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Endlich Familie sein

Endlich Familie sein

TRIER. Die Integrative Familienhilfe (IF) Trier gGmbH, eine von der cts und dem Caritasverband für die Region Trier neu gegründete Gesellschaft, unterstützt Familien, die es alleine nicht mehr schaffen. Die ganze Familie geht ins IF-"Heim", um von Fachkräften auf ihrem Weg in ein neues Familienleben begleitet zu werden.

Vor einem halben Jahr war der Lebensalltag von Andrea Müller (Name geändert) grau: Trennung vom Partner, totale Überforderung mit den fünf Kindern. "Ich war zu sehr mit meinen eigenen Problemen beschäftigt", erzählt die allein Erziehende den zahlreichen Gästen, die zur Einweihung des Hauses der Integrativen Familienhilfe gekommen waren. Für ihre Kinder habe sie nicht mehr sorgen können. Die Jungen und Mädchen wurden "fremd untergebracht". Eine Mitarbeiterin des Jugendamtes Trier empfahl der überforderten Mutter die IF. Andrea Müller nahm die Hilfe an: Mit drei ihrer Kinder zog sie als eine der ersten Familien für eine Woche ins Haus der IF. Gemeinsam mit anderen Familien hat sie dort gewohnt und von dort aus, mit Hilfe von pädagogischen Fachkräften, ihren Alltag gestaltet. "Wir haben viel gelacht und wir haben viel geweint", sagt die junge Mutter rückblickend. "Immer hatte jemand ein offenes Ohr für meine Probleme." Nach der stationären Zeit folgten fünf Wochen in denen, parallel in teilstationärer und ambulanter Form gearbeitet wurde. An zwei Tagen kam Andrea Müller mit ihren Kindern in die Familiengruppe. "So ist sicher gestellt, dass die begonnen Änderungen erprobt und weiter bearbeitet werden", erklärte Janine Schöppen-Künzl, Leiterin der IF, den Gästen. Hilfsangebot ist zeitlich begrenzt

Das Hilfsangebot ist zeitlich begrenzt. Nach einem halben Jahr sagt Andrea Müller: "Ich lebe wieder mit meinen fünf Kindern zusammen, und es läuft gut. Ich konnte einige private Probleme lösen." Und sie sagt: "Ich danke Frau Thömmes vom Jugendamt, dass sie mich auf IF aufmerksam gemacht hat." Zur Zeit leben vier Familien, die in ähnlichen Lebenslagen sind, und 16 Kinder im Haus der IF, das nach einer halbjährigen "Testphase" jetzt eingeweiht wurde. Die Integrative Familienhilfe ist eine neue Form der Hilfe zur Erziehung. Menschen, die am Rande stehen, werden wieder in die Mitte geholt. Vorbild der IF in Trier ist die cts Jugendhilfeeinrichtung Margaretenstift in Saarbrücken, deren Leiter Erhard Zimmer ist. Auf der Basis der dortigen positiven Bilanz hat die cts gemeinsam mit dem Caritasverband für die Region Trier (RCV) eine neue Gesellschaft mit dem Namen Integrative Familienhilfe Trier gGmbH gegründet. Die Geschäftsführer sind Erhard Zimmer für die cts und Margit Lutz für den RCV Trier. Erhard Zimmer war es auch, der, gemeinsam mit seinem Saarbrücker Team, Anfang der 90er Jahre das IF-Konzept entwickelte. Von 1995 bis 1998 wurde es als Bundesmodellprojekt realisiert. "Mit dem neuen Angebot in Trier kann eine Vakanz gefüllt werden zwischen der ambulanten Hilfe und den stationären Angeboten", sagte Zimmer. Und: "Die Familien die hierher kommen, bleiben Akteure ihrer eigenen Lebensgeschichte", so der Diplom-Pädagoge. "Es gibt doch einiges was in den Familien, die Hilfe brauchen, funktioniert, und die Frage ist doch, wie wir das Gute größer machen können." "Eine wunderbare Initiative", sagte Oberbürgermeister Helmut Schröer. "Die Probleme, die sie hier bewältigen, sind auch die Probleme der Stadt. Eine Stadt ist erst eine lebenswerte Stadt, wenn sie sich auch derer annimmt, die Hilfe brauchen." Auch Kreisbeigeordneter Arnold Schmitt lobte in seinem Grußwort den ganzheitlichen Ansatz, der unter anderem die stationäre Unterbringung von Kindern zu vermeiden sucht. Margit Lutz betonte, dass die IF eine sinnvolle Ergänzung eines bereits bestehenden Angebots sei. "Im letzten halben Jahr hat sich IF in der Landschaft der Hilfen zur Erziehung etabliert", so Lutz. Die neue Form der Familienhilfe wird über das Jugendamt der Stadt Trier oder über das Jugendamt des Kreises Trier-Saarburg seitens der Familie beantragt. Neben weiteren Grußworten segnete Pfarrer Aloys Hülskamp die neuen Räumlichkeiten ein. Auf einem Luftballon in Herzform, den ein kleiner Junge fest in seinen Händen hielt, ließ der Pfarrer Wünsche für die Zukunft der Menschen, die ins IF-Haus kommen, aufschreiben. Zu lesen waren Vertrauen, Freunde, Gesundheit, ein gutes Miteinander...