, ein Romandebüt der Schriftstellerin Isidore Kaulbach. "Dieser Roman" so warb der Volksfreund, "dürfte an fesselnder und spannender Entwicklung, die von der ersten bis zur letzten Zeile anhält, kaum zu übertreffen sein". Die Fortsetzungsgeschichte erscheint allerdings zunächst nicht in der Morgenausgabe, "weil hier zuerst der hochfesselnde Roman ,Erkämpft' zu Ende geführt werden muss", so der TV.