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Die neue Dimension des Krieges

Die neue Dimension des Krieges

Trier war nicht nur Aufmarschgebiet für die deutschen Truppen beim Ersten Weltkrieg. Es war auch Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Der Trierer Heimatforscher Adolf Welter hat sich eingehend mit den Luftangriffen beschäftigt.

Trier. Am 3. August 1914 erklärt Deutschland dem Nachbarn Frankreich den Krieg. Nur sechs Tage später erfolgt dann der erste Luftangriff der Franzosen auf eine deutsche Stadt: Das französische Luftschiff Fleurus soll eigentlich einen Angriff auf den Trierer Bahnhof fliegen, die von Hand abgeworfenen Granaten landen auf den Bahnanlagen im Konzer Stadtteil Karthaus.
Es ist der Beginn eines bis dahin nicht dagewesenen Luftkrieges, dessen Ziel vor allem Trier war. Der Trierer Heimatforscher Adolf Welter hat sich akribisch mit den Luftangriffen während des Ersten Weltkrieges beschäftigt und darüber bereits vor 13 Jahren ein Buch geschrieben. Minutiös listet der 79-jährige Hobbyhistoriker nicht nur die Angriffe sondern auch die Opfer auf. Deutlich wird, dass durch den Einsatz von Luftschiffen und Flugzeugen der Krieg eine neue Dimension erreicht hat. Gegen Ende des Krieges seien sogar zum Teil 1000-Kilo-Bomben abgeworfen worden, sagt Welter.
Trier hat zu diesem Zeitpunkt nicht nur als Garnisonsstadt strategische Bedeutung. Auf dem Flugplatz im Stadtteil Euren haben die Deutschen bereits im Mai 1914 ein Luftschiff stationiert. Dieses greift - wie Welter recherchiert hat - am 21. August 1914 erstmals in den Krieg ein. Es wird dann aber über den Vogesen von den eigenen Truppen abgeschossen, wie der Heimatforscher herausgefunden hat. Bereits einen Monat später, am 26. September 1914, wird das zweite Luftschiff auf dem Eurener Flugplatz stationiert.
In und um Trier wird der Krieg damit schon relativ früh erlebbar. Drei Wochen nachdem die ersten von Trier aus verlegten Truppen in Frankreich und Belgien einmarschiert sind, kommt der erste Transport mit französischen und belgischen Kriegsgefangenen an. Nach den Forschungen von Welter werden die Gefangenen in die Kasernen in Trier-West gebracht.
In den folgenden Jahren sind die Stadt und das Umland dann immer wieder Ziel von Bombenangriffen. 145-mal habe es Luftalarme gegeben, 22-mal sei es tatsächlich zu Luftangriffen auf Trier gekommen, sagt Welter. 347 Bomben sind nach den Forschungen des Hobbyhistorikers bis 1918 auf Trier und das Umland gefallen, 30 Menschen sterben durch die Angriffe. In seinem Buch "Die Luftangriffe auf Trier im Ersten Weltkrieg" hat Welter die Namen, die er anhand von Sterbeurkunden oder Todesanzeigen herausgefunden hat, aufgelistet.
Nicht nur Trier ist Ziel der Bombenabwürfe, auch Kyllburg, Ehrang, Föhren, Wittlich, Konz und Salmrohr werden anvisiert. Einer der folgenschwersten Luftangriffe durch die Franzosen auf Trier erfolgt am 13. September 1915. Von der Saar aus kommend fliegen 19 Flugzeuge Richtung Trier und werfen 97 Granaten ab, vier Menschen sterben, sieben werden verletzt. Die Franzosen sehen in dem Angriff die Vergeltung für das Bombardement auf das französische Lunéville. Welter hat nach jahrelanger Recherche herausgefunden, was es mit diesem Bombardement auf sich hat. Die Stadt in Lothringen, in der Nähe von Nancy, ist am 1. September 1915 von einer deutschen Fliegerbombe zerstört worden, 48 Menschen sind gestorben.Immer wieder Luftangriffe


Immer wieder ist die französische Garnisonsstadt Ziel von deutschen Luftangriffen, zum Teil auch von dem Luftschiff, das in Trier stationiert ist.
Im Juni 1916 fallen bei einem Angriff 18 französische Bomben auf Trier, "zur Vergeltung der Bombenabwürfe auf Bar-le-Duc", wie auf einem bei dem Angriff abgeworfenen Flugblatt zu lesen ist. Das Flugblatt gehört zu Welters umfangreicher Sammlung von Dokumenten und Fotos, die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges in und um Trier belegen. Sie zeigen auch, wie groß zum Teil die Zerstörung gewesen ist. Auf einem Foto ist zu sehen, wie das Dach der Liebfrauenkirche nach einem Angriff im Juni 1917 zertrümmert worden ist. Sechs Bomben zerstören an diesem Tag auch Teile des Trierer Mutterhauses. Die Zerstörung durch die Bomben sei durchaus mit der im Zweiten Weltkrieg zu vergleichen gewesen, sagt Welter.
Mehr zum Ersten Weltkrieg:
volksfreund.de/weltkriegExtra

 Der Trierer Heimatforscher Adolf Welter. TV-Foto: Roland Morgen
Der Trierer Heimatforscher Adolf Welter. TV-Foto: Roland Morgen

Y wie Ypern: Am 22. April 1915 setzten die Deutschen Giftgas erstmals großflächig gegen französische Stellungen nahe der belgischen Stadt Ypern ein. Das Chlorgas aus über 5000 Stahlflaschen verätzte die Atemwege der Gegner. Fast 1200 alliierte Soldaten kamen ums Leben. Die Überlebenden hatten oft mit lebenslangen Folgeschäden zu kämpfen. Z wie Zimmermann-Depesche: Am 16. Januar 1917 sandte der deutsche Staatssekretär Arthur Zimmermann dem Botschafter in Washington ein verschlüsseltes Telegramm mit Vorschlägen für ein deutsch-mexikanisches Bündnis zulasten der USA. Das Telegramm wurde von den Briten entschlüsselt. Am 6. April erklärten die USA dem deutschen Kaiserreich den Krieg. dpa