Gefährlicher Qualm

Gefährlicher Qualm

Aromatische Rauchschwaden ziehen im orientalischen Ambiente von Shisha Bars umher. Auf den Tischen der Cafes stehen blaue, grüne, silberne oder messingfarbene Wasserpfeifen, sogenannte Shi-shas. Deren Qualm stinkt oft nicht, sondern riecht und schmeckt nach Apfel, Kirsche, Pfirsich, Kaffee oder Vanille.



Gerade diese Eigenschaft der Tabaksorten für die orientalische Wasserpfeife machen sie für junge Menschen attraktiv. Ähnlich wie bei Alcopops oder Biermischgetränken merkt man den Wasserpfeifen-Tabaksorten nicht an, dass sie schädlich sind. Anna M. (17) bestätigt diese Vermutung:"Ich rauche in Shisha-Cafes oder wenn einer eine Wasserpfeife zuhause hat. Und es schmeckt gut." Neben dem Geschmack spielt für sie der gesellige Aspekt eine wichtige Rolle, denn man sitzt beim Shisha-Rauchen in einer Runde zusammen und lässt den Schlauch kreisen.

Zwar ist der Raucheranteil unter jungen Menschen zwischen zwölf und 25 Jahren auf den niedrigsten Stand seit 1979 gesunken. Nur noch 17 Prozent der jungen Menschen greifen zu Zigaretten. Wasserpfeife-Rauchen ist bei Jugendlichen je doch im Kommen. "Man raucht das nicht so oft wie Zigaretten", sagt die 17-Jährige. Wie Anna M. bestätigen aber 40 Prozent der zwölf bis 17-Jährigen, dass sie schon einmal Shisha geraucht haben. Eigentlich ist das erst ab 18 erlaubt.

Deswegen befürchtet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, dass bei Jugendlichen Zigaretten zwar out, aber Tabakkonsum nicht verbannt ist, sondern über Wasserpfeifen geregelt wird. Zum Deswegen befürchtet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, dass bei Jugendlichen Zigaretten zwar out, aber Tabakkonsum nicht verbannt ist, sondern über Wasserpfeifen geregelt wird. Zum Jahreswechsel rief sie deshalb dazu auf, im Sinne des Jugendschutzes stärker gegen das Rauchen von Wasserpfeifen vorzugehen.

„Dieser Aufruf ist bei uns angekommen", sagt die Jugendschutzbeauftragte für den Landkreis Trier-Saarburg und die Stadt Trier, Christine Schmitz. Bei Jugendschutzkontrollen werden laut Schmitz immer auch die Shisha-Bars in der Region aufgesucht. Ein Problem sieht sie im Wohlgeschmack von Wasserpfeifenrauch: „Egal, ob das gut schmeckende Cocktails, Alcopops oder wohlschmeckender Tabak ist, das hat immer eine verharmlosende Wirkung.“ Die Gefährlichkeit der legalen Drogen werde durch guten Geschmack nur überdeckt.

Und genau diese Gefahr realisieren Jugendliche oft nicht so wie Erwachsene. „Kritisches Konsumverhalten hat immer etwas mit psychischer Reife zu tun“, erklärt die Jugendschutzbeauftragte. Das Problem des Wasserpfeife-Rauchens in Shisha Bars – also im öffentlichen Raum, wo die Jugendschützer Einfluss ausüben können – sieht Schmitz aber zum Großteil auf Trier als Oberzentrum beschränkt. Hier gebe es mehrere Shisha-Bars, während im Kreis Trier-Saarburg solche Bars nicht existierten. Außerhalb von Schmitz Zuständigkeitsbereich ist dem TV in der Region nur noch eine Shisha-Bar in Wittlich bekannt.

Keine Auffälligkeiten und Bußgeldverfahren Bei Kontrollen des Ordnungsamtes in den Trierer Shisha-Bars sieht die Bilanz bisher gut für die Jugendschutzbeauftragte aus. „Wir haben bei den Kontrollen keinen gefunden, der nicht rauchen durfte. Es gab noch keine Auffälligkeiten oder Bußgeldverfahren“, sagt Schmitz. Auch Toni Karmi, der Geschäftsführer der Shisha-Bar „Shahrazad“ in Trier, bestätigt diesen positiven Eindruck. „Bei uns hängt ein Schild an der Tür, dass der Eintritt nur ab 18 Jahren erlaubt ist“, sagt Karmi. Wenn die Mitarbeiter den Eindruck haben, dass Besucher der Bar nicht 18 Jahre alt sind, verlangen sie laut Karmi den Personalausweis. Wer jünger ist, fliege dann sofort wieder raus. Und das ist nicht nur gesetzeskonform, sondern auch gut für den Geldbeutel der Shisha-Bar-Besitzer.

Denn Bußgelder betreffen bei Verstößen nicht den Jugendlichen selbst. Je nachdem, wie die Betriebe finanziell dastehen, drohen den Bars bei wiederholten Verstößen bis zu 50000 Euro Strafe. „Einige hundert Euro sind bei solchen Verstößen gegen den Jugendschutz normal“, erklärt die Jugendschutzbeauftragte. Die Eltern von Jugendlichen, die sich nicht an die Vorschriften halten, bekommen von der Jugendschutzbeauftragten Erziehungsbriefe. Darin zeigt die Beamtin ihnen die Fehlleistungen ihrer Kinder auf. Danach spricht sie persönlich mit den Eltern und macht sich ein Bild von der konkreten Lebenssituation der Kinder. Sollte Schmitz wiederholte Verstöße registrieren und sollte sich herausstellen, dass soziale Hilfestellungen nötig sind, zieht sie Maßnahmen wie eine Suchtberatung in Betracht.

EXTRA:
Gesundheitsschädlich ist das Wasserpfeife-Rauchen genauso wie das Rauchen von Zigaretten. „Die Risiken sind die gleichen. Gerade das Tumorrisiko ist genauso hoch“, sagt Joachim Vogt, Chefarzt für Pneumologie (Abteilung für Lungenerkrankungen) im Brüderkrankenhaus in Trier. Egal ob Wasserpfeife oder Zigarette: Rauchen kann zu Lungen- sowie Kehlkopfkrebs führen, oder einen Herzinfarkt, einen Gehirnschlag sowie Durchblutungsstörungen verursachen. „Man vermindert das Risiko durch das Wasserpfeiferauchen nicht“, sagt Vogt. Wie Zigarettenrauch enthält auch der Rauch von Wasserpfeifen-Tabak Nikotin sowie giftige Substanzen wie Teer, Nickel, Arsen und Chrom. (cmk)

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