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Engel, Sekt und Leseratten

Engel, Sekt und Leseratten

WITTLICH. Zehn Jahre in der Schlossstraße: Die Stadtbücherei feierte ihr Jubiläum mit einer Vernissage, Musik, Sekt - und mit dem "Kleinen Hobbit" für die Jüngsten.

Eigentlichwar es in einem kleineren Rahmen geplant, das Geburtstagsfest derStadtbücherei. Doch dann erschienen die Besucher nicht nur zurVernissage am Morgen und zum "Kleinen Hobbit" am Nachmittag. "Eswar den ganzen Tag ein reges Kommen und Gehen", fassteBücherei-Leiterin Elke Scheid nach getaner Arbeit zusammen. EinSektglas in der Hand, den Jüngsten im Schlepptau, so ließen sichgeruhsam die Bestände der Regale ergründen. Während ihre Kindereine Etage höher den Abenteuern der Hobbits, Zwerge und Zaubererlauschten, genoss auch Birgit Klas die Stille, schrieb sichRezepte ab und stöberte in einer Gartenzeitschrift. SogarNeuanmeldungen nahm Annette Münzel an diesem besonderen Tagentgegen. Die Künstlerin Mel Koschel hatte ihre Ausstellung"Engel?" eröffnet. Experimentelle elektronische Musikpräsentierten dazu "Dustin", eine zweiköpfige Formation mitSchlagzeug und Keyboard. Statt des erkrankten Bürgermeistershielt Albert Klein eine Geburtstagsansprache. Die nackten Zahlen der vergangenen Dekade schinden Eindruck:

2 600 000 Ausleihen, eine Million Besucher, 12 000 Neuanmeldungen, 400 Schulklassen zum Bibliotheksunterricht, ein Teppichboden verschlissen, 30 Kilometer Filmolux verklebt, Lesungen, Kabarett, Kindertheater, Ausstellungen... Als einzige öffentliche Bücherei in Deutschland hat Wittlich eine wissenschaftliche Spezialbibliothek (Emil-Frank-Institut nebenan) als Zweigstelle bekommen, 2000 war sie die beste, 2001 und 2002 die zweitbeste Bibliothek der Nation.

Bereits 1996 schaffte es das kleine Eifelstädtchen, den Benutzern ebenso viele CD-ROMs zu bieten wie die Stadtbibliothek Köln, immerhin altehrwürdige Universitätsstadt. Und es gibt immer etwas Neues: Jetzt haben Annette Münzel und Anke Freudenreich ein Konzept zum altersgerechten Erklären einer Bücherei ausgearbeitet.

Der Trierische Volksfreund hatte sich am Festtag mit Luftballons und Aufklebern von Lucky, der Leseratte, beteiligt, die die Kleinsten mit nach Hause nehmen durften. Ab sofort sitzt auch die leibhaftige Lucky als Schmusetier in der Schmökerecke und schaut den Kindern beim Lesen neugierig über die Schulter.