Eleganz mit 90 Grad

Eleganz mit 90 Grad

TRIER. Salka Schwarz, Berliner Repräsentationstrainerin für moderne Umgangsformen und TV-Kolumnistin (siehe Kasten und Interview), hat in Trier das dreitägige Seminar "Fit für die Zukunft" gehalten. Bestandteile waren unter anderem ein Bewerbertraining und ein Rhetorikkurs.

Es ist ein ungewöhnlicher Anblick: 16- und 17-Jährige, die dezent in Blazer oder Kleid gekleidet an stilvoll eingedeckten Esstischen sitzen. Kerzengerade halten sich die meisten, im richtigen Abstand zur Rückenlehne - keine überschlagenen Beine, kein Gelümmel auf dem Tisch. "Das sieht doch schön aus", lobt Salka Schwarz und rückt hier und da einen Rücken zurecht. "Morgen haben wir alle einen Muskelkater", kommentiert hingegen eine Elftklässlerin die "ungewohnte 90-Grad-Haltung". Insgesamt 87 Schülerinnen des Maria-Ward-Gymnasiums Aschaffenburg weilen zu einem dreitägigen Seminar zu Besuch in der Katholischen Akademie. "Der Druck und die Anspruchshaltung aus der Wirtschaft werden immer größer", erklärt Klassenlehrerin Sieglinde Bauer die Intention zu dem Seminar. Das heißt treffenderweise "Fit für die Zukunft" und biete eine "Schlüsselqualifikation", wie Katharina Zey-Wortmann von der Katholischen Akademie erläutert. Das Angebot kommt bei den Jugendlichen - daran lassen sie keinen Zweifel - sehr gut an. "Ein Training, das wichtig für unseren Lebensweg ist", resümiert eine Jugendliche in ihrer Ansprache. Etikette beim Essen, das Wissen über den "Dresscode", Begrüßungs- und Vorstellungsriten gehören zum Programm. Und die Erkenntnis, dass bei der Bewerbung die ersten Sekunden den persönlichen Eindruck via Körpersprache, Distanzverhalten, Kleidung und Geruch ausmachen - der Inhalt des Gesagten ist dafür zunächst Nebensache. "Es geht darum zu vermitteln, dass gutes Benehmen heute nicht mehr steife Anstandsregeln sind. Man soll ein der Situation angepasstes Verhalten und angemessene Kleidung haben, passend zur eigenen Rolle", findet Salka Schwarz und spricht von einer verstärkten Nachfrage nach Benimm-Kursen. Dass manche jungen Damen beim Festessen in schwülen 34 Grad schulterfrei und ohne Strumpfhosen nicht ganz nach Etikette gekleidet sind, findet sie entschuldbar. Anders als bei Tischmanieren: Da seien keine Ausnahmen erlaubt.