"Er hört überhaupt nicht!"

"Er hört überhaupt nicht!"

TRIER. Der Trotzanfall im Supermarkt oder die pubertierende Tochter, die nach Hause kommt, wann sie will, können Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs treiben. Expertinnen gaben Erziehungstipps zum Thema "Grenzen setzen".

Die Leitlinie ist: "Liebevoll und zugewandt, aber entschieden dort, wo es gilt, festzulegen, was geht und was nicht geht." In ihrem Beratungsalltag stellen die Expertinnen häufig fest, dass Eltern manchmal Angst vor den heftigen Reaktionen ihrer Kinder haben, wenn sie Grenzen setzen. Auch fürchten viele Eltern, die Liebe ihrer Kinder zu verlieren. Oder sie verwechseln Grenzen setzen mit einer autoritären Erziehungshaltung. "Kinder brauchen aber Eltern, die ihrem Nachwuchs vermitteln: ,Mein Papa, meine Mama wirft nichts um, auch ich nicht'", sagt Anita Brosch-Metzdorf, Psychologin der Lebensberatung Wittlich. Klar ist: Kinder brauchen Regeln, damit sie sich in einer unübersichtlichen Welt zurechtfinden können. Doch wie können Eltern dem Trotzanfall oder der "Elterntaubheit" begegnen? "Eltern brauchen beim Grenzensetzen ein großes Einfühlungsvermögen, große Standfestigkeit und Klarheit", sagt Anita Brosch-Metzdorf. Sie sollten sich vor der Ernstsituation Gedanken machen, welche Grenze Sinn macht und welche Konsequenz das Überschreiten der Regel nach sich zieht. Wichtig: "Dies muss dem Kind ganz klar vermittelt werden", so Andrea Bauer-Fisseni, Psychotherapeutin der Lebensberatung Hermeskeil. Allerdings ohne demütigende Äußerungen dem Kind gegenüber. Eltern sollten auch ihr eigenes Verhalten überprüfen. Welches Vorbild sind sie? Sind sie verlässlich und präsent, wenn ihr Kind anfragt oder steht es häufig in einer Endlos-Warteschleife. Allmachtsgefühle regulieren

Reagieren Eltern wankelmütig auf vorher abgesprochene Regeln, bringen sie ihren Kindern bei, "dass man sie nicht ernst nehmen muss". Die Folge: Die Kinder hören weg. "Kinder brauchen Grenzen zur Regulierung ihrer Allmachtsgefühle", sagt Anita Brosch-Metzdorf. Sonst wachsen sie mit einem unrealistischen Bewusstsein auf und "halten sich für Riesen, obwohl sie Zwerge sind." Jungen und Mädchen müssen lernen, dass ihre Rechte dort enden, wo die Rechte anderer beginnen, so die Expertinnen. Außerdem sichern Grenzen das Selbstwertgefühl von Kindern. Während des Prozesses des Erwachsennwerden muss das Verhalten an ständig neue Anforderungen angepasst werden. Wichtig ist es, klare Strukturen mit Wärme und Unterstützung der kindlichen Selbständigkeit zu kombinieren. Kleiner Anstoß für die Eltern

Brosch-Metzdorf: "Hier braucht jedes Kind genaue Streckenvorgaben, die seinen Kräften entsprechen. Die Grenze, das wohlüberlegte Nein, zeigt dem Kind die Strecke auf, die es bewältigen kann. Wachsen die Kräfte, wird die Strecke erweitert. Grenzen haben dann ein natürliches Verfallsdatum." Oft gelingt Erziehung sehr gut und manchmal ist es nur ein ganz kleiner Anstoß, den Eltern brauchen, um den Erziehungsalltag wieder in den Begriff zu bekommen. Eltern können ihren Kindern Orientierung geben, indem sie liebevoll und konsequent Grenzen setzen.