Grenz-Gänger mit Ambitionen

Er ist gebürtiger Schwabe, startet aber für Luxemburg. Er lebt an der Mosel und hat einen Hang zu Amerika: Triathlet Dirk Bockel will in dieser Woche in Vancouver das Ticket für Olympia sichern.

 Will auch in China aus dem Wasser steigen: Für Triathlet Dirk Bockel ist die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 zum Greifen nahe.Foto: Marcel Nickels/Tageblatt

Will auch in China aus dem Wasser steigen: Für Triathlet Dirk Bockel ist die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 zum Greifen nahe.Foto: Marcel Nickels/Tageblatt

Nittel. Der Blick aus den Fenstern ist großartig. Runter ins Moseltal, rüber über die Grenze nach Luxemburg. Sein Haus: schnörkellos, offen, geradlinig. So, wie er sich als Mensch auch immer geben will: "Ich bin schon gradheraus."Das sagt Dirk Bockel, der seit knapp zwei Jahren mit seiner amerikanischen Frau im neuen Domizil in Nittel (Kreis Trier-Saarburg) lebt. Der 31-Jährige steht kurz vor seinem größten Erfolg als Triathlet - der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking. Ein passables Resultat bei der Weltmeisterschaft in Vancouver (7./8. Juni), und der Asien-Trip kann gebucht werden. Bockel: "Ich bin momentan 47. der Weltrangliste, und die ersten 55 sind bei Olympia dabei. Wenn ich nicht rückwärts mit dem Rad fahre, dann sollte es klappen."Trainingsrevier an der Mosel und in der Eifel

Die Wege entlang der Mosel zählen zu Bockels bevorzugtem Trainings-Areal. "Ich kann dort sehr gut auf flachem Terrain laufen und Rad fahren. Wenn es sein muss, geht es aber auch zwischendurch böse in die Hügel der Eifel." Zum Schwimmen nutzt er entweder das 50-Meter-Becken im lediglich fünf Kilometer entfernten Grevenmacher oder das Schwimmbad im luxemburgischen Sportzentrum "Coque". Nicht nur als Sportler überschreitet Bockel Grenzen. Seit rund vier Jahren hat der gebürtige Waiblinger nur noch einen luxemburgischen Pass. Der Modellathlet (1,89 Meter groß, 76 Kilo schwer) geht für das "Ländchen" an den Start. Nach mehrjährigen Querelen mit der Deutschen Triathlon Union (DTU) hatte er sich zur Einbürgerung in Luxemburg entschieden. Ein Hintergrund: Nachdem der langjährige deutsche Nationaltrainer Steffen Grosse bei der DTU nicht mehr in Amt und Würden war, hielt Bockel ihm zunächst die Treue. Er verlagerte seinen Trainingsschwerpunkt ins Großherzogtum, wohin Grosse als Coach wechselte. Das kam bei der DTU nicht gut an. Bockel, der im Weltcup für Plätze in den Top 20 gut ist, lebte nach seinem Abitur 1996 zunächst am Olympiastützpunkt Saarbrücken, später ging es semesterweise zum Studium und zur Vertiefung der sportlichen Ambitionen in die USA - erst nach Georgia und dann nach Florida. Ein weiterer Nebeneffekt des Nationalitätenwechsels: Die Konkurrenz im Kampf um Tickets für internationale Großereignisse ist in Luxemburg kleiner. Viel kleiner. Für seinen Sport ist Bockel, der für Celtic Diekirch startet und inzwischen vom Dänen Michael Krüger gecoacht wird, 220 Tage im Jahr unterwegs. Nur vom Sport leben kann er aber nicht. "Man muss sich vorstellen: Da wird man Zehnter bei einem Weltcup, und dafür habe ich nur 500 Dollar in der Tasche." Das Grundbedürfnis deckt sein Arbeitgeber, die luxemburgische Armee. In der dortigen Sportsektion ist er seit Ende 2005 Elite-Sportsoldat. Zudem ist er auf Sponsoren angewiesen. Was nicht einfach ist. Bockel: "Ich gehe ins Olympiajahr ohne Hauptsponsor." Auf der Suche nach Akzeptanz

Als "Ausländer" muss er sich erst weiter Akzeptanz verschaffen. Doch Bockel sieht sich auf einem guten Weg. "Am Anfang in Luxemburg war schon Neid da. In der Armee hieß es: ,Da kommt der Preuß'.' Doch viele Leute honorieren inzwischen meine Leistungen. Und sie merken, dass ich es ernst meine, für Luxemburg an den Start zu gehen." Mit seiner Geradlinigkeit versucht er weiter, die Sympathien bei seinen "neuen" Landsleuten zu gewinnen. Eine Olympia-Teilnahme kann da nur helfen. Bockel: "Damit ginge ein Traum in Erfüllung. Das ist das Höchste, was ein Sportler erreichen kann."

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