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Erster Weltkrieg: Die Erinnerung schwindet

Erster Weltkrieg: Die Erinnerung schwindet

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Das Gedenken daran ist in der Region unterschiedlich ausgeprägt.

Trier. Fragt man in der Bevölkerung, welches bedeutende Ereignis sich in diesem Jahr jährt, erntet man größtenteils ratloses Schulterzucken. Dabei gilt 2014 als Supergedenkjahr. Es jähren sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren, die Landung der Alliierten vor 70 und der Fall der Mauer vor 25 Jahren. Und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im August 1914, die sogenannte Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Doch dieser Jahrestag ist kaum einem präsent. "Es gibt keine lebenden Zeitzeugen des Ersten Weltkrieges mehr. Auch daher verschwindet die kollektive Erinnerung daran zunehmend", sagt Matthias Krell von der Landeszentrale für politische Bildung. Von größerer Bedeutung, auch im Schulunterricht, seien der Zweite Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus. "In den Nachbarländern kommt dem ‚Grande Guerre\' aus mehrerer Hinsicht größere Bedeutung zu. Erstens hat der Krieg faktisch dort stattgefunden und daher deutliche Spuren hinterlassen. Überdies waren unsere Nachbarn schlussendlich die Gewinner des Krieges."Militärparade in Frankreich


In Frankreich ist daher das offizielle Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 seit jeher offizieller Feiertag. Zusätzlich sollen am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, zur traditionellen Militärparade alle 72 Teilnehmerstaaten des Ersten Weltkriegs eingeladen werden. Am 3. August ist ein gemeinsamer Besuch von Staatspräsident François Hollande und Bundespräsident Joachim Gauck auf dem Hartmannswillerkopf geplant, einem heftig umkämpften Berg im Elsass, an dem 30 000 Soldaten fielen. In Lothringen, etwa in Metz, seien bislang keine größeren Gedenkveranstaltungen geplant, sagt der in Nancy lehrende Historiker Wolfgang Freund. Eine offizielle Gedenkfeier ist auch in Luxemburg bislang nicht geplant. Der Historiker Benoît Majerus konzipiert derzeit eine Ausstellung für das kommende Jahr über den "kleinen Krieg in Luxemburg". Im Mittelpunkt sollen die davon in Luxemburg betroffenen Menschen stehen - Besatzer wie Besetzte, sagt Majerus.
In Trier sind verschiedene Projekte in Planung. Unter anderem wird das Theater gemeinsam mit Universität, Volkshochschule, Stadtarchiv und Landesmuseum unterschiedliche Themen des Ersten Weltkriegs aufarbeiten. Eine Vorlesungsreihe an unterschiedlichen Orten soll sich ab Oktober mit den Auswirkungen des Krieges auf die Bevölkerung beschäftigen. Flugblätter aus der Kriegszeit werden von November an in den Viehmarktthermen gezeigt. Das Trierer Stadtmuseum wird im August eine Führung zum Thema Bomben über Trier anbieten und plant darüber hin-aus einen Filmabend mit Originalaufnahmen der damaligen Zeit. Ob es eventuell auch eine länderübergreifende Veranstaltung gibt, soll bei einem Treffen der Bürgermeister von Trier, Luxemburg, Metz und Saarbrücken Anfang März geklärt werden.
In Bitburg gibt es bislang keine Planung für eine offizielle Gedenkfeier. In Wittlich befinde man sich noch in der Konzeptionsphase, heißt es aus dem dortigen Rathaus. Frühestens September/Oktober sollen verschiedene Veranstaltungen stattfinden.
Eine zentrale Gedenkfeier für Rheinland-Pfalz ist am 12. September geplant. Dazu hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer auch Vertreter der Großregion eingeladen.