Das absolute Hoch tief im Westen

Jung, attraktiv und dynamisch - und nach ihr drehen sich nicht nur die Männer um: Die Rede ist von der Fußball-Bezirksliga, die in der Gunst der Fans hoch im Kurs steht.

 Viele Fans, wie hier beim Derby Mehring – Schweich, sind in der Bezirksliga keine Seltenheit. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer

Viele Fans, wie hier beim Derby Mehring – Schweich, sind in der Bezirksliga keine Seltenheit. TV-Foto: Archiv/Hans Krämer

Trier. Der Fußball boomt, und das nicht nur in den Profi-Ligen. Auf regionaler Ebene erfreut sich seit geraumer Zeit die im Westen des Verbandes gelegene Bezirksligastaffel großen Interesses. Die Zuschauer strömen in Scharen zu den 16 Clubs, am vergangenen Derby-Mittwoch waren es weit über 2200 Fans, die die Kassenhäuschen zwischen Westeifel und Hunsrück passierten. Bei der Suche nach den Gründen für die Beliebtheit der regionalen Größen wird man schnell fündig. "Der Lokalcharakter spielt wohl die größte Rolle. Es spielen zudem viele junge Spieler in den Mannschaften, die aus kleinen Vereinen kommen. Die Jungs werden aber auch in der neuen Liga von den alten Kameraden und Freunden angefeuert", erklärt Spielleiter Rudolf Klingmann den Boom, verteilt aber auch Komplimente an "seine" Vereine. "Die Bezirksliga hat qualitativ mächtig zugelegt, fast alle Clubs spielen offensiv, und es fallen viele Tore." Aber auch der Spielleiter hat Anteil an der flächendeckenden Euphorie. Am vergangenen Mittwoch-Spieltag setzte er ausschließlich Derbys an, was sich in den Kassen der Clubs bemerkbar machte. "Man darf den Spielplan nicht vom Computer erstellen lassen. Die Derby-Paarungen waren gesetzt", bewies er ein glückliches Händchen. Weniger zufrieden ist man eine Klasse höher in der Rheinlandliga, wo man am zweiten Mittwoch-Spieltag auf große Reise gehen musste. "Wir sind bis nach Montabaur gefahren und mussten mittags schon los. Noch härter hat es Badem getroffen, die in Betzdorf spielen mussten", war nicht nur für Morbachs Abteilungsleiter Christoph Müller die Grenze des Zumutbaren erreicht.Der amtierende Bezirksligameister und Aufsteiger fühlt sich aber in der neuen Liga wohl. "Wir haben im Schnitt sogar mehr Zuschauer als in der Bezirksliga. Den besten Besuch hatten wir beim Derby gegen Salmrohr, da kamen 700 Leute". Für Müller sind es die Derbys, die der Bezirksliga volle Häuser verschaffen. Mit Leiwen, Schweich und Mehring gibt es allein an der Mosel drei Zuschauer-Magneten und in der Eifel sind es Wallenborn, Auw, Fließem und Großkampen, die sich duellieren.Im Kreis Bernkastel-Wittlich sorgt die Rivalität zwischen Salmrohr, Buchholz, Lüxem und Hetzerath für allerlei Zündstoff, und im Raum Trier streiten sich Osburg, Sirzenich, Ralingen sowie die beiden Erzrivalen Konz und Krettnach um die lokale Vorherrschaft. Für den früheren Schweicher und jetzigen Leiwener Coach Uli Marmann zeigt auch die Spielsystemreform ihre Wirkung. "Die Verantwortlichen des Verbandes hatten recht, als sie vor einigen Jahren die Landesliga abgeschafft und die Bezirksligen aufgewertet haben. Der regionale Bezug spielt für die Leute eine große Rolle. Man interessiert sich weniger für Mannschaften vom Rhein. Die Fans kommen eher, wenn Leiwen gegen Mehring oder Schweich spielt." Für Marmann ist die Liga auch anspruchsvoller geworden. "Früher haben wir vor 50 Zuschauern bei Nieselregen auf dem Hartplatz gespielt. Heute sind die Plätze besser, das Spielniveau ist gestiegen, und das Umfeld ist durch schöne Klubhäuser besser geworden." In die gleiche Kerbe schlägt auch Fließems Geschäftsführer Gerd Müller. "Wenn wir ein Samstagspiel haben, sieht man viele Leute aus den Nachbarvereinen. Die Fans begleiten uns auch recht zahlreich zu den Auswärtsspielen, weil man die meisten Spielorte binnen einer Stunde erreichen kann", ist er von der kleinen, aber feinen Bezi-Fußballwelt "tief im Westen" angetan. Am Rande der Bande Im Gleichschritt trafen Auws Frank Arimond und der Buchholzer Dominik Klein am vergangenen Sonntag jeweils doppelt. Beide führen auch mit je fünf Treffern die Torschützenliste der Bezirksliga an. Erst am 13. Oktober wird der vierte Spieltag abgeschlossen. Dann wird die wegen des Mehringer Weinfestes ausgefallene Partie zwischen den Moselanern und der SG Großkampen nachgeholt. Tragische Helden: Tim Lames (Salmrohr) und Patrick Hahn (Hetzerath) trafen am Sonntag für ihre Clubs jeweils ins Schwarze, flogen anschließend aber rotbelastet von den Plätzen. Die SG Laufeld, die in der vergangenen Saison unter kollektiver Ladehemmung litt, hatte für die nun laufende Spielzeit Marco Toppmöller verpflichtet, um die Flaute zu beheben. Die Quote des Leiweners lässt sich auch sehen: Fünf Tore in sechs Spielen. Das Manko: Diese Tore verteilen sich auf nur zwei Spiele und brachten auch nur drei Punkte ein. Noch schlimmer: Außer Toppmöller traf kein Laufelder. Daher steht das Team von Trainer Jürgen Tücks auch mit nur drei Zählern und 5:22 Toren auf einem Abstiegsplatz. Trost kommt auch aus der Statistik. In der Vorsaison startete Dörbach mit zwei Punkten aus sieben Spielen schlechter und hielt die Klasse. (wir/J.W.)

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