Ein Urlaub wie im Bilderbuch

Ein Urlaub wie im Bilderbuch

HORATH. Wo ist in der Region Trier Familienurlaub mit behinderten Kindern möglich? Der Trierische Volksfreund hat hinter die Kulissen des Familien-Hotels "Hochwald" in Horath am Erbeskopf (Kreis Bernkastel-Wittlich) geblickt. Dort verbringt die Selbsthilfegruppe "Regenbogen" aus Hessen seit fünf Jahren eine Familien-Freizeit.

Anton empfängt den Besucher an diesem frühen Morgen im Foyer des Familien-Hotels "Hochwald" mit einem Rascheln. Hier in der Ecke steht sein kleiner Laufstall, in dem er sich schon ganz früh am Morgen mit seinen "Lärminstrumenten" beschäftigt, nachdem er, wie uns seine Betreuerin Jennifer später erklärt, die ganze Nacht über kein Auge zugemacht hat. Mutter und Vater sind beim Frühstück. Kurz nach 9 Uhr bringen sie ihn in den noch vom Vortag ausgestatteten Betreuungsraum. Hier trifft er sich mit den anderen sechs "Rollis". Jennifer, seine Freundin von gestern, empfängt er mit einem Lächeln. Zeit für die Kinder, Erholung für die Eltern

Mutter und Vater verabschieden sich. Jennifer weiß, was Anton an diesem Morgen vor allem mag: "Für ihn da sein, ihm seine Rassel reichen, seine Körpersprache deuten können, denn anders kann er sich nicht äußern." Er bemerkt deshalb auch kaum Nils, der seitlich neben ihm auf der Matratze liegt. "Er mag es, gestreichelt zu werden. Zwischendurch kann ich ihm auch ein paar Zeilen aus seinem Bilderbuch vorlesen", sagt Nassi, die sich liebevoll um ihn kümmert. Als dann Christof kommt, alle einzeln begrüßt, vor allem den für ihn ganz neuen Besucher vom Trierischen Volksfreund, und fragt "Was machst du denn hier, wie geht es dir?", schauen auch Nils und Anton auf. Die so von den Betreuerinnen an diesem Morgen entlasteten Mütter und Geschwister treffen sich im Raum nebenan. "Ab 9.30 Uhr Schmuck basteln mit Karen im Bastelraum", steht im Tagesprogramm. "In unseren Regenbogen-Farben wollen wir kleine Schmuckkettchen als Überraschung für den Abschlussabend basteln", erklärt Mutter Karen. Sie hat heute die Führungsrolle übernommen. Die Väter waren nach dem Ausflug gestern in den Weinberg und der anschließenden Weinprobe für so was nicht zu haben. Nachmittags wollen sie aber wieder gemeinsam "den Rest des vorigen Abends", wie einer meint, beim Mountain-Biking im Hochwald hinter sich lassen. Birgit und Norbert Arens, die Eltern von Christof, gründeten 1997 aus dem Spielkreis der Frühförderstelle der Lebenshilfe im hessischen Niddatal unter dem Motto "Gemeinsam geht vieles leichter" die Familiengruppe Regenbogen. Jährlicher Höhepunkt der gemeinsamen Aktivitäten ist die Familien-Freizeit. "Wir kommen jetzt seit sechs Jahren in das Familien-Hotel und haben bereits für 2007 gebucht", sagt Birgit Arens. "Unserer Gruppe gehören 30 Familien mit Kindern im Alter bis 14 Jahre mit Behinderungen und Entwicklungsauffälligkeiten an, so vielfältig und unterschiedlich wie die Farben des Regenbogens. Für sie finden wir hier ideale Voraussetzungen", begründet sie die Auswahl. Holger Speh ist in der Gruppe für die Organisation der Ferienfreizeit zuständig. Neben dem Programm ist für ihn jährlich die Suche nach Betreuung für die behinderten Kinder das größte Problem. "So wie Jennifer, die im letzten Jahr schon mit hier war, sind viele in Ausbildung zur Erzieherin und nutzen unsere Angebote für ihre Weiterbildung. Sie hat in diesem Jahr ihre Freundin Nassi mitgebracht." Die Familienfreizeit 2006 endet nach dem Frühstück des fünften Tages. Einige Familien verlängern bis zum Wochenende, dem Ferienende in Hessen. Gastgeber Gereon Haumann freut natürlich das überschwängliche Lob auch in diesem Jahr. "Familienfreizeit ohne Barrieren", der Slogan des Familienhotels hat sich wieder einmal bestätigt. Der Geschäftsführer hofft, dass der Familiengruppe Regenbogen im kommenden Jahr zusätzlich das Gesundheits- und Erholungszentrum zur Verfügung steht, das derzeit gebaut wird. Investitionssumme: fünf Millionen Euro.

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