Dezibel-Basteln ist der Kick

Dezibel-Basteln ist der Kick

BITBURG. (lyv) Der Lauteste zu sein, darum ging es am Wochenende in Bitburg. Die deutsche Meisterschaft im dB Drag Racing, der Wettkampf um den höchsten Schalldruck im Auto, fand im Karosseriebetrieb des Autohauses Tix auf dem ehemaligen amerikanischen Flugplatz statt.

"Ab geht die Party und die Party geht ab", dröhnt es aus den Lautsprechern in der Halle auf dem Flugplatz in Bitburg. Die Party geht wohlweislich abseits jeglicher Zivilisation ab. Hier stehen Kleinwagen mit Nummernschildern aus ganz Deutschland. Da darf Frau oder Mann die geschätzte Hifi-Anlage volle Pulle aufdrehen. Und das muss so sein, denn hier findet die Deutsche Meisterschaft im dB Drag Racing statt. Dabei wird die "komprimierte Luftmasse im Fahrzeug" gemessen. "Sport" nennen die Soundfreaks den Wettbewerb. "Es geht um laute Autos und das Know How", erklärt Detlef Hagel aus Bruchsal, der als Veranstalter mit seinem Team und komplizierten Messgeräten den Schalldruck bestimmt. Lauter als sieben Düsenjäger

Neulinge und Laien verstehen bei soviel Technik nur Bahnhof und kaum das eigene Wort. Die Lautstärke der Musikanlage hat es bereits in sich, ist aber nichts gegen das, was noch kommen wird. Denn hier treffen heute die Teilnehmer zusammen, die sich im Vorfeld bereits zur deutschen Meisterschaft qualifiziert haben. Nach Bitburg kam die Austragung der Meisterschaft, weil Thomas Ballin, der sich beruflich mit Hifi und sonstiger Technik am Fahrzeug beschäftigt, an einer Ausschreibung teilnahm. Er selbst hat zwei Autos im Rennen. Ein Dezibel unter dem Weltmeister liege er mit der Anlage in seinem Seat Marbella, verkündet er stolz. Drei Klassifizierungen gibt es beim Wettbewerb: Autos der Streetklasse, Superstreetklasse und Extremklasse, von denen die ersten beiden noch straßentauglich sind. Sound-Anbeter im Alter von 18 Jahren bis Mitte 30 scharen sich um den ersten Teilnehmer. Dieser kommt aus Landscheid und lässt den Schallpegel seines Ministreetklassen-Gefährts messen. An der Frontscheibe wird ein Drucksensor angebracht, eine vorgeschriebene CD mit einem sonoren Brummton eingelegt, die Türen des Wagens geschlossen und innerhalb von 30 Sekunden muss Jens Frohner nun seine Anlage mittels Fernbedienung auf das Höchste provozieren. Mit vibrierender Karosserie schafft er 143,7 Dezibel und liegt damit im Mittelfeld. Die Streetklassen-Fahrzeuge legen noch eins drauf und sind mit 150 bis 153 Dezibel bestens im Rennen. Vorsichtshalber werden schon mal die Scheiben festgehalten oder man legt sich aufs Dach des Fahrzeugs, damit dieses durch die Vibration nicht noch abhebt. Der Bitburger Thomas Ballin bringt es auf 153,3 Dezibel und hat "noch nicht alles aus seiner Anlage herausgeholt", wie er sagt. Stolz ist der Hifi-Verkäufer, dass er sieben Düsenjäger übertreffen kann. Ab 140 Dezibel darf niemand im Auto sitzen, "das ist absolut gesundheitsschädlich", sagt Hagel. Ebenso weiß er, dass es junge Leute gibt, die mit voll aufgedrehter Musikanlage durch die Straßen fahren und damit Mitmenschen verärgern. "Proleten", nennt Ballin diese Typen. "Das ist mit ein Grund, warum wir diese Veranstaltungen machen. Hier können sich die Leute auslassen", sagt Hagel. Wohl bekannt ist den meisten, dass laut Straßenverkehrsordnung unzulässiger Lärm verboten ist (siehe Hintergrund) und es zu den Pflichten eines Fahrers gehört, dafür zu sorgen, dass er Sondersignale von Einsatzfahrzeugen hören kann. "Wir mögen laute Musik", sagen Hagen Hunz und Mareike Loeffen aus Daun, die ihren VW Polo nach Bitburg brachten. Sich mit den anderen messen zu können und immer wieder ein paar Dezibel dazu zu basteln, ist für beide der Kick. Mareike und Uschi Ballin sind die einzigen Frauen beim dB Drag Racing in Bitburg. Einen Seat Marbella Baujahr 1992 haben sie sich selbst hergerichtet und so abgedichtet, dass kein Dezibel mehr verloren werden kann. Die Innenverkleidung aus Holz ist zusätzlich mit 40 Dosen Bauschaum gedämmt. Die Soundverrückten müssen für ihr Hobby einige Scheine hinblättern, im Durchschnitt fünf bis sechs tausend Euro.