Die Mosel-Kosaken

Die Mosel-Kosaken

TRIER. Russisch singende Moselaner: Im Februar 2004 haben sich 13 musikalische Pioniere zur Gründungsversammlung des "Serge-Jaroff-Chores" eingefunden. Inzwischen ist aus dem ungewöhnlichen Projekt ein außergewöhnlicher Chor geworden.

Andreas Kipping ist ein Dirigent mit Leib und Seele. Er wollte schon seit langem Serge Jaroffs Werke aufführen, die 50 Jahre lang ein Welterfolg waren. Doch waren ihm die "normalen" Gesangvereine nicht ausreichend besetzt. So kam ihm der Gedanke, einen Chor zu gründen, der stimmlich die Grundvoraussetzungen mitbrachte. Hierbei war es besonders wichtig, die Eckstimmen mit "Falsett", einer außergewöhnlich hohen Männerstimme, und dem "Basso profundo", dem "abgrundtiefen" Bass zu besetzen. Nur so war es möglich, die Voraussetzungen für Jaroffs Arrangements zu schaffen. Nach einem Provisorium an Uniform und sechs erfolgreichen Anfangsmonaten entdeckte Andreas Kipping einen russischen Sänger in der Trierer Fußgängerzone. Er trug genau die Uniform, die der neue Verein tragen sollte. Der ukrainische Sänger war begeistert von der Idee Kippings. Er bot an, die Uniform samt Stiefel zu besorgen. Heute hat jeder Sänger eine maßgeschneiderte, originale Kosakenuniform, gefertigt von der Opernschneiderei Woronjesz, samt der mitgelieferten Konzertstiefel.Auftritt mit einem Ural-Kosaken-Chor

Der Oktober 2004 wurde zum ersten Höhepunkt, als der Chor einen Auftritt zusammen mit dem Ural-Kosaken-Chor in Pluwig bestreiten konnte. Der erste offizielle Konzertauftritt konnte als voller Erfolg gewertet werden. Fünf Beiträge bestritt der Serge-Jaroff-Chor allein und zwei zusammen mit den veranstaltenden Ural-Kosaken. Mit diesem Chor schlossen die Moselaner sodann eine immer noch bestehende Freundschaft. Ein gemeinsames Konzert ist für 2007 bereits in Planung und wurde seitens der Ural-Kosaken angeregt. Eine weitere Freundschaft eröffnete der erste Tenor des Chores, Franz Rommelfanger. In der Fußgängerzone von Rostock stieß er auf einen Kosakenchor. Zunächst nur als Zuhörer gesellte er sich später zu den Sängern und brachte seine russischen Liedkenntnisse in deren Gesang ein. Oberste Priorität im Vereinsleben haben die Konzerte. Auf Sängerfesten wird man den Chor nicht erleben. "Wenn wir dem nachgingen, wären wir jedes Wochenende unterwegs," sagt der Dirigent. "Wir beschränken uns lieber auf qualitativ hochwertige Konzerte anstatt mit drei Liedern in einem akustisch ungünstigen Zelt aufzutreten." Mit Arroganz hat das nichts zu tun. Der Gesang des Chores ist etwas Besonderes, und dazu bedarf es auch eines entsprechenden Rahmens, absoluter Ruhe und einer guten Akustik. Zwei Konzerte hat der Chor in diesem Jahr schon gegeben. Im November tritt er beim Chorfestival in Oberemmel auf. Am 25. November findet im "Haus Gillenbach" der alljährliche russische Abend statt, der Serge-Jaroff-Chor wird nicht fehlen. Mittlerweile besteht die sechsstimmige Formation aus 16 Laiensängern, die ebenso mit Leib und Seele dabei sind wie ihr ständig mitsingender Dirigent. Schließlich deckt Kipping mit seiner Stimme alle Lagen ab, mit Ausnahme des "Basso profundo". Gesucht werden interessierte Sänger, die sich gerne dem russischen Liedgut widmen würden. Gerade im zweiten Tenor, im Bariton (Bass eins) und Basso profundo wünscht sich die wachsende Gemeinschaft noch dauerhafte Unterstützung. Erforderlich sind gute Laune, Teamgeist, eine gute Stimme sowie hohe Zuverlässigkeit. Russische Sprachkenntnisse sind nicht erforderlich. "Ich schreibe das Kyrillische in eine eigene Lautschrift um, sodass es jeder problemlos wiedergeben kann", sagt Andreas Kipping. Die Technik wird durch eine abwechslungsreiche Stimmbildung erlernt. Den Moselanern ist es gelungen, die originalen Arrangements als Erbe des "Original Don Kosaken Serge Jaroff" wiederzubeleben und die Werke mit dem ungewöhnlichen Tonumfang ohne Abstriche an der Qualität zu singen.