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"Auch Lesben und Schwule gehören zur Familie"

"Auch Lesben und Schwule gehören zur Familie"

TRIER. Mit der Botschaft "Auch Lesben und Schwule gehören zur Familie" sind bundesweit Homosexuelle am Familiensonntag der Katholischen Kirche für ihre Rechte eingetreten. In Trier haben sie auf dem Domfreihof demonstriert.

Anlass für den Protest ist die Haltung der Deutschen Bischofskonferenz zum Lebenspartnerschaftsgesetz. Seit August 2001 ist es gleichgeschlechtlichen Paaren erlaubt, eine "Eingetragene Lebenspartnerschaft" einzugehen. Laut Bundesverfassungsgericht steht das Gesetz mit dem Grundgesetz in Einklang und berührt den Schutz von Ehe und Familie nicht. Für Mitarbeiter in katholischen Einrichtungen soll die Realität allerdings eine andere sein. Die Deutsche Bischofskonferenz sieht in dem Eingehen einer Eingetragenen Lebenspartnerschaft einen "schwerwiegenden Loyalitätsverstoß". Die dienstrechtlichen Folgen für Beschäftigte, zu denen Krankenpfleger, Erzieherinnen und Verwaltungsangestellte zählen, könnten unter Umständen bis zur Kündigung reichen. "Im Bistum Speyer hat es bereits solche Konsequenzen gegeben", sagt der Leiter der Geschäftsstelle Saarbrücken des Lesben- und Schwulenverbandes Saar e.V., Christian Zims. "Die Katholische Kirche setzt sich damit als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands über geltendes Recht hinweg", sagt der Vorsitzende des LSVD Saar, Hasso Müller-Kittnau. Deshalb demonstrierten gestern etwa 20 Homosexuelle für die Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und gegen die Verordnung der Bischofskonferenz. Mitarbeiter von Einrichtungen der Katholischen Kirche waren kaum dabei. "Die Betroffenen gehen nicht gerne an die Öffentlichkeit, weil sie Angst vor den Folgen haben", sagt Hasso Müller-Kittnau. Die anwesenden Demonstranten jedoch versuchten, die Besucher des sonntäglichen Hochamtes mit Plakaten und Flugblättern auf ihre Situation aufmerksam zu machen und riefen dabei sehr unterschiedliche Reaktionen hervor. "Das kann ich verstehen", sagt eine Passantin zu der Aktion. Nur wenige Kirchgänger sahen sich auf ihrem Weg in den Gottesdienst gestört, in Ausnahmefällen gab es auch rege Kritik. Hasso Müller-Kittnau zeigt sich zufrieden: "Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Kirchgänger unsere Flugblätter entgegennehmen."