Eifeler Heimatfront unter der Lupe

Eifeler Heimatfront unter der Lupe

Mit einem über 300 Seiten starken Buch hat der Arbeitskreis Geschichte der Gemeinde Dahlem den Alltag in Dahlem und Stadtkyll während des Ersten Weltkriegs durchleuchtet.

Stadtkyll/Dahlem-Schmidtheim. Es ist die elfte Veröffentlichung des Arbeitskreises Kultur und Geschichte der Gemeinde Dahlem und mit 308 Seiten auch kein kleines Werk. "Wir haben uns anlässlich des Jahrestages des Beginns des Ersten Weltkrieges die Frage gestellt, wie es denn an der Heimatfront in der Eifel zuging", erläuterte Bodo Bölkow, Leiter des Arbeitskreises bei der Vorstellung des Bandes. Dabei sind Ergebnisse zu Tage gefördert worden, die auch die historisch nicht unbeleckten Heimatforscher überraschten.
Da keine Zeitzeugen mehr am Leben sind, waren die Mitglieder auf das Studium von Quellen angewiesen. Schul- und Kirchenchroniken, Gemeinderatsprotokolle, aber auch ein Tagebuch gaben Auskunft darüber, wie der Alltag an der Heimatfront tatsächlich aussah. "Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt", sagte Erwin Peetz. Allein, wie der Kaiser in den Himmel gehoben worden war, sei heute kaum noch nachvollziehbar. "So habe ich das in meinem Geschichtsunterricht nicht gehört", sagte auch Bruno Manderfeld, der sich die Schulchronik aus Berk vorgenommen hatte.
"Allein mit diesen Informationen hätte ich das Buch füllen können", sagte er über die Aufzeichnungen des Berker Dorfschullehrers Andreas Freyaldenhoven. Dieser hatte praktisch jeden Tag gewissenhaft Buch über die Ereignisse im Dorf geführt und dabei auch die Probleme mit Einquartierungen und Hamsterern beschrieben. Über lange Zeit war in der Eifel der Geschützdonner von der Front zu vernehmen.
Besondere Probleme bereitete die damals noch junge Bahnstrecke Jünkerath - Weywertz, die eine der zentralen Truppentransportrouten war. "Ganz Frauenkron musste laufen und Spenden bringen, wenn ein Zug mit Soldaten im Bahnhof Kronenburg stand", berichtete Ute Schröder. Faszinierend sind auch die Berichte vom Durchmarsch der deutschen Truppen nach dem Waffenstillstand. Über mehrere Tage gab es in Dahlem Pferdeauktionen, bei denen die Tiere praktisch verramscht wurden.
Die Versorgung wurde in den letzten Kriegsjahren immer mehr zum zentralen Problem in der Eifel. Während die Soldaten in die Speisekammern einbrachen, fehlte es den Einheimischen oft am Nötigsten, da auch auf den Feldern die Arbeitskräfte fehlten. "Die Bevölkerung hat aus der Ferne die Niederlage der deutschen Armee gar nicht richtig wahrgenommen, so dass die Dolchstoßlegende von Hindenburg auf fruchtbaren Boden fiel", erläutert Bölkow.
Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg hatte behauptet, die Armee sei "im Felde unbesiegt gewesen", aber durch fehlende Unterstützung aus der Heimat wie mit einem in den Rücken gestoßenen Dolch erledigt worden. "Das war eine der Grundlagen des Zweiten Weltkrieges", sagt Bölkow.
Auch die Ereignisse in Stadtkyll sind von dem leider verstorbenen Arbeitskreismitglied Alfons Keppel minutiös untersucht worden. Er bezieht sich vor allem auf Berichte seines Vaters. Von ihm sind einige Geschichten überliefert, wie es den Stadtkyllern gelang, die vielfältigen Beeinträchtigungen des täglichen Lebens zu umgehen und die allgegenwärtige Polizei auszutricksen.
Auch in diesem Jahr streckt die Gemeinde Dahlem die Druckkosten vor, die durch den Verkauf wieder eingenommen werden sollen. 400 Exemplare sind gedruckt worden.
"Granaten und Brotkarten" - Front und Heimat im Großen Kireg 1914 - 18, Heft 11 der Schriftenreihe des Arbeitskreises Kultur und Geschichte der Gemeinde Dahlem, 308 Seiten, 12 Euro.