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Das "Führerscheinchen" in der Tasche

Fahrlehrer Holger Krieg erklärt Fahrschüler Alexej Tochtmann die Handhabung des Fahrzeugs. Foto: Simon Wolff
Fahrlehrer Holger Krieg erklärt Fahrschüler Alexej Tochtmann die Handhabung des Fahrzeugs. Foto: Simon Wolff
TRIER. Seit April 2004 können Jugendliche aus Niedersachsen am Modellversuch "begleitetes Fahren" teilnehmen. Nun dürfen auch Jugendliche aus Rheinland-Pfalz in Begleitung künftig schon mit 17 Jahren hinters Steuer. Im Herbst 2005 soll das Modellprojekt starten. ARRAY(0xfbed4258)

Die Freiheit rollt auf vier Rädern. Denn spätestens mit dem kleinen viereckigen Führerschein im Geldbeutel ist es endlich vorbei mit Busfahren, Trampen und langen Spaziergängen. In den Genuss einer Fahrerlaubnis kommen bald schon Jugendliche ab 17 Jahren. Anfang November wird der "Führerschein mit 17" in Rheinland-Pfalz eingeführt, nachdem auf Bundesebene die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden sind. "Wir versprechen uns von dem Modellprojekt eine Reduzierung der Unfälle, da eine Begleitperson mit Fahrpraxis mitfährt", sagt Dörte Büschel, Sprecherin des Verkehrsministeriums Rheinland-Pfalz. In Niedersachsen hat das Modell bereits Schule gemacht: "Die Ergebnisse, die hier vorlagen, haben uns ermutigt, das Projekt auch in Rheinland-Pfalz einzuführen", so Büschel weiter. Das Modell entspricht dabei einer vorgezogenen Führerscheinprüfung mit der Auflage, dass eine Begleitperson mitfährt. "Hey, das ist ja locker!", werden sich jetzt einige denken. Doch weder ein gleichaltriger Bekannter noch Straßen-Rowdies qualifizieren sich für den Platz auf dem Beifahrersitz. Denn die Begleitperson muss Anforderungen erfüllen, die von der Fahrerlaubnisbehörde überprüft werden. Der Begleiter muss mindestens 30 Jahre alt, mindestens seit fünf Jahren ohne Unterbrechung im Besitz der Fahrerlaubnis sein und er darf höchstens drei Punkte im Verkehrszentralregister haben. Weitere Auflagen wie Fahrsicherheitstrainings oder die Teilnahme an Sonderschulungen sind nicht angedacht. Sobald das 18. Lebensjahr erreicht ist, wird der Führerschein ohne eine Zusatzprüfung übertragen, lediglich eine Gebühr von 13,10 Euro für den Kartenführerschein fällt an. Auch wenn vielleicht die Sorge um den jungen Sprössling so manchem Elternteil schlaflose Nächte bringt, begrüßen die Fahrschulen das Modell: "Für jüngere Fahrschüler ist es leichter, da sie während der Fahrstunden weniger Angst haben und mit dem Verkehr mitwachsen", prognostiziert Walter Becker von der Fahrschule Becker aus Wittlich. Auch für Wolfgang Heller von der Prümer Fahrschule Heller ist die Entscheidung für das Modell ein positiver Schritt: "Die zusätzliche Fahrpraxis, die der Fahrschüler erhält, ist sehr vorteilhaft." Ein Problem für die Jugendlichen sieht Heller in der Begleitperson: "Jugendliche wollen lieber alleine fahren, insofern ist das Interesse an diesem Projekt wahrscheinlich nicht allzu groß."