"Auf allen Posten in Feindesland stehen und kämpfen"

"Auf allen Posten in Feindesland stehen und kämpfen"

Der Wittlicher Buchdruckereibesitzer und Chronist Carl Nels (1864-1949) hat als Augenzeuge den Ersten Weltkrieg in seiner Heimatstadt erlebt und in einer Chronik seine Beobachtungen festgehalten. Über die ersten Kriegstage berichtete er besonders ausführlich.

Wittlich. Aus Anlass des Volkstrauertages werden Begebenheiten von vor genau 100 Jahren aus dem Tagebuch des Chronisten wiedergegeben. So berichtet Chronist Carl Nels über das erste Kriegsopfer des Ersten Weltkrieges in Wittlich. Es war der im Kreiskrankenhaus gestorbene 26-jährige Soldat Ernst Müller aus Kassel. Er wurde am 5. September 1914 mit militärischen Ehren zu Grabe getragen. Der Kriegerverein, das Wachkommando und viele Bürger erwiesen dem Gefallenen die letzte Ehre. Am Grab wurden drei Salven abgefeuert. Müllers Grabstätte befindet sich heute noch beim Ehrenmal auf dem Friedhof Burgstraße. Ein weiterer nicht namentlich genannter deutscher Soldat wurde am Tag darauf beerdigt. Am 13., 17. und 20. September wurden drei im Kreiskrankenhaus gestorbene französische Kriegsgefangene zu Grabe getragen. Wieder war es der Kriegerverein mit umflorter Fahne, der auch diesen Verstorbenen, auch wenn es sich nach der damaligen Vorstellung um "Feinde" handelte, die letzte Ehre erwies.
Am 7. September war bereits der erste Wittlicher "im Felde der Ehre" gefallen. Dabei handelte es sich um den Unteroffizier und Bataillonstambour im 69. Landwehr-Infanterie-Regiment Mathias Elsen, im Zivilberuf Fuhrmann. Nels bezeichnet den 30-jährigen Familienvater als "einen äußerst fleißigen und soliden Ehemann". Die Todesanzeige erschien im Wittlicher Kreisblatt am 18., das Seelenamt wurde am 21. September in der Pfarrkirche St. Markus gehalten. Mathias Elsen wurde als siebtes von 13 Kindern der Eheleute Dominik Elsen und Maria Kiesgen am 26. Februar 1885 in Wittlich geboren. 1870 gründete sein damals 20-jähriger Vater Dominik ein Fuhrunternehmen. Dieser hatte zwölf Söhne und eine Tochter. Sohn Hubert und Bruder des Gefallenen Mathias Elsen führte das Unternehmen ab 1920 fort. Er wurde ebenfalls Kriegsopfer, jedoch erst im Zweiten Weltkrieg: Bei dem Bombenangriff auf Wittlich an Heiligabend 1944 kam auch Hubert Elsen ums Leben. Seine Firma besteht bis heute als Logistikunternehmensgruppe Elsen fort.
Ein Zeitungsausschnitt, den Carl Nels seinem Tagebuch hinzufügte, spiegelt in einem kurzen Bericht über die Familie Elsen den damaligen Zeitgeist wider:
"Lieb Vaterland magst ruhig sein. Dominicus Elsen aus Wittlich hat neun Jungens, die in allen Teilen des Vaterlandes und auf allen Posten in Feindesland stehen und kämpfen. Neun Jungens! Und der Zehnte hat sich gemeldet. Ist das Land nicht glücklich, in dem solche Herzen schlagen?
Heinrich Binder, Kriegsberichterstatter."
Der aus diesen Worten sprechende Patriotismus verging zahlreichen Familien schon bald. Denn allein im Jahr 1914 mussten bereits 28 Soldaten aus Wittlich ihr Leben lassen, sechs junge Männer wurden vermisst. Ihre Namen sind unvergesslich - auch als Mahnung für unsere und weitere Generationen - ins Ehrenmal auf dem Friedhof Burgstraße eingemeißelt:
Johann Assmann, Dachdecker, Max Bach, Kaufmann, Peter Bernard, Lehrer, Josef Bohlen, Strumpfwirker, Karl Fritzen, Seminarist, Josef Krames, Küfer, Anton Schiffels, Lehrer, Dr. Wilhelm Drautzburg, Chemiker, Mathias Elsen, Fuhrmann, Johann Fohr, Dachdecker, Nikolaus Flesch, Schreiner, Matthias Geisen, Walzwerkarbeiter, Ferdinand Gemmel, Seminarlehrer, Josef Güntzer, Zahnarzt, Joseph Hees, Metzger, Johann Huwer, Maurer, Johann Petry, Postaushelfer, Josef Schmitz, Lehrer, Hilarius Kunsmann, Ackerer, Johann Wilhelm Jelich, Gutsverwalter, Heinrich Kunsmann, Bildhauer, Johann Franz, Schreiner, Peter Teusch, Glashändler, Johann Wagner, Lagerarbeiter, Wilhelm Wendel, Konditor, Matthias Weiland, Gefangenen-Aufseher, Josef Assmann, Telegrafenarbeiter, Theodor Becker, Fuhrmann, Balthasar Schaeffer, Elektrotechniker, Dr. phil. Josef Heckenbach, Willy Lütticken, Studienassessor, Peter Hegner, Krankenkassengehilfe, Karl Stephan Jakoby, Forstaufseher und Karl Lütticken, Diplom-Ingenieur. Weitere Informationen zum ersten Weltkrieg unter
volksfreund.de/wk1