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5. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

5. August 1914: Es stand im Volksfreund vor 100 Jahren

Auf dem Wochenmarkt fehlen Hafer, Heu und Stroh und der Trierische Bauernverein vermittelt Schüler für Erntearbeiten an seine Mitglieder. Diese und weitere Meldungen, die vor hundert Jahren im Trierischen Volksfreund standen, lesen Sie hier.

Am 5. August 1914 berichtet der Volksfreund, dass auf der Wochenmarkt am 4. August " unter dem Einfluß der Mobilmachung [stand]. Das Angebot war dementsprechend gering. Hafer, Heu und Stroh fehlte".

Auch aus diesem Grund dürften - während viele Männer vom Militär eingezogen sind - die Aufrufe zur Erntehelfe zu verstehen sein. So gibt der Trierische Bauernverein bekannt, Schüler für Erntearbeiten zu vermitteln: "Wir vermitteln unseren Mitgliedern zur Hilfe bei den Ernte-Arbeiten Schüler der höheren Lehranstalten aus Trier und bitten diejenigen Mitglieder, welche solche Hilfskräfte gebrauchen, sich sofort schriftlich an den Trierischen Bauern-Verein zu Trier zu wenden. Reisekosten müssen vergütet bezw. rückerstattet werden."

Im TV vom 5. August erscheint zudem eine Meldung aus Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg): "Selbst unser Ort hat eine eigene Nachtwache. Dem Waffenwerk und den Straßenkreuzungen widmet man besondere Aufmerksamkeit. Barrikaden verhindern das unbemerkte Durchsausen von Automobilen durch Unbefugte", ist im TV zu lesen. Selbst ein "Major aus Trier" habe nach Androhung von Schüssen sein Auto stoppen müssen. Ein zweiter Vorfall endete hingegen tödlich: "Bei Dhronecken schoss ein Wärter aus Versehen auf zwei verheiratete Männer, die denselben Dienst vorher versehen hatten. Wie man hört, soll einer an den Verletzungen gestorben sein."

Die Leser erfahren an diesem Tag auch, dass Deutschland nun im Krieg mit England stehe: "Der Weltkrieg beginnt! England hat an Deutschland den Krieg erklärt!" Damit "kompliziert sich die Lage in unerhörter Reife. […] England wird in der Lage sein, unseren Handel lahmzulegen und uns die Zufuhr zur See im Atlantischen Ozean abzuschneiden. Das wird von uns sicher sehr peinlich empfunden werden, aber, wenn es wahr ist, daß Deutschland auf 20 Monate hinaus mit Lebensmitteln gedeckt ist, dann braucht man sich zunächst nicht allzusehr aufzuregen. England wir zwar unsere Häfen blockieren, aber im übrigen wird es uns nicht allzu wehe tun. (...) Ruhe ist d Bürgers erste Pflicht!"

In den Kriegs-Bekanntmachungen teilt das Garnisons-Kommando mit, dass "seit gestern nachmittag 6 Uhr Kriegszustand mit Frankreich [herrscht]. Im Falle eines nächtlichen Alarms haben alle Bewohner in ihren Häusern zu verbleiben. Es sind städtischerseits und seitens der Bevölkerung alle Beleuchtungsanlagen sofort in Tätigkeit zu setzen und die nach der Straßenseite zu gelegenen Fenster der Häuser zu beleuchten. Alle Häuser, in denen Einquartierung liegt, dürfen während der Nacht nicht mehr verschlossen werden."

Im Lokalteil gibt es derweil zu vermelden, dass "der feierliche Gottesdienst in der Synagoge am 'allgemeinen Bettag', Mittwoch, den 5. August", um 11 Uhr stattfindet.

Im Anzeigenteil suchen die "Strassenbahnen der Stadt Trier" neues Personal: "Geeignete Leute werden in das Fahrpersonal eingestellt. Meldung von 8-12 Uhr vormittags und von 3-5 Uhr nachmittags".