Fit für die Kinder von morgen

Fit für die Kinder von morgen

TRIER. Chancengleichheit und Förderung für alle Kinder von Anfang an. Das hat sich das Land Rheinland-Pfalz zum Ziel gesetzt. Was bedeuten Punkte des Landesprogramms wie "Mit zwei dabei" oder "Deutsch für alle" für die Ausbildung von Erzieherinnen? Der TV hat nachgefragt.

"Wer Erzieherinnen als Basteltanten bezeichnet, hat nichts von pädagogischer Arbeit im Elementarbereich verstanden", sagt Thomas Schmitz, Leiter der Katholischen Fachschule für Sozialwesen in Trier. Die Liste der Fähigkeiten, die eine Erzieherin mitbringen müsse, sei ebenso lang wie die wichtigen Aufgaben, die sie täglich erfülle. Erzieherinnen-Ausbildung sei Persönlichkeits-Entwicklung.Neue Zugangs-Voraussetzungen

"Die Anforderungen an Erzieherinnen sind gestiegen", sagt Schmitz. "Besonders, weil der Bildungsaspekt stärker geworden ist." Kindergärten sind im Wandel. Die Konsequenz: Auch die Ausbildung von Erzieherinnen ändert sich. Die Weichen dazu stellte das Ministerium im Jahr 2003 mit der Ausbildungsreform: Das Vorpraktikum wurde abgeschafft, Zugangs-Voraussetzungen gewandelt. Beispiel Christina: Sie hat die Mittlere Reife - eine der Zugangs-Voraussetzungen - und möchte Erzieherin werden. Um später ihren Traumberuf ausüben zu können, absolviert sie eine zweijährige Ausbildung zur Sozialassistentin, die sie auf die Erzieherinnen-Ausbildung - oder auf einen heilpädagogischen oder pflegerischen Beruf - vorbereitet. Dieser Teil der Ausbildung wurde mit der Reform neu eingeführt. "Doch auch wer den Sekundarabschluss I und eine abgeschlossene Berufsausbildung hat oder mindestens drei Jahre einen Haushalt mit mindestens einem Kind geführt hat, hat die Möglichkeit, Erzieherin oder Erzieher zu werden", sagt Thomas Schmitz. Fachhochschulreife oder Abitur und ein viermonatiges Praktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung sind direkte "Eintrittskarten" zur dreijährigen Ausbildung zur Erzieherin, die sich in zwei Jahre Schule und ein Jahr vergütetes Berufspraktikum gliedert. Doch nicht nur formal, auch inhaltlich hat sich der Ausbildungsbereich verändert: "Wir haben einen neuen Lehrplan, und es wird nicht mehr in Fächern unterrichtet, sondern in Lernmodulen", sagt Schmitz. So reagiere das Lernmodul "Sprachförderung" auf einen der "Pluspunkte" des Landesprogramms "Deutsch für alle". Die angehenden Erzieherinnen lernten dort unter anderem, sprachliche Entwicklungsverläufe von Kindern zu erkennen. "Sie lernen das ,Würzburger Sprachtrainings-Programm‘ kennen und einzusetzen. Es zählt zu einer der Präventions-Maßnahmen von Lese- und Rechtschreibschwäche", erklärt Schmitz. Sowohl in der Ausbildung zur Sozialassistentin als auch in der Erzieherinnen-Ausbildung wurde eine Fremdsprache eingeführt. "Das ist bei uns Englisch", sagt Schmitz.Zahnpflege und Powerpoint

Auch die "Aufnahme von unter Dreijährigen" in Kindergärten findet in dem neuen Lehrplan Berücksichtigung. Ute Schiffer, Lehrerin für Gesundheitsberufe, bringt den Auszubildenden bei, eine Pflegeplanung zu erstellen, sie lernen, Papierwindeln richtig anzulegen, werden über Zahnpflege und den Umgang mit verschiedenen Krankheitsbildern informiert und in Erste Hilfe für Säuglinge und Kleinkinder geschult. "Veränderungen in der Ausbildung waren längst überfällig", meint Schmitz. Auch der gut ausgestattete EDV-Raum in der Katholischen Fachschule ist erst ein Jahr alt. "Grundkenntnisse in Word und Powerpoint sind für Erzieherinnen heute ein Muss", sagt der Schulleiter. "Bevor die neue Bildungs- und Erziehungsempfehlung ratifiziert wurde, gab es eine einjährige Vorlaufphase", sagt Wolf-Jürgen Karle, Sprecher des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums. Kindertagesstätten hätten den von Vertretern aus Kindertagesstätten und Elternverbänden, Wissenschaftlern und Fachleuten aus dem Ministerium erstellten Entwurf erhalten. "In einem Rückmelde-Verfahren haben mehr als 1800 Kindertagesstätten zu dem Entwurf Stellung genommen", sagt Karle. Schulleiter Schmitz betont: "Als Schule nehmen wir die aktuellen Tendenzen auf." "Was von dem Erlernten letztendlich in den Kindergärten umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt", meint Fachschul-Lehrerin Veronika Verbeek. Schmitz beobachtet, dass im Vorschulbereich derzeit sehr schnelle Entwicklungen gefordert werden. Schmitz sagt: "Gewohnte Strukturen werden aufgebrochen. Das ist ein Prozess, der Zeit braucht."

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