HINTERGRUND

IN DER REGION PARTEIEN:Nur wenig Zustimmung fanden die rechtsextremistischen Parteien "Nationaldemokratische Partei Deutschlands" (NPD), "Deutsche Volksunion" (DVU) und "Die Republikaner" (REP) in der Region Trier bei den vergangenen Bundestagswahlen. Auch wenn sie bedeutungslos zu sein scheinen, sind sie Teil einer deutschlandweit vernetzten rechten Szene. Gemeinsame Aktivitäten sind dabei nicht nur Demonstrationen, sondern auch regelmäßige Stammtische und interne Familienfeste . Nachwuchs zu rekrutieren, ist eines der wichtigsten Ziele der Parteiarbeit. Vor allem die NPD hat sich deshalb in den letzten Jahren systematisch auch für Neonazis und gewaltbereite Skinheads geöffnet und diese in ihre Aktivitäten eingebunden. FREIE KAMERADSCHAFTEN:Abgesehen von den Parteien gibt es in der Region auch so genannte "freie Kameradschaften" wie das "Aktionsbündnis Eifel" oder die "Kameradschaft Moselland". Freie Kameradschaften sind informelle Cliquen, bestehend aus fünf bis zwanzig Mitgliedern. Der Verfassungsschutz zählt ungefähr 150 solcher "Kameradschaften" in Deutschland. Mit ihrer Organisationsform ist es den jungen Neonazis möglich, Vereinsverbote zu unterlaufen und junge Menschen zu erreichen, die verstaubte Parteiapparate ablehnen . Im Hintergrund ziehen aber auch hier Rädelsführer wie Christian Worch, einer der einflussreichsten Rechtsextremisten aus Hamburg, die Fäden. Entstanden sind sie als Weiterführung verbotener Organisationen der Neonazis Mitte der 90er Jahre. Ziel war es damals, einen führerlosen Widerstand zu entwickeln, dessen Strukturen für den Staat und Außenstehende verschleiert werden sollten. Dennoch bildeten sich Kader und Hierarchien, die heute flächendeckend als ein eher informelles Netz kleiner aktiver Gruppen existieren, die auf Anweisung sofort einsatzbereit sind. Rechte Taktik und Strategiewandel DER LETZTEN JAHRE: Die NPD hat Mitte der 90er einen grundlegenden Strategiewandel vollzogen. Bundesweit verfolgt sie die Dreifachstrategie: "Kampf um die Köpfe", "Kampf um die Straße", "Kampf um die Parlamente". Im Zuge des Umdenkungsprozesses widmet sie sich zunehmend tagesaktuellen Themen und öffnet sich gezielt jüngeren Altersgruppen. Ziel ist es, altes Gedankengut zeitgemäß zu verpacken und in den Köpfen ihrer jungen Sympathisanten zu verankern. Um sie zu erreichen, wird gezielt Jugendarbeit geleistet: von Konzerten über Zeltlager bis hin zu Hausaufgabenhilfe zu verpacken. Vor allem versuchen sie, ihr aggressives Image loszuwerden. Deshalb gebärden sie sich als diskussionsbereite, "nette Jungs von nebenan". Ihre rechte Einstellung tragen sie oft nicht mehr mit kurzrasierten Haaren und Bomberjacken zur Schau. Vernetzung übers Internet: Deutsche Rechtsextremisten nutzen nach Angaben des Verfassungsschutzes seit 1997 intensiv das Internet als Kommunikationsmittel. Die weitgehende Anonymität bietet deutschen wie ausländischen Rechtsextremisten eine schnelle, kostengünstige und grenzüberschreitende Plattform zur Selbstdarstellung, zu Szenekontakten wie Veranstaltungsaufrufen und zur Verbreitung verfassungsfeindlicher Ideen.