Historiker blickt zurück in die Geschichte

Historiker blickt zurück in die Geschichte

Einen tiefgehenden Einblick in die Geschichte der Schlacht von Verdun, die während des Ersten Weltkriegs 1916 tobte, gibt der Wittlicher Historiker Patrick A. Bourassin am 8. Oktober in der Stadtbücherei.

Wittlich. Die Schlacht von Verdun steht im Mittelpunkt eines militärhistorischen Vortrages, den Patrick Bourassin am 8. Oktober um 19 Uhr in der Stadtbücherei Wittlich halten wird. Bourassin setzt damit seine Vortragsreihe über bedeutende Schlachten fort. Im vergangenen Jahr hatte er sich mit dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Schlacht von Gettysburg befasst.
Patrick Bourassin (Foto: privat) kam als französischer Soldat 1967 nach Wittlich. Er unterrichtete von 1973 bis 2010 am Peter Wust Gymnasium Geschichte, Geografie und Französisch. Von 1978 bis 1988 war er zusätzlich Lehrbeauftragter an der Universität Trier. Seine Motive erläutert er im TV-Interview.

Ihr neuer Vortrag hat die Schlacht von Verdun, eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkrieges, zum Thema. Wie kamen Sie auf die Idee, sich detailliert mit herausragenden Ereignissen der großen Kriege zu beschäftigen und hierüber Vorträge zu halten?
Patrick Bourassin: Als Geschichtslehrer habe ich schon früh nicht nur bei meinen Schülern ein großes Defizit an geschichtlichen Wissen festgestellt. Ergänzend zum Unterricht am Gymnasium habe ich deshalb regelmäßig geschichtliche Vorträge gehalten, um so auch interessierte Menschen außerhalb der Schule zu erreichen. Hinzu kam mein großes Interesse an der Waffentechnik, die in meinen Vorträgen immer ein zentrales Thema ist.
Wann ging es los und was war das Thema Ihres ersten Vortrages?
Bourassin: Im Juni 1989 habe ich am Peter-Wust-Gymnasium meinen ersten öffentlichen Vortrag gehalten. Thema war damals ein Aspekt der vor 200 Jahren stattgefundenen französischen Revolution.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen immer die militärisch-technische Seite und die Führungsfähigkeiten der Generalität. Gleichzeitig drücken Sie oft Ihre tiefe Betroffenheit über das Leid und das Ausgeliefertsein des einfachen Soldaten aus.
Bourassin: Die Leidtragenden aller Kriege sind immer die Soldaten, die an vorderster Front kämpfen müssen. Hervorragend dargestellt wird dies in dem Filmklassiker "Im Westen nichts Neues" aus dem Jahre 1930, dort wird das Leiden der Soldaten in den Schützengräben des Ersten Weltkrieges exemplarisch dargestellt. Sind wir froh, dass wir in unserer Zeit leben!
Geschichtliche Betrachtungen und Interpretationen sind immer auch eine Frage des Zeitgeistes. Wie wird Verdun heute gesehen?
Bourassin: Aus französischer Sicht hat die Schlacht von Verdun die französische Armee stabilisiert. Die Franzosen haben in Verdun ihre Verteidigungsfähigkeit und Kampfkraft bewiesen. Verdun führte zum Aufstieg von General Philippe Pétain.
Verdun steht heute für die Sinnlosigkeit des Krieges: Rund 600 000 französische und deutsche Soldaten wurden dort geopfert. Die Schlacht dauerte fast zehn Monate. Weshalb hat die Generalität das sinnlose Ringen nicht früher beendet?
Bourassin: Verdun musste gehalten werden, weil den deutschen Truppen bei einem Durchbruch der Weg nach Paris offen gestanden hätte.
Sowohl die Deutschen als auch die Franzosen beanspruchen den Sieg für sich. Gab es überhaupt einen Sieger?
Bourassin: Wenn man sich die Verluste an Menschen und Material anschaut, kann keine der beiden kämpfenden Nationen von einem Sieg sprechen.
Sie sind ein seit vielen Jahren in Wittlich lebender Franzose. Werden bei Ihrem Vortrag über Verdun beide Seiten berücksichtigt?
Bourassin: Ich werde während des Vortrages sinnbildlich Uniform, Fahne und Sprache laufend wechseln. Selbstverständlich werde ich als Militärhistoriker beide Seiten der Schlacht beleuchten.
Gibt es eigentlich schon Planungen für einen weiteren Vortrag?
Bourassin: Im nächsten Jahr jährt sich die Schlacht von Waterloo zum 200. Mal. Deshalb wird Waterloo das Thema meines Vortrages im kommenden Jahr sein.
Die Fragen stellte Ulrich JacobyExtra

Patrik André Bourassin wurde 1945 geboren. Er kam 1967 als französischer Soldat nach Wittlich; geblieben ist er "der Liebe wegen" (O-Ton Bourassin): 1973 kam er nach dem Studium als Lehrer für Geschichte, Geografie und Französisch ans PWG. Von 1978 bis 1988 war er Lehrbeauftragter an Universität Trier. 2010 wurde er pensioniert. red

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