Bodenständige "Himmelsstürmer"

Bodenständige "Himmelsstürmer"

WALDRACH. Der "Harte Kern Waldrach 199" (HKW) kann getrost zu den Exoten in der Vereinswelt gezählt werden. Vor zehn Jahren gegründet, ist er inzwischen zu einem festen Bestandteil in Waldrach geworden.

Die zehn Gründungsmitglieder haben auch heute immer noch ihre klaren Ziele im Kopf, sind aber auch immer für Besonderheiten zu haben. Bürgermeister Bernhard Busch und Ortsbürgermeister Heinfried Carduck unterstützten die jungen Männer bei ihrer Vereinsgründung. "Die jungen Himmelsstürmer waren mit unkonventionellen und frischen Ideen in der Vereinswelt angetreten," sagt Bürgermeister Busch. "Sie blickten über den Tellerrand und waren offen für Neues." In den zehn Jahren haben die rund 30-Jährigen aber auch Bewusstsein und Verständnis für ihren Ort Waldrach entwickelt und sich im Dorfgeschehen eingebracht.Sie kennen sich seit ihrer Kindergartenzeit

Die Mitglieder des HKW, erster Präsident ist Armin Schuh, kennen sich seit ihrer gemeinsamen Kindergartenzeit. Bevor sich wegen schulischer Veränderungen ihre Wege trennten, besuchten sie gemeinsam die Grundschule. Die Freundschaft zueinander blieb ungebrochen. Bereits vier Jahre vor ihrer Vereinsgründung hatten sie ihrer Clique den Namen "Harter Kern Waldrach" gegeben. Der Name war schnell gefunden, waren sie doch bei allen Partys immer die Letzten, also der harte Kern. Die Freundschaft der jungen Männer reicht sogar bis nach Brasilien. Martin Bauer, Mitglied des HKW, lernte bei Montagearbeiten in Brasilien seine Frau kennen. Für den HKW keine Frage, dass er besucht werden sollte. Armin Schuh: "Wir waren sogar bei der Hochzeitsfeier, und Silvester 2005 warben wir in Brasilien für die Fußballweltmeisterschaft." Das Benefizspiel gegen eine brasilianische Mannschaft gewannen sie. So heißt es zumindest, einen Beweis gibt es allerdings nicht. Von den Silvesterpartys, der Fastnachtsdisko oder dem HKW-Sommerfest einmal abgesehen, sorgten die jungen Männer immer wieder für perfekte Überraschungen. Die durchweg gute Resonanz reichte teilweise sogar über das Ruwertal hinaus. Das Fest zum fünfjährigen Bestehen, ein erfundener Weinautomat und ein Hinweisschild sollen besondere Erwähnung finden. Zunächst zum ersten Jubiläumsfest: Dazu reanimierte der HKW zum Erstaunen aller Waldracher den alten Biergarten des ehemaligen Hotels Waldracher Hof. Seitdem ist er Anziehungspunkt für viele Menschen, die sich noch gerne und gut an die Feste erinnern, die sie "damals" dort feierten. Der HKW hatte damit den Waldrachern wieder einen Dorf-Mittelpunkt gegeben, was ihm viele Pluspunkte in der Bevölkerung einbrachte. Zweimal erregten die Freunde nach der Hexennacht für Aufsehen. Im Jahre 2000 stellten sie am ehemaligen Feuerwehr-Gerätehaus einen Weinautomaten auf. Er machte Waldrach in ganz Deutschland bekannt, denn so etwas hatte es noch nie gegeben. Schuh: "Über diesen Weinautomaten berichtete die Deutsche Presseagentur, und er fand im Fernsehen und Radio ungeteilte Beachtung." Die Begeisterung schwappte sogar bis nach Thüringen. Die Stadt lieh sich beim HKW den Weinautomaten für die Kunstausstellung "Der Mensch und der Automat" aus.Nicht jeder glaubte an einen Schabernack

Auch ein Jahr später sorgte der HKW für Gesprächsstoff mit einem Bauschild am ehemaligen Hotel. Der Verein wolle dort ein "HKW-Center" errichten, war zu lesen. Obwohl urplötzlich nach der Hexennacht vorgefunden, glaubte jedoch nicht jeder an einen Schabernack. So beschwerten sich sogar Baufirmen, dass sie bei der Ausschreibung nicht beteiligt worden waren. Andere Stimmen befürchteten, dass sich der Verein mit dem Bau eines solchen Centers finanziell übernehmen würde. Der HKW wird auch künftig mit seinen Aktionen für Leben im Ort und positiven Gesprächsstoff sorgen. Bleibt abzuwarten, welche Überraschung ihm in nächster Zeit gelingt.