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Der Mann hinter dem Label

ZELTINGEN-RACHTIG/FLUSSBACH. Hinter den alten Mauern eines alten Winzerhauses in Zeltingen-Rachtig verbirgt sich das Plattenlabel "Prophecy". Der Flussbacher Martin Koller hat vor zehn Jahren als Abiturient sein Hobby zum Beruf gemacht und seine eigene Plattenfirma gegründet. ARRAY(0x29d636630)

"Mama, Papa, ich verkaufe mein Moped und noch ein paar andere Sachen. Ich bringe für eine Band eine Platte raus und brauche dafür Geld." An seine wohl überlegte Ansprache an seine Eltern kann sich Martin Koller heute - zehn Jahre später - noch gut erinnern. Doch anstatt die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen, haben Martins Eltern ganz gelassen reagiert. "Du wirst schon wissen, was du machst", sagten sie voller Vertrauen zu ihrem damals 19-jährigen Sohn. Umgerechnet 15 000 Euro hat der Abiturient damals aufgetrieben, um sich seinen großen Traum von der eigenen Platte zu erfüllen. "Ich war damals der festen Überzeugung, dass das meine erste und letzte Platte sein würde", erzählt der mittlerweile 29-Jährige. Und auch, dass er mit dieser Veröffentlichung jemals Geld verdienen, geschweige denn seine Investition auch nur ansatzweise herausbekommen sollte, damit hatte er nie gerechnet. Doch diese Platte - "A wintersunset" von Empyrium - sollte sein Leben verändern. "Hallo, ich würde gern eine CD von euch herausbringen." Ganz selbstbewusst verschwieg Martin den Musikern damals, dass er ein Neuling in der Branche war und sich als Abiturient wohl besser mit Wahrscheinlichkeitsrechnung als mit dem großem Musikgeschäft auskannte. "Ich bin ganz selbstsicher aufgetreten und habe gesagt, dass das Label Prophecy die Platte veröffentlichen möchte, und habe auch gleich Bedingungen gestellt", erinnert er sich. Und das entsprach auch der Wahrheit, denn den Labelnamen hatte Martin bereits, bevor es die Firma überhaupt gab. Sein Kinderzimmer in Flussbach mutierte zur Zentrale des Labels. Im Prinzip machte der Musik-Fan nur das weiter, was er schon vorher als Schüler mit großer Leidenschaft betrieben hatte - nur professioneller. "Ich war damals stark in der Underground-Musikszene. Drei, vier Jahre war ich Tapetrader und habe aufgenommene Kassetten mit Leuten in der ganzen Welt getauscht." Darunter war auch ein Demotape der Band Empyrium... Nach dem Abi am Wittlicher Cusanus-Gymnasium begann Koller, an der Uni Trier BWL zu studieren. Das Label ließ er nebenbei weiterlaufen. Oder war es das Studium, das nebenbei lief? Schnell war dem Musik-Fan klar, dass er sich entscheiden musste. Studium oder Label? Er entschied sich gegen die Uni und konzentrierte sich auf sein Label. Der Erfolg gibt ihm Recht. Im vergangenen Jahr hat Prophecy mehr als 100 000 CDs verkauft - etwa von "The Vision Bleak" oder "Klimt 1918". "Das war unser umsatzreichstes Jahr", sagt Koller. Die Musikrichtung seiner Firma ordnet er "irgendwo zwischen melancholischem Rock, Metal, Folk und Gothic" an. Was vor zehn Jahren im Kinderzimmer als Ein-Mann-Unternehmen begonnen hat, ist mittlerweile eine Firma mit zwei Festangestellten, einer Auszubildenden (Kauffrau für audiovisuelle Medien) und einem Praktikanten. Hinzu kommen "ein ganzer Haufen Freie", sagt der Label-Chef. "Viele glauben, in meinem Beruf würde man den ganzen Tag mit Künstlern rumhängen", berichtet Koller von einem gängigen Vorurteil. Die Realität sieht jedoch anders aus. "Die meiste Zeit sitze ich im Büro und kümmere mich um Verwaltungskram." Die Musik stehe - leider - oft im Hintergrund. Im Privatleben hat sich Martin seine Begeisterung für Musik bewahrt. Es müssen aber nicht immer Platten aus seinem eigenen Label sein. "Ich höre alles, was mich irgendwie berührt." Das könne auch mal Klassik sein.