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Computer können Ärger machen

Computer können Ärger machen

PFALZEL. Kinder im Kindergarten-Alter fit im Umgang mit modernen Medien machen. Das ist Ziel und Herausforderung für Enrico Eulzer. Einen von derzeit zehn Computer-Kursen für Vier- bis Sechsjährige in Trier und Umgebung hält er in der Kindertagesstätte St. Adula in Trier-Pfalzel.

"Hey, wo ist denn dein Bart?", David sitzt noch gar nicht richtig auf seinem Stühlchen, schon muss er seinen Wissensdurst stillen. Nach kurzer Überlegung die Antwort: "Ach ja, letzte Woche war ich nicht richtig rasiert." Das wäre also geklärt. Jetzt kann sich die muntere Truppe ihrem eigentlichen Thema zuwenden. "Heute machen wir etwas, das ihr noch gar nicht kennt. Wisst ihr, was da zu bedenken ist?" Enrico Eulzer muss nicht lange auf Antworten warten. Seine kleinen Schülerinnen und Schüler sprühen nur so vor Ideen und dem Bedürfnis, sie auch mitzuteilen. Schnell fällt der erhoffte Satz: Zuhören ist in dieser Stunde ganz besonders wichtig. Während Enrico sich also an seine erwachsenen Gäste wendet, lauschen die acht Kinder aufmerksam den Anweisungen aus ihren Laptops. Computer-Kurs im Kindergarten. Im ersten Moment mag das nach einem reichlich überflüssigen Angebot klingen. Auch Anne Breit-Klären, stellvertretende Leiterin der Kita in Pfalzel, machte sich so ihre Gedanken, ob der Kurs ins Konzept passe: "Da stellen wir Anträge auf Zuschüsse zu Sprachförder-Programmen, und dann setzen wir die Kinder vor den Computer. Ist das nicht paradox?" In unserer "Schnupperstunde" wird jedoch schnell deutlich: Bei Enrico Eulzer geht es vor allem um Kommunikation - besonders die der Kinder untereinander. Jeder Unterricht beginnt mit einer Gesprächsrunde. Und nach der Arbeitsphase ist die verbale Nachbereitung ein sehr wichtiges Element. Eulzer: "Dabei merke ich natürlich, ob die Kinder die Spielinhalte verstanden haben. Ich stelle aber auch fest, ob sie den Kameraden schlüssig erklären können, was da passiert ist." Deutlich sei die Veränderung innerhalb der Gruppe im Umgang miteinander spürbar. "Anfangs wollte sich natürlich keiner eine Blöße geben und Fehler eingestehen", erzählt der 35-jährige Kursleiter. Nach mehreren gemeinsamen Stunden ist die Scheu vor den Gleichaltrigen geschwunden. Das Miteinander klappt prima. "Grundsätzlich will ich dem Computer seine Anziehungskraft und Faszination nehmen", erläutert Eulzer eines seiner Ziele. Und so ist er richtig begeistert, als Marisol in der Abschlussrunde feststellt: "Unser Spiel fand ich nicht spannend." Schließlich soll der Computer als Werkzeug, nicht aber als Spielzeug oder gar Freund erlebt und wahrgenommen werden. "Ich möchte, dass die Kinder erfahren, wie viel spannender und schöner es ist, mit anderen draußen zu spielen, als vor dem Gerät zu hocken", sagt der Kursleiter. Früh übt sich der Umgang mit den Medien

Sein Projekt "medienfit" leitet Enrico Eulzer seit 2002. Der Weg zu dem selbst entwickelten und deutschlandweit bislang einmaligen Konzept war vielseitig: Tätigkeit als Bänker in Trier und Luxemburg, Studium von Computerlinguistik und Erziehungswissenschaften, Chefredakteur im Online-Business und das Studium an einer Wirtschaftsakademie gingen voraus. "Aus der Arbeit mit Erwachsenen lernte ich, dass der Umgang mit den neuen Medien eigentlich viel früher eingeübt werden müsse", schildert Eulzer seinen Schritt zum Projekt "Computerkurs im Kindergarten", das in München sehr erfolgreich an den Start ging. Da Trier aber kindgerechter sei, die Kinder hier ausgeglichener und offener heranwachsen könnten als in der Großstadt, entschloss sich der dreifache Vater, samt Familie wieder in die "ländliche Idylle" zu ziehen. Von seinen Erfahrungen profitieren nun Kindergärten im Trierer Raum. Und so erlernen Lena und Margeritha, Johannes, Lukas und Timo den Umgang mit der Maus, üben die richtige Sitzhaltung am Computer, entdecken, dass diese Kisten auch ganz schön Ärger machen können, und dürfen sogar das Innenleben von Maus und Laptop erforschen. "Ich vermittle Einblicke in die Möglichkeiten des Computers und ein Grundwissen. Die Kinder sollen dann merken, dass sie es sind, die entscheiden, was sie machen, wobei sie an ihre Grenzen stoßen, und dass sie bestimmen, wann ausgeschaltet wird." Das fällt am Ende der Stunde ganz offensichtlich auch gar nicht schwer. Und mit roten Backen machen sich die acht fröhlich auf den Weg zu ihren Spielkameraden, um in der Legokiste zu bauen oder in der Puppenküche das Mittagessen zu kochen.