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3. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren - Komplette Ausgabe zum Download

3. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren - Komplette Ausgabe zum Download

Die Mobilmachung wird befohlen und Luxemburg von Deutschland besetzt. Diese und weitere Meldungen, die vor hundert Jahren im Trierischen Volksfreund standen, lesen Sie hier. Außerdem finden Sie hier die komplette Ausgabe zum Download im PDF-Format vor.

3. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

Die Mobilmachung wird befohlen und Luxemburg von Deutschland besetzt. Diese und weitere Meldungen, die vor hundert Jahren im Trierischen Volksfreund standen, lesen Sie hier.

Am Morgen des 3. August 1914 macht der Trierische Volksfreund mit der Meldung auf, dass Deutschland Russland den Krieg erklärt hat: "Die Mobilmachung ist befohlen worden. Samstag mittag um 12 Uhr lief das unseren Lesern bekannte Ultimatum an Russland ab, ohne daß eine befriedigende Antwort erteilt worden wäre. Und nun zögerte unser Kaiser keine Sekunde länger, und befahl die Mobilmachung. Gott weiß, wie schwer es ihm gefallen ist, ihm, dem Friedenskaiser, das entscheidende Wort zu sprechen."

In der Abendausgabe desselben Tages werden die Leser später zudem lesen, dass "Luxemburg von den Deutschen besetzt" wurde. Der Grund: Die "dort befindlichen deutschen Eisenbahnen" sollen geschützt werden und sind deshalb "von Truppenteilen des 8. Armeekorps besetzt worden".

Zurück zur Morgenausgabe: Von einem ruchlosen Anschlag auf den Eisenbahntunnel bei Cochem an der Mosel ist die Rede - eine Falschmeldung einer Nachrichtenagentur, wie sich im Nachhinein herausstellt - und ein Vorgeschmack auf Zensur und Propaganda der kommenden Kriegsjahre. Auch die Berichterstattung des TV dürfte mit Beginn der Kampfhandlungen davon beeinflusst sein. Zum angeblichen Anschlag mehr in einem Beitrag der Rhein-Zeitung .

Der Krieg dominiert an diesem Tag - wenn auch indirekt - ebenfalls die lokalen Meldungen.

In die Verpflegung der Soldaten sollen auch die Trierer Bürger eingebunden werden. Diese sollen Männer in ihren privaten Häusern und Wohnungen beherbergen. Verständlicherweise wollen die Bürger wissen, ob sie - und wenn ja: wie viele - Soldaten aufnehmen müssen. Doch "die Einsicht in die Einquartierungslisten im großen Kaufhaussaale, die jedem Bürger sagen sollte, wie groß die Zahl der auf ihn fallenden Militärpersonen sei, ist bedauerlicherweise untersagt worden."

In Zeiten ohne Telefon und Internet sind Telegramme das Kommunikationsmittel der Wahl, wenn aktuelle Meldungen verbreitet werden sollen. Doch im Zuge der Mobilmachung sind die Leitungen überlastet: "Der Brieftelegrammverkehr und der Wochenendtelegrammverkehr wird infolge starker Ueberlastung der Telegraphenleitungen bis auf weiteres eingestellt."

"Der Präsident der Königl. Regierung. Dr. Baltz. Wirkl. Geheimer Ober-Regierungsrat" und Ernst Laels, Kommerzialrat bei der Handelskammer, wenden sich mit einer Bekanntmachung an die Volksfreund-Leser: "Unter dem Einfluß der drohenden kriegerischen Entwicklungen macht sich in den Kreisen der Bevölkerung eine zunehmende Abneigung gegen das Papiergeld bemerkbar. Manche Geschäfte haben sogar damit begonnen, das Papiergeld als Zahlungsmittel zurückzuweisen. Dieses Verfahren entbehrt jeder Begründung. Die Banknoten und Kassenscheine sind ein gesetzliches Zahlungsmittel und deshalb auch im Kriegsfalle den Gold- und Silbermünzen gleichwertig. Es liegt deshalb kein Grund vor, das Papiergeld als Zahlungsmittel zurückzuweisen, und wir können der Bevölkerung nur dringend empfehlen, sich allgemein dieses Zahlungsmittels zu bedienen."

Derweil sagt der "Quartett-Verein 'Harmonie' Kürenz das für morgen angesagte Waldfest" ab, während das Proviantamt Trier "kräftige Arbeiter" sucht. "Besonders solche, die mit ländlichen Arbeiten vertraut sind, finden gegen guten Lohn sofortige Beschäftigung."

Auch in den Kleinanzeigen ist das Thema Krieg nicht zu übersehen. Für den geplanten "Barackenbau auf Hauptbahnhof Trier, unterhalb des Güterschuppens" werden beispielsweise 25 Zimmerleute und 25 Schreiner gesucht. Das Proviantamt Trier teilt derweil mit, dass "der Ankauf von Roggen, Hafer, Heu u. Stroh, alter und neuer Ernte, […] bis zur Füllung der Magazine fortgesetzt" wird.

Die Milchgenossenschaft sieht sich zu folgender Stellungnahme gezwungen: "Sollte die Zustellung der Milch infolge der Einberufung unserer Kutscher und Einziehung der Pferde in den nächsten Tagen per Wagen nicht möglich sein, dann bitten wir unsere sehr geehrte Kundschaft, den Bedarf in unseren Verkaufsstellen, wo genügend Milch vorhanden sein wird, solange zu decken, bis ein regelmäßiger Betrieb wieder stattfinden kann."

Im Lokalteil wird weiter deutlich, wie stark sich der ausbrechende Krieg in Trier bemerkbar macht. So wird in der Abendausgabe gemeldet, dass die Polizeistunde "im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, Sicherheit und Ruhe und zur Sicherstellung der glatten Mobilmachung für sämtliche Lokale der Stadt Trier bis auf weiteres auf 10 Uhr abends" festgesetzt werde. "Von den Wirten muß sowohl die peinlichste Instandhaltung der Polizeistunde als auch erwartet werden, daß sie angetrunkenen Personen geistige Getränke nicht verabreichen", heißt es weiter.