Das rollende Wohnzimmer

Das rollende Wohnzimmer

Juli ist Radsport-Zeit, ist Tour-Zeit, ist Alpen-Zeit. Herbert Weber (62) aus Erden hat auch in diesem Jahr sein Domizil am Galibier, einem der höchsten Anstiege der Tour de France aufgeschlagen. Und genießt dort nicht nur das Tour-Spektakel, sondern auch das Umfeld und pflegt zum Teil jahrelange Freundschaften.

Briancon. (jüb) Voller Stolz zeigt der Mann mit dem markanten Vollbart auf sein Wohnmobil: "Das haben meine Kinder für mich gemacht", erklärt er. Rund um das "rollende Wohnzimmer" des Mannes aus Erden sind die Stationen seiner jährlichen Radsport-Reisen wie auf einem großen Laufband aufgezeichnet: Albertville, Grenoble, Galibier und viele andere Tour-Stationen mehr. Aber auch Chémery ist markiert, der französische Partner-Ort von Webers Heimatgemeinde Erden. "Dort habe ich Station gemacht, bevor ich an den Galibier gefahren bin", erklärt er. Zwei Tage vor der "Königsetappe" der Frankreich-Rundfahrt war er an Ort und Stelle. "Das Panorama hier oben in den Bergen ist einzigartig, ich würde auch ohne Tour de France hier hin fahren", gibt er glaubhaft zu verstehen. Bis vor drei Jahren war Weber, Präsident und Mitbegründer des heimischen Radsportclubs, mit einem roten VW-Bus unterwegs. Dann legte er sich sein Wohnmobil zu, das ihm jetzt Platz für sich und sein - natürlich - mitgeführtes Rad bietet. War er in den vergangenen Jahren stets in Begleitung unterwegs, so hat er sich dieses Mal allein auf die Reise gemacht. "Irgendwie kann man sich dann die Strapazen besser einteilen."Seit dem Jahr 1997, dem Ullrich-Erfolg, ist Weber bei der Tour dabei, Bergluft aber schnuppert er schon länger. "Das erste Mal war 1986, damals noch mit einer Gruppe des PSV Bernkastel." Wer so lange dabei ist, macht sich natürlich seine Gedanken um die Entwicklung des Radsports und die aktuelle Doping-Szene. Als "beängstigend" empfindet er das, was im Moment vor sich geht, auch deshalb, weil "der Druck der Sponsoren meiner Meinung nach so hoch ist, dass er quasi zum Doping verführt." Die Tour, so seine Meinung, müsse sich neu orientieren: "Warum müssen Alpenetappen so lang und so schwer sein, warum kann man diese Etappen nicht auch so gestalten, dass gut trainierte, saubere Athleten diese Herausforderung bestehen können?"