Geld fällt nicht vom Himmel

Geld fällt nicht vom Himmel

TRIER. Je früher ein Kind den verantwortungsvollen Umgang mit Geld erlernt, desto besser wird es als Erwachsener mit den Euros umgehen können. Vier Experten gaben am TV-Erziehungstelefon wertvolle Tipps rund um das Thema "Jugend und Finanzen".

Lina (10) ist stolz. Ihr sehnlichster Wunsch ist ein neues Fahrrad. Von ihrem Taschengeld zwackt sie sich Woche für Woche einen Euro ab, um sich ihren Traum irgendwann zu erfüllen. Ihre Eltern legen ihr für jeden ersparten Euro noch einen drauf. "Lina wird von ihren Eltern motiviert und das ist ein gutes Mittel, Einfluss auf das Konsumverhalten des Kindes zu nehmen", sagt Heike Müller, Jugendberaterin der Raiffeisenbank Bernkastel-Wittlich eG. "Der Grundstein für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld wird in der Familie gelegt", sagt Müller. Taschengeld sei Übungsgeld, und das Vorbild der Eltern entscheidend. In einer Welt, in der Kaufbotschaften Kinder und Jugendliche unverblümt und direkt treffen, sei es nicht immer leicht für die jungen Konsumenten, sich zurecht zu finden. Ein Stolperstein: "Mit ´jetzt kaufen - später zahlen" locken viele Kaufhäuser", sagt Nico Steinbach, Berater bei Freeway, der Jugendbank der Volksbank Bitburg. "Es findet keine Bonitätsprüfung statt." Doch Vorsicht sei geboten: denn ein Ratenkauf hier für 30 Euro und ein Ratenkauf dort für 40 Euro könne verschleiern, was am Ende wirklich bezahlt werden müsse. "Und bezahlt muss es werden, auch wenn das Angebot noch so verlockend ist", so Steinbach. Den Sinn fürs Sparen beim Kind wecken

Der beste Schutz vor den Tücken der Konsumwelt sei der frühzeitig erlernte verantwortungsvolle Umgang mit Münzen und Scheinen. "Kinder müssen begreifen, dass man etwas tun muss, um Geld zu bekommen", sagt Lisa Feils-Endres, Diplom-Pädagogin der Lebensberatungsstelle Bitburg. Wichtig sei es, die Sprösslinge für Geld zu sensibilisieren und dass sie den Sinn fürs Sparen entdecken. "Spätestens dann, wenn das Sparschwein voll ist, braucht das Kind ein eigenes kindgerechtes Sparbuch", sagt Nico Steinbach. "Die genossenschaftlichen Banken haben gemeinsam mit Pädagogen und Psychologen ein Sparprogramm entwickelt, dass Kinder und Jugendliche auf spielerische Weise an den Umgang mit Geld heranführt." Die Eröffnung des ersten Girokontos hängt laut Andreas Pax, Jugendberater der Volksbank Trier eG, von der Reife des Kindes ab. "Wir bieten den Jugendlichen ein Girokonto an, das nicht überzogen werden kann", so Pax. Mit diesem Konto könne man Überweisungen tätigen, Daueraufträge einrichten, am Geldautomaten Bargeld abheben und per Electronic Cash im Handel bezahlen. "Aber nur wenn Guthaben vorhanden ist, denn das erste Konto wird ausschließlich auf Guthabenbasis geführt", sagt Pax. Empfehlenswert sei es, den Umgang mit dem ersten Konto zu trainieren, indem die Eltern das Taschengeld monatlich überweisen. Auch der Umgang mit der Karte sei Übungssache. "Karten werden immer mehr das Bargeld ersetzen", sagt Nico Steinach. Die Falle: "Kartenzahlung fördert Impulskäufe, denn das, was bar bezahlt wird, unterliegt einfach mehr der eigenen Kontrolle." Der Expertenrat: den Kontostand nie aus dem Blick lassen. "Jugendliche, die ihr erstes Ausbildungsgeld verdienen, sollten vom ersten Zahltag an Buch über Einkommen und Ausgaben führen", empfiehlt Andreas Pax. Bei Schulden Hilfe holen

Wenn Jugendliche jedoch in eine schwierige Situation geraten und Schulden gemacht haben, sollten sie sich möglichst schnell Hilfe holen. "Desto mehr Zeit ins Land geht, desto schlimmer wird es", sagt Heike Müller. "Bankberater, Beratungsstellen oder die Schuldenerberatung können bei Problemen mit Schulden Anlaufstellen sein", sagt die Jugendberaterin.