Führen statt "Küche schmeißen"

40 Prozent aller Sportvereinsmitglieder sind weiblich. Doch in den Führungsetagen der Klubs sind Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Das kommende Wochenende beschäftigt sich deshalb mit Frauen im Sport.

Trier. (teu) Wenn die dreimalige Biathlon-Olympiasiegerin Kati Wilhelm als Botschafterin des Frauensportaktionstags Mädchen und Frauen auffordert, mehr Sport im Verein zu treiben, wird niemand stichhaltige Argumente finden, die dem vermeintlich "schwachen Geschlecht" untersagen, sich (noch) mehr zu bewegen, als bisher. Der Frauensportaktionstag, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am 5. und 6. Mai organisiert, will dem weiblichen Klientel die Angebote der Sportvereine näher bringen. Allerdings: Kein einziger Klub aus Rheinland-Pfalz findet sich in der offiziellen, 75 Einträge umfassenden Liste des DOSB. Cosima Dümler vom Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) glaubt, dass der Aufruf zu kurzfristig, erst Ende 2006, kam. Zur Basis in der Region um Trier sickerte die Information kaum durch. "Davon habe ich noch nichts gehört", sagte ein Sportkreis-Vorstandsmitglied aus dem ehemaligen Regierungsbezirk Trier.Ein Blick in die Statistik zeigt, dass der Anteil der sportlich aktiven Frauen nicht das Problem ist. Rund 40 Prozent der Mitglieder in den rheinland-pfälzischen Sportvereinen sind weiblich. Diese werden allerdings mehrheitlich von Männern geführt. "Wir kämpfen noch", sagt LSB-Frauenreferentin Ellen Wessinghage. Die traditionellen Rollenbilder zeigen sich sowohl bei den Sportarten, in denen das weibliche Geschlecht aktiv sind, als auch in den Vorständen. Mädchen und Frauen sind beim Tanzen und Turnen in der Mehrheit, in Fußballvereinen mit 21 Prozent in der Minderheit.Beim PST Trier, dem größten Sportverein der Region, ist eine Frau im Vorstand: "Wir haben im Präsidium nur Steffi Peters als Referentin für Sport und mich als Geschäftsführerin", erklärt Hiltrud Schilz. Von 30 Abteilungsleitern seien fünf weiblich. In den Sportkreisen sind es nur die Frauenbeauftragten. "Oft wollen Frauen aber auch gar nicht in Führungspositionen. Sie sind eher als Übungsleiterinnen aktiv", sagt Claudia Grädedünkel. Ein Problem sei das Selbstbewusstsein. "Frauen wollen immer, dass sie etwas hundertprozentig können. Männer sagen: Okay, das könnte ich können", sagt Wessinghage. Grädedünkel hält es für typisch, dass Frauen bei Vereinsfeiern "die Küche schmeißen" müssten: "Das ist nicht beabsichtigt. Das sind halt die Rollen, die nicht hinterfragt werden."