Eine einmalige Gelegenheit

Eine einmalige Gelegenheit

Der Monarch war entzückt. Um nicht zu sagen: Er war begeistert, wahrhaftig Feuer und Flamme, als er das Gebäude geschenkt bekam. Die Konstantin-Basilika, oder besser gesagt das, was von ihr übrig geblieben war.

Viel war das allerdings nicht. Der riesige römische Thronsaal war zu einem schmalen Schlossflügel umgebaut worden. Doch egal, in was für einem erbärmlichen Zustand sich das Bauwerk befand, König Friedrich Wilhelm IV. begriff dieses Geschenk als eine einmalige Chance. Aus den Resten des alten römischen Thronsaals wollte er eine evangelische Kirche bauen. Denn nirgendwo sonst gibt es das: Eine evangelische Kirche in einem so wichtigen Gebäude aus der Römerzeit! Damit konnte und wollte der Preußenkönig symbolisch sichtbar machen: Die Evangelische Kirche ist keineswegs eine Erfindung des ausgehenden Mittelalters. Nein, sie ist in gleicher Weise ursprünglich wie die katholische Konfession. Und sie knüpft in gleicher Weise an die Tradition der urchristlichen Kirche an. Völlig klar: Der Preußenkönig beschloss, die Basilika in ihrer ursprünglichen römischen Größe wieder aufzubauen. Aber nur als Kirche! Sichtbar wurde diese Motivation zum Beispiel durch Bibelzitate, die der Monarch höchstpersönlich auswählte - und die einst die Basilika schmückten. Jesus sagt: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." (Matthäus 11,28) - Das stand zum Beispiel an der Wand hinter dem Altar. Für mich machen diese Worte deutlich, was Kirche ist: Ein Ort, an dem ich zur Ruhe komme, wo ich loslassen und abgeben kann, was mir auf dem Herzen und auf der Seele lastet. Seit genau 150 Jahren ist auch die Trierer Konstantin-Basilika so ein Ort - als Evangelische Kirche zum Erlöser. Dieses Jubiläum feiern wir ab Sonntag. Natürlich beginnen wir mit einem Festgottesdienst. Herzlich willkommen! Pfarrer Guido Hepke, Evangelische Kirchengemeinde Trier

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