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Der heruntergeschluckte Ärger

Diplom-Psychologe Peter Rütten sagt: Es ist angemessen, dass sich beide Berufstätige die Hausarbeit teilen.Foto: Friedemann Vetter
Diplom-Psychologe Peter Rütten sagt: Es ist angemessen, dass sich beide Berufstätige die Hausarbeit teilen.Foto: Friedemann Vetter
TRIER. Ein anstrengender Arbeitstag liegt hinter Tanja Vogel: Im Geschäft war die Hölle los und dann noch der Besuch bei ihrer Mutter im Krankenhaus in Bitburg. Jetzt freut sie sich auf einen erholsamen Feierabend und hofft, dass Thomas ihr bei der Hausarbeit ein wenig hilft. Von unserer Mitarbeiterin <br>NORA JOHN

Erschöpftschließt Tanja die Wohnungstür auf. Kaum hat sie die Wohnungbetreten, stolpert sie auch schon über Tims Schulranzen. "HalloMama, machst du uns etwas zu essen? Ich hab' so 'nen Hunger",wird sie von Teresa begrüßt. "Wieso hat Papa denn noch keinAbendbrot gemacht?", fragt Tanja mit aufkeimenden Zorn. "Dersitzt mit Tim vor dem Computer." Wütendgeht Tanja in Tims Zimmer. Dort türmen sich neben schmutziger Wäsche noch leere Joghurtbecher, während Thomas und Tim ganz vertieft in ihr Computerspiel sind. "Ach, hallo Schatz. Gut, dass du da bist. Wir haben Hunger" begrüßt sie Thomas. "Wann bist du denn nach Hause gekommen?" fragt Tanja. "Wie immer, so kurz nach fünf, wieso?" "Weil du dann ja wohl genug Zeit gehabt hättest, das Abendbrot für die Kinder zu machen. Ich kann mich doch nicht ständig um alles kümmern", giftet Tanja. Wütend räumt Tanja den Küchentisch ab, auf dem noch Thomas' Tasse vom Frühstück steht. "Dieser faule Hund" murmelt sie vor sich hin und stellt krachend die Abendbrot-Teller auf den Tisch.

"Das hätte sie laut sagen sollen", sagt Diplom-Psychologe Peter Rütten von der Lebens- und Erziehungsberatungsstelle in Wittlich. Dann wäre zwar die Gefahr eines Streites gegeben. Doch wenn Tanja ihren Ärger immer wieder herunterschlucke, sei die Gefahr einer Eskalation viel größer. Mehr Konfliktfreude wäre für beide Partner in diesem Fall hilfreich. Im übrigen könnten auch beide Kinder zum Tischdecken herangezogen werden.

"Ich möchte aber nicht das Endstück vom Brot", mault Teresa. "Das ist immer so hart." "Wieso ist denn keine Wurst mehr da?", mäkelt Tim. "Weil dein Vater es offensichtlich nicht schafft, einmal selber in einen Laden zu gehen und einzukaufen", sagt Tanja mit dünnen Lippen. "Was ist eigentlich mit deinen Hausaufgaben, hast du die schon gemacht?". "Nö, soviel haben wir auch gar nicht auf", windet sich Tim. "Also los, jetzt machst du sofort deine Aufgaben und zeigst sie mir anschließend. Und wenn du fertig bist, kannst du auch noch dein Zimmer aufräumen". "Och nö!" "Die Nachrichten fangen an", verkündet Thomas, steht vom Tisch auf und verschwindet im Wohnzimmer. Tanja räumt das Geschirr weg.

"Es wäre angemessen, wenn sich beide die Heimarbeit teilen", sagt dazu Peter Rütten. Beide Partner seien gleichermaßen im Arbeitsleben, daher müssten sich auch beide um die Arbeit im Haushalt kümmern.

"Bist du fertig?", fragt sie ihren Sohn, der schon wieder vor dem Computer sitzt. "Ja, das war nicht so viel." "Und wieso liegt hier immer noch deine dreckige Wäsche 'rum?", faucht Tanja und sammelt drei schmutzige Strümpfe, zwei Unterhosen und vier T-Shirts vom Boden auf. "Ach, lass doch, dass ist doch mein Zimmer", gibt Tim gelangweilt zurück. "Ja, aber ich soll deine Klamotten waschen", faucht Tanja und wirft die Sachen in den Wäschekorb.

"Tanja sollte die Wäsche einfach liegen lassen", sagt Rütten dazu. Und zwar so lange, bis Tim keine sauberen Socken mehr vorfindet. Für die Kinder sei auch das Beispiel der Eltern ganz wichtig. Wenn die Kinder mitbekommen, dass Vater und Mutter anpacken, würde sich eine Hilfe der Kinder auch wesentlich leichter regeln lassen.

Mittlerweile ist es viertel nach zehn. Tanja lässt sich erschöpft auf das Sofa fallen. Eigentlich müsste sie noch bügeln, aber dazu hat sie jetzt keine Kraft mehr. Thomas legt seinen Arm um sie. "Na Schatz, wie war denn dein Tag?", fragt er. Tanja wendet sich ab und rückt ein Stück weg. "Lass mich!" "Bist du sauer?" "Nein nur müde".

"Wenn die so weiter machen, sitzen die nach fünf Jahren in der Scheidungsberatung", sagt Rütten. Spätestens hier wäre es notwendig, wenn Tanja ihre Sicht der Dinge schildert und gemeinsam mit ihrem Mann überlegt, welche anderen Regelungen künftig getroffen werden können.

Unsere TV-Familie Vogel ist zwar frei erfunden, hat aber viel mit dem "normalen" Familienleben zu tun. Die Vogels begleiten die TV-Leser durch den Alltag, geben Tipps und vermitteln Einblicke.

Kommt Ihnen die Situation bekannt vor? Helfen die Kinder oder der Partner im Haushalt mit? Welche Regelungen haben Sie gefunden, dass die ganze Familie im Haushalt anpackt, oder gibt es in diesem Punkt immer Streit?

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