"Haltung bewahren und durch"

"Haltung bewahren und durch"

TRIER. (gsb) Salka Schwarz lebt und arbeitet in Berlin. Ihren Besuch in Trier nahm der TV zum Anlass, um mit ihr über Manieren in der heutigen Zeit zu sprechen.

Sind Sie nicht etwas streng mit Ihren Regeln in ,Benimm Dich‘?Schwarz: Meine Philosophie ist, Regeln konsequent zu vermitteln. Es gibt ja verschiedene Situationen: berufliche, private, offizielle, inoffizielle. Die Frage ist, in welcher Rolle man gerade ist. Deshalb gebe ich die Regeln streng weiter. Aber der Mensch entscheidet selbst, ob er sie schön findet, ablehnt oder verändert. In manchen Berufen braucht man sie nicht so streng einzuhalten, in anderen mehr. Sie kommen beruflich viel herum. Gibt es regional unterschiedliche Etikette-Regeln, etwa zwischen Berlin und der Mosel?Schwarz (lacht): Das ist mir noch nicht aufgefallen. Allerdings habe ich ein unterschiedliches Distanzverhältnis in einem Nord-Süd-Gefälle beobachtet. Im Norden hält man größeren Abstand zu seinem Gegenüber als im Süden. Sie haben zwei erwachsene Töchter. Haben die Ihre Benimmregeln gerne verinnerlicht?Schwarz: Sie leben so. Die Töchter haben die Regeln so angenommen und nie als Zwang empfunden. Allerdings haben wir sie zeitweise weggelassen. Meine Töchter haben auch bestimmte Kleiderphasen durchgemacht. Das habe ich toleriert, ich wusste, das geht wieder vorbei. Man soll sogar solche Phasen durchmachen, muss gucken, was zu einem passt. Mit etwa 30 Jahren sollten allerdings Verhalten und Aussehen stimmig sein. Trifft der Spruch ,Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr‘ auf das Benehmen zu?Schwarz: Da ist schon was dran. Man kann Benehmen lernen und anwenden. Es muss aber von Herzen kommen. Es muss zu dem Menschen passen, und er muss gutes Benehmen mögen. Bei hochsommerlichen Temperaturen ist es nicht einfach, Contenance zu bewahren. Was empfehlen Sie?Schwarz: Es gibt für Erwachsene nicht viele Auswege. Es bleibt nur: Haltung bewahren und durch. Nur, weil die Temperaturen so hoch sind, darf nicht etwa eine kurze Hose angezogen werden. Zu Spaghetti-Träger und Flip-Flops: Junge Leute werden ihren Weg und ihre Grenzen finden. * Das Interview führte unsere Mitarbeiterin Gabriela Böhm.