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BEHINDERTENSPORT: Hoffnung auf den großen Wurf

BEHINDERTENSPORT: Hoffnung auf den großen Wurf

BERNKASTEL-KUES. (teu) Peking 2008 scheint noch weit entfernt. Der sehbehinderte Jörg Trippen-Hilgers vom SFG Bernkastel-Kues engagiert sich schon jetzt bei der Talentsuche des Behindertensportverbands.

Den Wintertag im Jahr 1990 wird Jörg Trippen-Hilgers nie vergessen: Er ging mit seiner damaligen Freundin spazieren. "Ich hatte meinen Fotoapparat dabei und schaute mit dem linken Auge durch die Linse. Ich wollte sie scharf stellen, doch es ging nicht", erinnert sich der heute 35-Jährige. Auf der rechten Seite war die Sicht noch klar, wie vernebelt war sie dagegen auf dem anderen Auge. Im April 1991 hatte Trippen-Hilgers mehr als 95 Prozent seiner Sehkraft verloren. Die so genannte Leber'sche Opticus Athrophie, eine Erbkrankheit, hatte die Sehnerven befallen und absterben lassen. Seitdem sieht Trippen-Hilgers seine Umgebung nur noch schemenhaft wie durch eine beschlagene Taucherbrille. Schock im April 1991

"Innerhalb kürzester Zeit konnte ich nicht mehr lesen, sondern nur noch Bilder erkennen", erzählt er. Ein riesiger Schock! Doch der Leichtathlet und ehemalige Ruderer versuchte schnell, mit der Krankheit zu leben. Zunächst gegen den Rat der Ärzte, begann er wieder Sport zu treiben. Wie vor der Erkrankung trainierte er bei Wolfgang Baum beim SFG Bernkastel-Kues. "Bei Wolfgang war das paradox gute, dass sein Vater zur gleichen Zeit auch erblindete. Dadurch konnte mir Wolfgang die Bewegungsabläufe besser vermitteln", sagt Trippen-Hilgers. Der Übungsleiter half ihm, die Angst vor dem buchstäblichen Sprung ins Ungewisse zu überwinden und führte ihn zur ersten Paralympics-Teilnahme 1996. In Atlanta gewann Trippen-Hilgers Staffel-Silber über 4 x 100 Meter. Ein wenig Eigennutz ist natürlich auch dabei, wenn sich Trippen-Hilgers mit Blick auf Peking nun bei der Nachwuchsförderung des Behindertensportverbands engagiert. Den deutschen Sehbehinderten-Sprintern fehlt ein schneller vierter Mann. Darüber hinaus weiß Trippen-Hilgers auch nur zu gut, wie sehr Sport helfen kann, mit einer Behinderung zu leben. Wer über sein Handicap nicht Bescheid weiß, der merkt es dem Masseur oft nicht an, dass er fast nichts mehr (nur noch zirka zwei Prozent) erkennt. Dass er sich im Alltag so sicher bewegt, führt Trippen-Hilgers auch auf den Sport zurück. Gute Übungsleiter sind allerdings gerade bei Handicap-Sportlern wichtig. Ohne die visuelle Rückmeldung der eigenen Augen ist auch Trippen-Hilgers noch mehr auf die Hilfe von Trainern angewiesen, als ein Sehender. "Man sieht nicht wie der Diskus fliegt", nennt er als Beispiel. Verband bietet Beratung an

Auch die Suche nach dem Wurfgerät sei manchmal kein Spaß, wenn man allein trainiere. Beim rheinland-pfälzischen Behindertensportverband (Telefon 0261/135250, Internet: www.bsv-rlp.de) könne man sich über Trainingsmöglichkeiten informieren. "Der Verband kann beraten, welche Sportart sinnvoll ist. Dort existieren Listen, welche Vereine Behindertensportgruppen anbieten", ermuntert Trippen-Hilgers zur Kontaktaufnahme. Auf Bundesebene fand in Kienbaum erstmals ein Schnupperlehrgang mit blinden und sehbehinderten Jugendlichen statt. Trippen-Hilgers engagierte sich dort als einer der Lehrgangsleiter. "Es ging erst mal nur darum, mal einen Diskus in die Hand zu nehmen und mit einem Begleitläufer zu laufen", erklärt er.Gesucht werden auch Begleiter

Trippen-Hilgers spricht schließlich noch ein weiteres Anliegen an: Außer Sportlern sucht der Deutsche Behindertensportverband (Kontakt über Sportkoordinatorin Jeannette Schönfelder, E-Mail: schoenfelder@bsberlin.de, Telefon 030/30099675) sehende Läufer, die blinde oder sehbehinderte Athleten bei Training und Wettkampf begleiten.