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Der Luftballon-Trick

Der Luftballon-Trick

Spielen oder arbeiten? Immer wieder eine Zerreißprobe für eine Mutter mit zwei kleinen Kindern. Doch für den Moment scheint die Gelegenheit günstig: Wenigstens einer der beiden Racker hält sein Mittagsschläfchen, den anderen kriege ich schon mit halber Kraft gebändigt, denke ich mir.

Was ich vorhabe, dauert ja auch nicht lange. Schnell mal den Rechner einschalten."Mama, spielen!", Ben scharwenzelt um den Schreibtisch herum und sucht Beschäftigung. "Gleich, Benedikt", versuche ich ihn zu vertrösten. "Schoß!", verlangt der Zweijährige nach einer besseren Position, um das Geschehen am Bildschirm mitverfolgen zu können. Die Angelegenheit dauert doch länger als gedacht. Der Kleine bekommt Stifte und Papier - doch nach ein paar Minuten wird es Ben zu bunt.Er steigt von seinem Hochsitz am Schreibtisch und macht sich davon. Vertieft in meine Arbeit nehme ich mit einem Ohr wahr, dass er sich an einer Küchenschublade zu schaffen macht. Dann steht er wieder neben mir und hält mir eine Tüte mit Luftballons entgegen. "Aufmachen!", lautet die knappe Aufforderung. Ich folge und denke, ist ja gut, dass er eine Beschäftigung gefunden hat. Ich habe mich gerade wieder Tastatur und Bildschirm zugewandt, da heißt es: "Aufblasen!". Ben hält mir den ersten Luftballon hin. Ich gehorche. Knoten drauf und weiter im Text. "Mama", ruft Ben ungeduldig und streckt mir den nächsten Luftballon entgegen. "Wieder aufpusten." Und so geht es weiter, bis ich alle Ballons aus der Tüte mit Luft gefüllt habe. Jetzt bin ich sicher, mich eine Weile ungestört dem Computer zuwenden zu können. Ben ist damit beschäftigt, so viele Ballons wie möglich aufzusammeln. Doch hat er einen fest im Griff, verliert er den zweiten wieder. Die Wut steigt in dem Knirps hoch. "Mama! Geht nich!!!", lauthals macht er seinem Ärger Luft. Er sieht mich an, und da hellt sich seine Miene schlagartig auf: Eine Idee! Ein Geistesblitz! Die Lösung!, scheint sein Blick zu sagen. "Du!", strahlt der zweijährige Knirps mich an, schnappt sich einen Ballon und drückt ihn mir in die Hand. Dann den nächsten und nächsten und nächsten bis ich Arme, Rumpf, Beine und Kinn im Einsatz habe, um möglichst viele Ballons am Körper festzuklemmen. Mein Kleiner aber hat erreicht, was er wollte: Mit einem raffinierten Spielzug hat er mir die Hände gebunden und mich am Schreibtisch schachmatt gesetzt. Man muss wissen, wann man verloren hat. Mit einem freien Zeh drücke ich den Ausknopf des Computers.