"Erinnerung tut not" - Bewegende Gedenkveranstaltung 70 Jahre nach der Bombenzerstörung Kelbergs

"Erinnerung tut not" - Bewegende Gedenkveranstaltung 70 Jahre nach der Bombenzerstörung Kelbergs

Bei einem Schweigemarsch entlang der Straße, in der am 16. Januar 1945 Dutzende Menschen starben und Gebäude in Trümmer stürzten, haben mehr als 100 Bürger der Opfer von damals gedacht. Mit historischen Fotografien, Beiträgen von Zeitzeugen und einem Friedensgottesdienst erinnerte man an Kelbergs schlimmste Tage vor 70 Jahren.

Kelberg. "Wenn das nur gut geht", zitiert Hartmut Beitzel bei der Eröffnung der Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz die bangen Gedanken der Kelberger an jenem klaren, sonnigen Wintertag im Januar 1945. "Und es ging nicht gut", betont er.Viele Tote und Verletzte


Nach den ersten Luftangriffen vom 23. und 27. Dezember 1944 mit zwei Todesopfern hatte am 16. Januar 1945 gegen 13 Uhr ein Luftangriff von schrecklichem Ausmaß eingesetzt, der bis 14.30 Uhr andauerte.
Verband um Verband hatte Kelberg angeflogen und schwere Bomben abgeworfen, 200 bis 300 waren gezählt worden. 55 Menschen - 15 Bewohner des Orts und 40 Soldaten - waren getötet, viele verletzt worden, mehr als 20 Gebäude, darunter die Schule, Geschäftshäuser, Gaststätten in Trümmer gelegt. Kelberg sei im Herzen zerstört, hatte der damalige Pfarrer in die Chronik geschrieben.
Auf den Tag genau 70 Jahre später stehen Kelberger mit Kerzen in den Händen an dem Denkmal für die Opfer. Die Trauer um die Toten müsse den heute Lebenden Ansporn für den Frieden sein, erklärt Ortsbürgermeister Wilhelm Jonas. Die Freiwillige Feuerwehr hält Ehrenwache und legt einen Kranz nieder. Die Geschwister Bernadette Schäfer und Hermann-Josef Sicken spielen den Trauermarsch.
Dann formieren sich die Menschen zum Schweigemarsch - entlang der Mayener und Bonner Straße, in deren Häusern damals Mitbürger und Soldaten ihr Leben verloren. In der St.-Vinzenzius-Kirche zeigen Manfred Borm, Stefanie Nestola, Simone Schäfer-Merten und Karl-Heinz Sicken auf Stellwänden und auf einer Leinwand historische Fotos, darunter erstmals öffentlich zu sehende. Es werden Erinnerungen von Zeitzeugen vorgelesen.
"Erinnerung tut not", sagt Pfarrer Ulrich Apelt zu Beginn des Gottesdienstes mit noch mehr Teilnehmern als an der Lichterprozession. Auch heute gebe es Kriege und schreckliche Gräueltaten, räumt der Priester ein. Doch Betroffenheit allein genüge nicht. "Geben wir den Menschen, die in diesen Tagen vor Gewalt und Krieg auf der Flucht sind, Platz in unserem Land, in dem seit 70 Jahren Frieden herrscht", appelliert er. Und sagt: "Diese Gedenkfeier ist ein guter Rahmen, das eigene Denken und Verhalten kritisch zu betrachten, zu ändern und zu erneuern."
In die absolute Stille der Versammlung hinein liest Alois Kapell einen Brief vor. Ein am 16. Januar 1945 in Kelberg stationierter Soldat hatte ihn 50 Jahre später verfasst, nachdem er in Kelberg Urlaub gemacht und die Orte des Geschehens von damals aufgesucht hatte. In großer Detailgenauigkeit schildert er seine Erinnerungen und dankt Gott für sein Überleben.