Bäume fällen ist tabu

Bäume fällen ist tabu

TRIER. Hecken schneiden, mit Kindern Regenwürmer beobachten oder Veranstaltungen organisieren – Carina Mossmanns Aufgaben sind vielfältig. Die 21-Jährige macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) bei den Naturfreunden Trier-Quint und dem Trierer Forstamt. Schon jetzt hat sie viel gelernt und einen Beruf für sich entdeckt.

An einem sonnigen Frühlingsmorgen ist Carina Mossmann zu beneiden. Statt Stau und Lärm in der Innenstadt sieht sie im Trierer Weißhauswald die ersten Sonnenstrahlen des Tages durch die Äste luken, hört Vögel zwitschern und riecht die Düfte des Waldes. Die Arbeit im Wald ist ein Bestandteil ihres Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ). Sie begleitet die Revierleiter auf Rundgängen im Wald oder sperrt Wege bei Baumfällarbeiten ab. Selbst hat sie noch keinen Baum gefällt. "Dafür brauche ich einen Motorsägenkurs", erklärt Carina. "Ich habe noch vor, wenigstens einen Basiskurs zu besuchen." Wichtiger Bestandteil ihres Jobs ist die Arbeit mit Kindern. Gerade wegen dieser hat sie sich für ein FÖJ entschieden. "Es ist toll zu sehen, wie Kinder die Natur entdecken, und immer lustig mit ihnen." Jeden Mittwoch findet die Natur- und Wald-AG mit Schülern der Grundschule Biewer statt. Spiele und Erkundungen stehen auf dem Programm. "Wir verbinden beispielsweise Kindern die Augen und lassen sie einen Baum ertasten. Anschließend sollen sie den Baum mit den Augen wiederfinden." Carina hat seit Beginn ihres FÖJ im September die Natur ebenfalls viel besser kennen gelernt. "Ich sehe jetzt Dinge, die ich vorher nie wahrgenommen habe."Kinder wollen beschäftigt werden

Ist Carina nicht im Wald, dann arbeitet sie bei den Naturfreunden in Trier-Quint. Praktische Arbeiten wie die Hecke schneiden oder die Kräuterspirale pflegen stehen auch hier an. Darüber hinaus plant und organisiert sie Veranstaltungen - zum Beispiel den Kinder-Aktionstag "Fridolin der Regenwurm", der vor Kurzem im Quinter Vereinshaus stattfand. Der Name war Programm: Alles drehte sich um Regenwürmer. "Ich habe mir überlegt, dass ich mit den Kindern Tiere suche und dann beobachte, wie sie fressen und sich bewegen. Außerdem haben wir gebastelt und Geschichten vorgelesen." Im Vorfeld müsse sie sich gut überlegen, welche Materialien sie für eine Veranstaltung benötige, und wie sie die Kinder beschäftigen könne. Das FÖJ bedeutet nicht nur arbeiten, sondern auch lernen. Fünf Seminare von je einer Woche Dauer finden während des Jahres statt. Die Themen "Natur und ich", "Ernährung" und "Alternative Energien" hat Carina bereits hinter sich. Ein großer Trip steht ihr noch bevor: Im Sommer geht es auf ein Forschungsschiff in der Ostsee. "Das Jahr ist wirklich abwechslungsreich, denn es findet immer etwas Anderes statt", bilanziert Carina ihre bisherigen Erfahrungen. "Außerdem lerne ich viele Leute kennen bei den Veranstaltungen und Seminaren." Für das FÖJ hat Carina sich entschieden, weil sie nicht so recht wusste, welchen Beruf sie ausüben möchte. Das Problem ist ausgeräumt: "Ich möchte Tierpflegerin werden", weiß sie nun. Am meisten Spaß hat sie nämlich, wenn sie morgens im Weißhauswald die Tiere im Gehege füttern darf.

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