Bauchlandung

Fragt man Erwachsene, warum sie zum lesenden Menschen geworden sind, so nennen sie nach einigem Nachdenken als prägende Vorbilder die erzählende Oma, vorlesende Eltern oder Lehrer. Manchmal ist es auch ein älteres Geschwisterteil oder gar der verletzte Soldat, der dem Flüchtlingskind aus alten Zeitungen vorlas.

Es gibt spannende Geschichten, wie Menschen zu Lesern werden. Meistens werden sie es jedoch in ganz jungen Jahren, einige wenige kommen als (fast) Erwachsene noch dazu, oft durch den Partner oder die Partnerin (auch) zum Lesen verführt. Verführerisch für junge (Schüler-) Paare könnte "Bauchlandung" von Jochen Till sein. Will man der Website des Autors glauben, machen seine Bücher "süchtig", auch Jungen, die eigentlich vom Gegenteil überzeugt sind: "Gibt es etwas Langweiligeres als Lesen? Ich habe es ja versucht, aber das dauert immer ewig, bis man so ein Buch durch hat, und dann gefällt einem das Ende vielleicht noch nicht mal, und dann war alles umsonst und reine Zeitverschwendung." Wer eine Bauchlandung mit der Freundin auf dem Bett macht und sich abwechselnd mit ihr die interessantesten Stellen des Jugendromans vorliest, wird diese Befürchtung nicht mehr teilen! (Es könnte höchstens sein, dass die Beziehung einer Belastungsprobe ausgesetzt wird.) Jochen Till "Bauchlandung" Ravensburger TB 2006Ulrike Erb-May Referentin für Leseerziehung ulrike_erb_ may@web.de Die Autorin unserer Kolumne lebt in Jünkerath in der Eifel und beschäftigt sich seit gut einem Jahrzehnt mit dem Thema Vorlesen. Nach ihrer Überzeugung wissen noch immer zu wenige Menschen, wie wichtig tägliches Vorlesen im Kleinkindalter ist.